Eine 85-Jährige ist auf dem provisorischen Fußweg an der Marktplatz-Baustelle in Esslingen schwer gestürzt. Sie kritisiert mangelnde Sicherheit und fehlende Beleuchtung.
Der Esslinger Marktplatz ist derzeit eine große Baustelle. Wer ihn passieren will, muss eine der provisorischen Fußgängerführungen nutzen: schmale Wege, die von rot-weißen Absperrbaken gesäumt und mit grünen Teppichläufern bedeckt sind. Das ist nicht für jeden optimal – schwierig wird es vor allem für diejenigen, die ohnehin nicht so gut zu Fuß sind. Davon kann Angela B. ein Lied singen.
Die 85-jährige Esslingerin, die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, berichtet, dass sie vor Kurzem in der Esslinger Innenstadt unterwegs gewesen sei, um ins Theater zu gehen. Dafür habe sie auch den Marktplatz queren müssen. Normalerweise sei sie noch gut auf den Beinen und sehr selbstständig unterwegs. Doch an jenem Tag sei es bereits dunkel gewesen und die Wege rund um die Marktplatz-Baustelle seien nicht gut ausgeleuchtet gewesen. Das sei ihr zum Verhängnis geworden.
Esslinger Seniorin verletzt sich bei Unfall an Marktplatzbaustelle
Denn dadurch habe sie nicht erkannt, dass das Ende eines Teppichläufers nicht glatt am Boden lag, sondern größere Falten warf. „Ich stolperte und fiel sehr dumm hin“, berichtet die Seniorin. Bei dem Sturz habe sie sich das linke Handgelenk gebrochen und sich eine Platzwunde am Kopf zugezogen, auch ihre Brille sei beschädigt worden. Glücklicherweise sei ihr sofort ein junger Mann zu Hilfe gekommen, wenig später auch noch eine Gruppe junger Frauen. Sie hätten ihr aufgeholfen und den Krankenwagen gerufen, wofür sie sehr dankbar sei.
Angela B. sagt: „Ich finde, dass die Situation an der Baustelle sehr gefährlich ist.“ Sie fordert: „Unbedingt sollten die Gehstreifen viel besser ausgeleuchtet und die Läufer glattgestrichen werden.“ Zudem wären aus ihrer Sicht ein deutlicher Hinweis für weniger mobile Menschen sowie klare Ausschilderungen barrierefreier Alternativen notwendig. Das habe sie auch der Stadt geschrieben. Ihr Sturz habe zur Folge, dass sie ihre linke Hand sechs Wochen lang nicht belasten dürfe. „Ich bin eigentlich sehr fit, aber jetzt kann ich wochenlang nichts allein machen“, ärgert sie sich.
Kritik an mangelnder Ausleuchtung und Stolperfallen auf Marktplatz
Josef Birk, Vorsitzender des Esslinger Stadtseniorenrats, erklärt: „Der grüne Belag ist durchaus hilfreich, aber nicht verlässlich barrierefrei – an Stellen, wo er verrutscht oder Falten bildet, kann er zur Stolperfalle werden.“ Zudem sei die Ausleuchtung nicht optimal. „Es ist leider so, dass bei älteren Personen häufig nicht nur die Beweglichkeit, sondern auch das Sehvermögen eingeschränkt ist, das sollte bei der Ausleuchtung mit berücksichtigt werden“, so Birk.
Im Rathaus heißt es, man habe eigens die grünen Laufteppiche auf dem rund zwei Meter breiten Weg auslegen lassen, damit nicht so viel Schmutz in die angrenzenden Gebäude getragen werde. Der Weg sei verkehrssicher und eben – aber nicht barrierefrei. Man bitte um Verständnis, dass während der Bauzeit keine komplett barrierefreie Wegführung im Baustellenbereich möglich sei. Dafür werde aber der künftige Marktplatz barrierefrei sein.
Barrierearme Umleitungen rund um den Esslinger Marktplatz
Zudem seien barrierearme Umleitungen ausgeschildert, etwa von der Stadtinformation über die Tiefgarage „Kleiner Markt“, hinter der Fachwerkzeile entlang bis zum Kleinen Markt beziehungsweise zum Rathausplatz. Alternativ könne der Gehweg entlang der Stadtkirche St. Dionys und an den Gebäuden Nummer 24 und 25 vorbei bis zum Rathausplatz genutzt werden.
Und immerhin, so teilt Angela B. kurz vor Redaktionsschluss noch mit, habe die Stadt inzwischen auf ihren Unfall reagiert und die grünen Teppichläufer mit Klebeband verbunden, um die Sicherheit zu erhöhen – die Stadt bestätigt das. Zudem habe sie den Vorfall der städtischen Versicherung gemeldet. „Ich denke, so hat sich alles ganz ordentlich geregelt“, sagt Angela B..