G8 oder G9? Beim Turbo-Abi bleibt weniger Zeit für Freizeitaktivitäten Foto: dpa

Elf Jahre nach der Einführung des Turbo-Abis sind Eltern, Schulen und Wirtschaftsvertreter ernüchtert. Denn Abiturienten kommen trotz G 8 kaum schneller in den Beruf.

Stuttgart/Düsseldorf - Das Turbo-Abi war und ist ein Zankapfel – auch elf Jahre nach seiner Einführung. In unserer Serie „Baustelle Gymnasium“ ziehen Eltern, Schulen, Wirtschaftsvertreter und Vereine eine ernüchternde Bilanz: mehr Stress, weniger Sport – und trotzdem nicht früher im Beruf. Gymnasiasten, die das Abitur innerhalb von acht Jahren absolvieren, können sich weniger Zeit für Sport oder andere Vereinsaktivitäten nehmen. So verlor der Württembergische Landessportbund in den vergangenen zehn Jahren rund 50 000 Mitglieder im Alter zwischen sieben und 18 Jahren.

Die Hoffnungen der Wirtschaft auf einen früheren Einstieg in die Erwerbsarbeit haben sich nicht erfüllt; die meisten Absolventen legen ein Jahr Pause zwischen Prüfung und Studienbeginn ein. Die Universitäten bescheinigen zwar den Studienanfängern eine größere Routine bei mündlichen Präsentationen, kritisieren allerdings die mangelnde schriftliche Ausdrucksfähigkeit der G-8-Abiturienten.

Ein weiteres Problemfeld nicht nur an Gymnasien: der gemeinsame Unterricht für Kinder mit und ohne Behinderung. Die Lehrer in Deutschland fühlen sich dafür nach einer aktuellen Studie kaum gerüstet. Sie beklagen eine schlechte Vorbereitung, mangelhafte personelle und räumliche Ausstattung sowie zu große Klassen.

In der am Montag in Düsseldorf vorgestellten bundesweiten Umfrage für den Verband Bildung und Erziehung (VBE) beurteilten 77 Prozent der Lehrer das Fortbildungsangebot als „weniger gut“ oder „gar nicht gut“. Der Verband rief Grün-Rot auf, den Lehrern an Regelschulen für den Unterricht behinderter Kinder in jedem Fall einen Sonderpädagogen zur Seite zu stellen. Kultusminister Andreas Stoch (SPD) habe sich zum sogenannten Tandemunterricht nur sehr vage geäußert.

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