Vier Einzelzimmer und ein Seminarraum sind geplant. Foto: Engelhard-Eggeler-Architekten

Das Pädagogisch-Kulturelle Centrum in Freudental wird für mehr als 500 000 Euro erweitert – vor allem, weil die Ansprüche der Besucher steigen: immer mehr Gäste verlangen ein Einzelzimmer – sonst sagen sie den Besuch komplett ab.

Freudental - Auf den ersten Blick ist die Welt in Zimmer 10 in Ordnung: der Raum ist sauber und geräumig, vor den Fenstern hängen weiße Gardinen, das dunkel geflieste Bad wirkt modern. Und doch hat das Übernachtungszimmer im Pädagogisch-Kulturellen Centrum (PKC) in Freudental einen Schönheitsfehler: es stehen zwei Einzelbetten drin. Die meisten Gäste, die für Tagungen ins PKC reisen, wollen aber alleine schlafen, erklärt Isolde Siegers, die Geschäftsstellenleiterin. Sie spricht deshalb von Kapazitätsproblemen in ihrem Haus und hohen Kosten, die durch die Unterbringung von Gästen in den umliegenden Gasthäusern entstehen würden. Da manche Gäste eine Übernachtung im Doppelzimmer strikt ablehnen, seien die Kosten, diese auswärts unterzubringen, in den letzten Jahren außerdem stark gestiegen.

Mehr als eine halbe Million will der Kreis investieren

Um dem Problem Herr zu werden, hat der Kulturausschuss des Kreistags neulich einstimmig beschlossen, dass das PKC erweitert werden soll. Seit 1985 besteht die Tagungsstätte direkt neben der ehemaligen Freudentaler Synagoge. Hierher kommen vor allem Jugendgruppe und Schulklassen, aber auch Erwachsenenbildung findet im PKC statt. Offen ist das Tagungsgebäude mit elf Zimmern gleichwohl für jedermann – auch Sportvereine und Mitarbeiter von Banken haben hier schon Wochenenden verbracht. Inzwischen stößt die Einrichtung laut der Chefin Siegers an ihre Kapazitätsgrenze – und soll deshalb wachsen.

Knapp 570 000 Euro will der Kreis in einen Neubau investieren, der direkt an das bestehende Tagungs- und Übernachtungsgebäude grenzt. Dafür wird ein Wohnhaus an der Strombergstraße, das dem Kreis seit drei Jahren gehört, abgerissen.

An seiner Stelle wird ein Haus mit großem Gruppenraum und vier Einzelzimmern gebaut. Damit, so hofft Siegers, wird das PKC als Tagungs- und Übernachtungsstätte wieder zeitgemäß. Denn aktuell flattern in Freudental immer wieder Absagen von Gruppen ins Haus, die zwar Interesse an einer Tagung haben – wegen der geringen Kapazität und der wenigen Einzelzimmer aber am Ende doch lieber woanders tagen. Über den Trend zu Einzelzimmern hat Siegers sogar eine Statistik geführt: vor drei Jahren wollten noch 61 Prozent der Gäste eine solche Unterbringung, im vergangenen Jahr waren es bereits 79 Prozent. „Wenn sie hören, dass wir keine Einzelzimmer anbieten können, kommen manche Gäste einfach nicht“, sagt die PKC-Chefin.

Der Verband sieht keinen Trend zu Einzelzimmern

Ein Fazit, das den Hotel- und Gaststättenverband Dehoga in Baden-Württemberg überrascht. Laut dem Sprecher Daniel Ohl sei seinem Verband jedenfalls kein Trend zu Einzelzimmer in der Tagungshotellerie bekannt. Vielmehr würden viele Häuser eher dazu tendieren, kleine Zimmer zusammenlegen, um modernen Standards zu genügen.

Das PKC geht nun einen anderen Weg: derzeit hat das Haus sieben Doppel- und vier Einzelzimmer, nach dem Neubau wären es immerhin acht Räume mit Einzelbett. Zudem entsteht durch die Erweiterung, die im Frühjahr 2020 fertig sein soll, ein neuer Seminarraum. Bislang steht den Gästen dafür nur die ehemalige Synagoge zur Verfügung, getrennte Veranstaltungen sind kaum möglich. Der neue Raum kann künftig auch von Vereinen aus dem Ort genutzt werden. Der Kreistag entscheidet am 21. Juli über das Projekt.

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