Obwohl zusätzliche Kosten bei den großen Bauprojekten entstehen, kann die Stadt Renningen diese finanzieren, ohne dass dafür ein Kredit aufgenommen werden muss. Ein Überblick über die größten Baustellen der Stadt.
Trotz teils regnerischem Wetter haben sich am Freitagnachmittag etwa 30 Bürgerinnen und Bürger vor dem Renninger Rathaus eingefunden, um an der diesjährigen Baustellenradtour teilzunehmen. „Die Baustellen, die wir heute sehen, habe nicht alle ich verbrochen“, verkündete Stadtbaumeister Hartmut Marx zum Start schmunzelnd.
Und schon ging es auf zur ersten Station in Richtung des ehemaligen Mühlenareals. Hier entsteht am Rande des Friedhofs ein 54 Einheiten umfassendes Gebäude, in dem betreutes Wohnen für ältere Bürger angeboten werden soll. Die Wohneinheiten sind bereits größtenteils verkauft worden und können im Idealfall Mitte nächsten Jahres bezogen werden. Es handelt sich um ein privates Bauvorhaben, bei dem die Stadt nur den Wunsch geäußert hat, dass ein sozialer Zweck erfüllt wird, erzählt Bürgermeister Wolfgang Faißt.
Sanierung als Chance zur Umgestaltung
An den nächsten beiden Stationen zeigte sich, dass mehrere Holzbauten erneuert werden müssen. Zwei Brücken, die über den Rankbach gehen, müssen im Laufe des nächsten Jahres ausgetauscht werden. Am Maisenburgweg werden alte Lärmschutzwände aus Holz schon bald durch Drahtschotterkästen ersetzt.
Umfangreiche Sanierungsarbeiten werden ab Oktober an der Lehenbühlstraße durchgeführt. Nach Wasserrohrbrüchen sollen hier bis zur Rutesheimer Straße nicht nur neue Leitungen verlegt werden. Die Sanierung bietet auch die Möglichkeit zur Entsiegelung und Umgestaltung. Durch die Maßnahme, die insgesamt zweieinhalb Jahre beanspruchen wird, soll der Spielplatz erweitert und der Bereich der Straße deutlich reduziert werden.
Neues Rathaus in alter Volksbank
Wenn alles glatt läuft, wird das neue Rathaus die Räume der alten Volksbank im Jahr 2027 beziehen können. „Wir versuchen, diesen Bestandsbau so klimaneutral wie möglich zu sanieren“, fasste Bürgermeister Faißt das Anliegen der Stadt zusammen. Zur Optimierung der Klimatisierung ist auch eine Verkleinerung der Glasflächen geplant. Der derzeitige Parkplatz wird einem Anbau weichen müssen. Der Erste Beigeordnete Peter Müller erklärte beim Vororttermin, wie wichtig die Raumgewinnung in der Verwaltung ist: „Sollte der Gemeinderat eines Tages entscheiden, dass Renningen zur Großen Kreisstadt werden soll, dann könnte unser neues Raumkonzept das tragen.“ Das , historische Rathaus soll dann als technisches Rathaus fungieren. Auch das Bürgerbüro in Malmsheim wird weiter betrieben.
Realschule wird Neubau gleichen
Die wohl mit den größten Unvorhersehbarkeiten behaftete Baustelle in Renningen stellt die Realschule im Schulzentrum dar. Hier war ursprünglich nur ein mit 50 000 Euro bezifferter Anstrich der Fassade geplant. Doch es stellte sich heraus, dass aufgrund von Asbest eine grundlegende Sanierung nötig ist. Da die Betonträger des Gebäudes außerdem durch Salzwasser zerfressen worden sind, war die Schule nicht mehr standsicher. „Dank Oliver Faas, der sich als Ingenieur jetzt um das Projekt kümmert, läuft es hier wieder sehr gut“, lobte Faißt die neuere Entwicklung am Standort.
Der Umbau im laufenden Schulbetrieb stellt eine besondere Herausforderung dar und sorgt für Verzögerungen. Laute Bauarbeiten können während der Schulstunden nämlich nicht durchgeführt werden. „Durch die neue Holzfassade wird sich der bauliche Charakter der Schule stark verändern und optisch einem Neubau gleichen“, betonte Marx. Insgesamt wird das Bauprojekt etwa 15 Millionen Euro kosten und frühestens in zwei Jahren fertig sein. Doch durch Energieeinsparungen an der neuen Fassade könnte man die sich noch im Bau befindliche Riedwiesensporthalle jedoch „mitheizen“.
Riedwiesensporthalle wird teurer
Auch die neue vierteilige Sporthalle wird teurer und statt der anberaumten zwölf nun rund 15 Millionen Euro kosten. „Die vier Großbaustellen, die wir mit dem Rathaus, der Realschule, der Riedwiesensporthalle und der Friedrich-Silcher-Schule haben, werden insgesamt etwa 60 Millionen Euro kosten“, bezifferte Bürgermeister Faißt den Gesamtbetrag. „Aber so wie es im Moment aussieht, können wir das Ganze ohne Kredite finanzieren.“
Neben Vereinen soll die Riedwiesensporthalle zu etwa 30 Prozent auch von Schulen und Kindergärten genutzt werden. Neben einer dreiteiligen Ballsporthalle gibt es auch eine separate Halle, die dauerhaft Platz für Turngeräte bieten soll. Voraussichtlich Mitte 2025 wird die 200 Zuschauer fassende Sporthalle fertiggestellt sein.
Große Schulerweiterung in Malmsheim
Die vierte große Baustelle der Stadt Renningen befindet sich im Stadtteil Malmsheim. Die Erweiterung der Friedrich-Silcher-Schule soll künftig Platz für Kinder aus dem gesamten Gebiet Schnallenäcker bieten. „Die Schule wird nach dem Anbau insgesamt zweieinhalb Mal so groß wie bisher sein“, beschrieb Stadtbaumeister Marx die Ausmaße der Erweiterung. Sechs neue Klassenzimmer und vier neue Gruppenräume sollen neben einer 250 Sitzplätze umfassenden Mensa mit Großküche entstehen. Abgeschlossen werden die Baumaßnahmen wohl erst in zweieinhalb Jahren sein. Aus der bislang dreizügigen Schule wird dann eine fünfzügige werden.