In die Jahre gekommen: die 1846 eröffnete Kunsthalle Karlsruhe wartet auf ihre Sanierung. Foto: Kunsthalle Karlsruhe

Mehr als 300 Millionen Euro für die Sanierung des Opernhauses Stuttgart? Mehr als 100 Millionen für die Sanierung und Erweiterung der Kunst­halle Karlsruhe? Im Frühsommer 2017 sollen alle wichtigen Eckpunkte zu Sanierung beziehungsweise Neubau herausragender Kultureinrichtungen in Baden-Württemberg auf dem Tisch liegen und diskutiert werden können.

Stuttgart - Die 1846 eröffnete Staatliche Kunsthalle Karlsruhe mit ihren drei Gebäuden an der Hans-Thoma-Straße – dem Haupthaus, der Jungen Kunsthalle und der Orangerie – zählt zu den großen und traditionsreichen Museen in Deutschland. Berühmt ist die Kunsthalle, eines der wenigen in großen Teilen der ­alten Substanz und Ausstattung original ­erhaltenen Kunstmuseen, vor allem für ihr Gewicht in der französischen Malerei.

Der Trumpf der langen Geschichte ist ­jedoch zugleich eine Bürde – eine längst notwendige umfassende Sanierung ist ebenso schwierig wie eine bauliche Erweiterung. Immer wieder gibt es Anläufe für ein ­Generalkonzept. Wie sieht es aktuell damit aus? „Für die bauliche Weiterentwicklung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe wird die Durchführung eines Planungswettbewerbs mit einem Realisierungsteil und einem Ideenteil angestrebt“, antwortet das von Theresia Bauer (Grüne) geführte Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Und: „Die Vorbereitungen hierfür laufen.“

Was ist bisher geplant? „Durch die im ­Realisierungsteil vorgesehene Sanierung und Umstrukturierung des Hauptgebäudes sollen die baulichen und technischen sowie die funktionalen und betrieblichen Voraussetzungen für eine zeitgemäße Museumskonzeption unter Wahrung der denkmalpflegerischen und architektonischen ­Qualitäten des Bestands verbessert werden“, lässt das Ministerium wissen. Und „im Ideenteil soll die grundsätzliche Realisierbarkeit einer langfristigen Erweiterung der Kunsthalle auf dem Areal des Amtsgerichts geprüft werden.“

2017 startet der Wettbewerb für einen Neubau der Karlsruher Kunsthalle

Die Zuständigkeit für den Planungswettbewerb liegt beim Finanzministerium. Und wie sieht man dort die Zeitschiene? „Der Wettbewerb soll im Jahr 2017 beginnen“, sagt ein Sprecher. Diskussionen, dass auch in Karlsruhe mit Ausgaben von mehr als 100 Millionen Euro zu rechnen sein ­könnte, will man im Finanzministerium ­offenbar nicht aufnehmen. „Zu der Höhe der Baukosten für die Sanierung und Umstrukturierung des Hauptgebäudes können wir zum Zeitpunkt der Auslobung des ­Planungswettbewerbs eine erste Größenordnung nennen“, heißt es auf Anfrage. Und: „Der Ideenteil des Planungswettbewerbs wird nicht mit Baukosten belegt.“

Derweil legt das Kunsthallen-Team um Direktorin Pia Müller-Tamm ein enormes Tempo vor. Vor allem in der Verbindung ­zwischen Sammlungsentwicklung, Vermittlungsarbeit und Sonderausstellungen unterschiedlichen Zuschnitts agiert Müller-Tamm, als sei ihre auf eine umfassende bauliche Neubestimmung zielende Konzeption „Gesamtkunstwerk Kunsthalle Karlsruhe“ bereits realisiert. Die Botschaft ist klar: Wir gehen in Vorleistung – vor allem bei der ­Öffnung des Hauses.

