Baustelle in Kornwestheim und Ludwigsburg Der neue Campus von Wüstenrot nimmt Gestalt an

Von Rafael Binkowski 

Blick vom Wüstenrot-Hochhaus auf den Campus:  hinten die fertigen Gebäude, vorne die alten Foto:Peter Meuer
Blick vom Wüstenrot-Hochhaus auf den Campus: hinten die fertigen Gebäude, vorne die alten Foto:Peter Meuer

Bis 2023 sollen 2000 Stuttgarter Mitarbeiter von Wüstenrot auf den neuen Campus in Kornwestheim ziehen. Die neue Arbeitswelt nimmt Gestalt an. Der Besuch auf der halb fertigen Baustelle ist erstaunlich.

Kornwestheim/Ludwigsburg - Wer vom Balkon des 17. Stockwerkes vom Wüstenrot-Hochhaus auf den neuen Campus blickt, steht noch auf Ludwigsburger Markung. Doch Richtung Autokino, wo sich die Kräne drehen und Bagger die Wände der alten Bürogebäude aus dem Jahr 1976 auseinander reißen, ist alles Kornwestheimer Gebiet. Die Grenze verläuft direkt nach dem Hochhaus. Der Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec hat viel versucht, den Versicherungs- und Baufinanzierungskonzern W&W in der Barockstadt zu halten. Sogar ein zweites Hochhaus mit Verbindungsgang zum ersten war im Gespräch.

Letztlich hat sich Wüstenrot entschieden, mehr als 400 Millionen Euro auf eigenem Gelände einen neuen Campus zu bauen. Dafür sollen dann alle 2000 Mitarbeiter vom Stuttgarter Feuersee, die vor allem im Versicherungsbereich tätig sind, nach Kornwestheim ziehen. „Wir konzentrieren alle 5000 Angestellten an einem Standort“, sagt der Firmensprecher Immo Dehnert.

Schon 1200 Mitarbeiter sind umgezogen

Das lang gezogene Grundstück zwischen Bahnlinie und B 27 ist im Umbruch. An der Spitze im Süden stehen bereits zwei moderne Parkhäuser mit zusammen 880 Plätzen – und zwei Gebäude in heller Backsteinoptik, in denen bereits 1200 Mitarbeiter ihren Dienst tun. „Bis 2023 soll alles abgeschlossen sein“, sagt Claudia Bernecker von der Pressestelle.

Dann soll auch die Verkehrsanbindung verbessert werden, durch eine neue Bushaltestelle. Die vor Jahren erdachte Idee eines zusätzlichen S-Bahnhaltes bei Wüstenrot funktioniert schon deswegen nicht, weil er zu nah am Bahnhof Kornwestheim liegen würde.

Das Wüstenrot-Hochhaus selbst soll erhalten bleiben, allerdings wird das kleinere, weiße Hochhaus im Norden zusammen mit den anderen Altgebäuden dort abgerissen. Dieses Areal auf Ludwigsburger Markung könnte Platz für kleine Dienstleister, Wohnen und Einkaufsmöglichkeiten schaffen. „Die Überlegungen stehen da noch am Anfang“, sagt Immo Dehnert, im Ludwigsburger Rathaus hat man eine Studie in Auftrag gegeben.

Lange Tradition an diesem Standort

Aber wie ist sie nun, die neue Arbeitswelt bei Wüstenrot? Seit mehr als 100 Jahren istdas Unternehmen am Standort, eine lange Tradition, wie sie bei der Caro-Landkaffeefabrik am Bahnhof bald zu Ende geht. Seit 1999 ist auch die Württembergische Versicherung mit im Boot, von der aufgekauften Leonberger Bausparkasse gibt es keine Gebäude mehr.

Noch wird auf den Innenhöfen gearbeitet. Doch wenn man auf den hellen Steinböden steht, lässt sich das künftige Ambiente erahnen. Quer durch das Gelände verläuft wie das Rückgrat eines Reptils eine Passage, die alle Gebäude miteinander verbindet. Der Anfang ist gemacht, im hinteren Teil stehen noch die alten Gebäude.

Steht man in diesem Entrée, fühlt man sich eher eine moderne Einkaufspassage erinnert. Viel Holz strahlt einen angenehmen Duft aus, das Café mit Kantine ist in einem Rondell in der Mitte eingelassen. Loungeartige Sessel stehen im Foyer. Die Arbeitsplätze in den oberen Stockwerken selbst sind Großraumbüros mit vielen Unterteilungen, gläsernen Besprechungsräumen und Kaffee-Ecken. Ähnlich also, wie es Bosch mit seinem Forschungszentrum in Renningen gemacht hat. „Es soll Platz für Kreativität und Besprechungen geben“, sagt Claudia Bernecker.

Lösungen für den Pendlerstau am Nachmittag

Der erste Bauabschnitt ist fast vollbracht, es wird schon gearbeitet, mit Baulärm als Geräuschkulisse. Weitere solche, L-förmig ineinander verschränkte Gebäude sollen kommen, die sich um Innenhöfe mit regional angehauchten Namen wie Neckarauen ranken. Und an der Spitze des Areals kommt ein Kopfgebäude mit Empfangssaal fürs Publikum, Konferenzgebäude, Servicecenter – und Platz für die Vorstandsbüros. Das alles soll dann in fünf Jahren fertig sein.

Solche Umwälzungen gehen nicht ohne Diskussionen einher, das räumen Bernecker rund Dehnert ein. „Man muss Überzeugungsarbeit leisten“, sagt die für den Umbau zuständige Sprecherin, „aber wer erst mal in den neuen Büros war, fühlt sich dort auch wohl.“ Auch ein weiteres Parkhaus ist eine Option, um den nachmittäglichen Pendlerstau zu entzerren.

Die neue Wüstenrot-Welt nimmt Gestalt an – auf Kornwestheimer Markung.

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