Am Rand wird gerackert. Foto: Lichtgut/Kovalenko

Nicht immer sieht man im vorbeirauschen, was auf der Baustelle geschieht. Beispiel Schwanenplatztunnel: Bunte Farbkringel an der Wand markieren die Schwachstellen.

Stuttgart - Kringel und Gekrakel leuchten zurzeit in Neonfarben von den Wänden des Schwanenplatztunnels zwischen Bad Cannstatt und der Innenstadt. Streetart sieht anders aus. Den Durchfahrenden bleibt das meist verborgen. Denn wer hier unterwegs ist, pendelt zwischen Wohn- und Arbeitssort, ist in Eile. Was sie sehen, sind schräg am Straßenrand aufgereihte Bordsteine, bröselnde Seitenwände und eine abgetrennte Fahrspur. So sieht es in der 480 Meter langen Röhre tagsüber aus. Während der Stoßzeiten sind hingegen alle drei Spuren frei.

Der Verkehr rauscht vorbei, am Rande wird gearbeitet: Die Maschinen knattern und dröhnen. Fragt sich, wer lauter ist, der Baulärm oder der Verkehr – die Arbeiter kriegen beides ab. Der Tunnel ist eine der großen Baustellen in der Stadt, für die die Planer die Sommermonate nutzen. Für den Tunnel sind die Ferien nicht lang genug. Zwölf Wochen wird hier gearbeitet. „Wir mussten vor den Ferien anfangen und arbeiten darüber hinaus. Dennoch helfen die Ferien“, sagt Silvester Koci vom Tiefbauamt.

Das Streusalz hat die Stahlträger im Beton angefressen

Der Tunnel ist marode. Das sieht man auf den zweiten Blick im 45 Jahre alten Bauwerk. Unten bröckelt der Beton. An den bunt umkringelten Stellen hat es beim Abklopfen hohl geklungen. Dort ist der Stahl im Beton korrodiert. Und es sind etliche bunte Kringel an der Wand. Schuld am Schaden ist der Mensch, beziehungsweise dessen Winterdienst: Der Fachmann spricht von Chlorideinwirkung. Sprich das Streusalz im Winter setzt dem Beton und dem Stahl zu. Die Deckschicht bröselt, das Salzwasser dringt in den Beton ein und zersetzt den Stahl allmählich. An den gekringelten Stellen wird der Beton abgetragen. „Die massivsten Schäden haben wir am Wandfuß“, erläutert Koci. Richard Rau von der Baufirma Leonhard und Weiss demonstriert mit einem Fußtritt, was das heißt: Wenn er mit der Spitze seines Arbeitsschuhes gegen den unteren Bereich der Wand haut, fällt das Material ab.

Abgetragen wird der Beton in den kommenden Wochen mit Wasser. Nicht mit Hochdruck, sondern mit Höchstdruck arbeiten die Bauleute im Tunnel. Dafür und nicht etwa für abgetragenen Schutt stehen bereits drei Container vorm Tunnelportal auf Höhe der Villastraße: Darin verbirgt sich die Neutralisationsanlage für das Wasser, dass den Beton mit 2300 Bar von der Wand spratzeln wird, auf einer Höhe von 1,50 Meter. Zehn Kubikmeter Wasser braucht einer der Roboter. Es wird dann in der Anlage wieder aufbereitet.

Wenn die Schäden zunehmen, besteht Einsturzgefahr

Die Sanierung ist keine Kosmetik. „Wenn die Korrosion weitergeht, besteht irgendwann Einsturzgefahr“, erläutert Silvester Koci. In diesem Sommer wird auch die Decke des Tunnels etwa auf der Breite von zwei Fahrspuren saniert. Im nächsten Jahr geht es dann weiter. Ganz fertig ist der Tunnel voraussichtlich im Juni 2020.

Als letzes Detail kommt dann noch eine neue Beleuchtung in die Röhren. Insgesamt soll der Schwanenplatztunnel heller werden. Dazu trage auch eine helle Beschichtung bei, erläutert Silvester Koci. Im Zuge der Arbeiten werden auch die elektrischen Leitungen erneuert, eine Löschwasserleitung kommt dazu.

Auf die Fertigstellung freut sich übrigens auch noch eine andere Abteilung im Rathaus, nicht nur das Tiefbauamt: Im Zuge der Sanierung bekommt der Tunnel,eine beliebte Raserstrecke, einen Blitzer.

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