Das Stuttgarter Linden-Museum im Fokus einer multethnischen Stadt

Die Erschließung neuer Absatzmärkte in Fernost und die 1884 beginnende Kolonialgeschichte des Deutschen Reiches sorgte auch in Stuttgart für Diskussionen, ob und wie Zeugnisse der fernen Welten abseits der bis dahin bekannten Wunderkammern präsentiert werden können.

Zur Schlüsselfigur in Stuttgart wurde Karl Graf von Linden (1838- 1910). Der Jurist und zuletzt Oberkammerherr am württembergischen Königshof, übernahm den Vorsitz des „Württembergischen Vereins für Handelsgeographie“ und trat energisch für eine ­ethnologische Ausrichtung eines möglichen Panoramas der Zeugnisse verschiedener Kulturen ein. 1889 wurde das „Ethnographische Museum“ tatsächlich eröffnet – im Haus der Wirtschaft. Die Eröffnung des Neubaus am Hegelplatz in Stuttgart erlebte Graf von Linden nicht mehr, er starb einige Tage nach der Grundsteinlegung am 10. Januar 1910. Am 28. Mai 1911 wurde das Haus unter dem Namen seines Gründers eröffnet .

Und heute? Ist das Linden-Museum, seit 1973 ein Landesmuseum in gemeinsamer Trägerschaft von Stadt und Land, Ausgangspunkt immer neuer Überlegungen zur Zukunft des Hauses. Zuletzt hatte ­Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) einen Neubau auf den Stadtentwicklungsflächen des Verkehrs- und Infrastrukturprojektes Stuttgart 21 befürwortet – eine Idee, die schon Kuhns Vorgänger ­Wolfgang Schuster (CDU) forciert hatte.

Das Land zeigt sich zurückhaltend: Aus dem Kunstministerium kommt diese Antwort: „Das Linden-Museum ist ein wichtiger ­Träger der kulturellen und interkulturellen Bildung. Es hat gesellschaftlich dringliche Aufgaben übernommen, gerade in einer multiethnisch und multikulturell ausgerichteten Stadt wie Stuttgart.“

Und weiter: „Die derzeitige Unterbringungssituation ist äußerst unbefriedigend und muss verbessert werden. Das Linden-Museum setzt sich seit Jahren für einen Neubau ein. Dazu werden derzeit von Land und Stadt Gespräche geführt. Allerdings sind Ort, Zeitrahmen und Finanzierung noch zu bestimmen. Gremienbeschlüsse liegen dazu noch nicht vor.“ Wirklich gute Nachrichten hören sich für Direktorin Ines de Castro wohl anders an.

Intendanten-Suche für das Schauspiel Stuttgart

Baden-Württembergs Kulturpolitik hat zudem „Baustellen“ anderer Art zu bearbeiten. Allen voran sucht das Land nach dem Rückzug von Armin Petras nach der Saison 2017/2018 einen neuen Intendanten für das Schauspiel Stuttgart. Eine Rolle, in der man immer auch Streiter für das Staatstheater-Ganze ist. Der neue Schauspielchef kompletiert das Quartett aus Viktor Schoner (Nachfolger von Jossi Wieler als Lenker der Oper), Tamas Detrich (Nachfolger von Reid Anderson als Ballettintendant) und Marc-Oliver Hendriks (Geschäftsführender­ ­Intendant).

Auch der Kurs des Museumsflaggschiffs Staatsgalerie Stuttgart ist noch unklar. Bis 2017 läuft der Vertrag von Direktorin ­Christiane Lange. „Wir sind seit einigen ­Wochen im Gespräch“, heißt es dazu auf ­Anfrage aus dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Geredet haben dürfte man mehr über ganz reale Baustellen: an und im Staatsgalerie-Altbau und – mit Landesbibliotheks- und Cranko-Schul-Neubau sowie der Tiefbahnhof-Vorbereitung – im ganzen Geviert der Staatsgalerie.

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