Auf dem Parkplatz neben der Stadtmühle ist der Neubau des Evangelischen Vereins vorgesehen. Foto: Edgar Rehberger

Die Stadt hat die Bauvoranfrage abgelehnt. Der Verein will neben der Stadtmühle ein Gebäude für betreutes Wohnen bauen. Vorgesehen sind 60 Wohnungen.

Bad Cannstatt - Rückschlag für den Evangelischen Verein: Das Baurechtsamt der Stadt lehnte die Bauvoranfrage für den Neubau für betreutes Wohnen an der Überkinger Straße ab. „Wir sind wirklich sehr enttäuscht über die Ablehnung unserer Bauvoranfrage“, sagt Geschäftsführerin Claudia Degler. „Wir hätten uns gewünscht, dass unser Projekt direkt weitergeht.“ Derzeit werde beraten, ob gegen den negativen Bauvorbescheid Widerspruch eingelegt wird, „da bei wesentlichen Fragen aus unserer Sicht durchaus Befreiungen möglich gewesen wären“, ergänzt Roman Schaupp, der Erste Vorsitzender des Evangelischen Vereins.

 

Verein befürchtet Zeitverlust

Der Verein befürchtet, dass sich der Prozess noch sehr lange hinziehen und sich die Realisierung des Projektes dadurch massiv nach hinten verschieben wird. Denn der angestrebte Zeitplan war sehr sportlich. Bei der Präsentation des Vorhabens im November vergangenen Jahres wurde Ende 2024 als Bezugstermin für das neue Gebäude genannt. Aber schon damals wurde auf das fehlende Baurecht hingewiesen und die Hoffnung auf ein Entgegenkommen der Stadt geäußert. Es müsste ein Bebauungsplan erstellt werden.

Aufgeben will der Evangelische Verein das Vorhaben aber nicht. „Die Finanzierung des Projekts nach heutigem Planungsstand steht. Wir werden uns auf den kommenden Prozess einlassen und den bereits eingeschlagenen Weg weitergehen“, sagt Claudia Degler. Aktuell steigt der Verein mit Vertreterinnen des Amtes für Stadtplanung und Wohnen in die Beratungen über die Erstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes ein.

Mangel an Plätzen für betreutes Wohnen

Denn in Bad Cannstatt fehle bis 2030 eine deutliche Zahl an barrierefreiem Wohnraum mit Unterstützungs- und Betreuungsleistungen und einem sozialen Angebot. Der Evangelische Verein, der auf eine lange Geschichte und Tradition in Bad Cannstatt zurückblickt, möchte diesem Mangel mit ergänzenden Betreuungsleistungen entgegenwirken und den Menschen einen würdevollen und selbstbestimmten Lebensabend in den eigenen Räumen ermöglichen.

Der geplante Neubau soll direkt am Neckar entstehen und sowohl den zukünftigen Mietern als auch Bad Cannstatt einen Mehrwert bieten. Es wird nicht nur Raum zum Leben, sondern auch ein Ort der Begegnung geschaffen werden. Mit Hilfe von kulturellen Angeboten und begrünten Freiflächen möchte der Evangelische Verein Begegnungen ermöglichen und die soziale Einbindung der Mieter in Bad Cannstatt fördern. Mit einer nachhaltigen Bauweise und viel Grün soll das Wohnhaus in das Stadtbild integriert werden.

Fläche bislang als Parkplatz genutzt

„Wir sind überzeugt, mit unserem Projekt Lücken auszufüllen“, betont Roman Schaupp. Zum einen die Versorgungslücke – die Nachfrage nach betreutem Wohnen sei größer als die nach einem Platz im Pflegeheim. Zum anderen werde durch das Schließen der Baulücke an der Überkinger Straße das Stadtbild deutlich attraktiver gestaltet. Vor zwei Jahren wurde deshalb das Vorhaben in Angriff genommen.

Das erste Planungskonzept sah ein Gebäude mit sechs Etagen und einem Dachgeschoss vor, das sich den städtebaulichen Rahmenbedingungen anpasst. Geplant waren auf der Fläche, die bislang als Parkplatz für die Mitarbeiter genutzt wird, 40 Zwei- und 20 Ein-Zimmer-Wohnungen, eine Dachterrasse sowie ein Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss. Das Gebäude sollte zum Neckardamm hin geöffnet und durch einen Verbindungsgang zur benachbarten Stadtmühleangebunden sein. Der Evangelische Verein geht bei dieser Planung von 12,5 Millionen Euro an Kosten aus.