Die Realschule bleibt das Sorgenkind unter den Bauprojekten der Stadt Renningen. Bereits jetzt liegt die Sanierung und Erweiterung ein Jahr hinter dem Zeitplan. Wie ist der Schulalltag auf der Baustelle?
Was eine „normale“ Sanierung und Erweiterung werden sollte, hat sich bei der Realschule Renningen zum echten Kraftakt entwickelt. Erst wurde Asbest in der Fassade entdeckt, dann Betonschäden im Eingangsbereich, beides ist mit großen Kostensteigerungen und längeren Bauzeiten verbunden. Zum jetzigen Zeitpunkt liegt das Projekt bereits ein volles Jahr hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück, denn die Arbeiten müssen immer semesterweise erfolgen. Eine fehlgeschlagene Ausschreibung für Betonarbeiten bedeutet nun weitere Verzögerungen, die sich laut Stadtverwaltung aber abfangen lassen. Die Schule selbst ist unterdessen längst im Baustellenmodus angekommen – mit externen Klassenzimmern und großen Trockenbauwänden im Schulgebäude.
Dass die Sanierung im laufenden Schulbetrieb erfolgt, stellt die Verantwortlichen vor große Herausforderungen. Zum Beispiel müssen immer genügend Räume für die Schüler vorhanden sein, die Bauabschnitte müssen entsprechend geplant sein. Zudem erfolgen die Arbeiten immer im Halbjahrestakt, damit die Schüler nicht ständig die Klassenzimmer wechseln müssen. „Von der Fassadensanierung betroffene Klassenzimmer müssen in Ausweichklassenzimmer auf dem Campus umziehen“, erklärt Alicia Paulus, Sprecherin der Stadt Renningen. „Die Schüler bleiben dann ein Schulhalbjahr in den Interimsräumen, sodass sie zu Beginn des nächsten Schulhalbjahres wieder in ihre angestammten Klassenzimmer zurückziehen können.“
Die Kommunikation läuft gut
Klar, dass das nicht nur für die Planer und Arbeiter eine intensive Zeit ist. Auch Lehrer und Schüler müssen mit der neuen Situation umgehen. Bisher funktioniert der Alltag aber sehr gut, sagt die Schulleiterin Monika Frese, die vor allem die Kommunikation mit den Verantwortlichen lobt. Allerdings stehe man jetzt auch noch am Anfang des Projekts. Jeder Abschnitt werde sicher neue Herausforderungen bringen.
„Seit September 2023 ist der Innenbereich schon nicht mehr so, wie man ihn kannte“, erinnert sich die Rektorin, die seit 2022 die Schule leitet. Da begannen die ersten Bauarbeiten. Die entsprechenden Bereiche im Schulgebäude sind mit Trockenbauwänden abgetrennt. „Wir bekommen dadurch von den Arbeiten optisch gar nichts mit“, sagt Monika Frese. Die Haupteingänge wurden verlegt – einer ins derzeit geschlossene archäologische Museum, der andere auf die Nordseite des Gebäudes. „Das ist für uns sogar recht praktisch, weil die Containerklassenzimmer von dort am besten zu erreichen sind.“ Die Schulverwaltung konnte in Gänze im Realschulgebäude bleiben, auch das werde von der Belegschaft positiv wahrgenommen.
Keine Bauarbeiten während der Prüfungen
An Lärm kommt man bei so einer Großbaustelle freilich nicht vorbei. „Ich bin deshalb froh, dass wir da gut eingebunden sind. Ich werde immer rechtzeitig informiert, wenn laute Arbeiten anstehen.“ Zum Beispiel könne man so vermeiden, dass die Prüfungsphasen an der Realschule und ebenso am Gymnasium und der Werkrealschule, die ebenfalls am Schulzentrum untergebracht sind, sich mit den lärmreichen Bauarbeiten überlappen. „Für die Abschlussprüfungen haben wir bereits die Zusage erhalten, dass in der Zeit nicht gearbeitet werden darf.“
Besser als geahnt läuft die Unterbringung in den Interimsklassenzimmern. Vor allem die neuen Containerklassenzimmer seien überraschend beliebt. „Weil die komplett neu sind, sind die Räume optisch richtig angenehm und akustisch gut abgeschottet“, erzählt Monika Frese. „Deshalb werden die auch gerne für Prüfungsklassen genutzt.“
Jüngere Klassen bleiben im Hauptgebäude
Insgesamt sind zehn Interimsklassenzimmer in Benutzung, davon drei im Mensagebäude, einer im gemeinsamen Neubau der Werkrealschule und Musikschule und sechs in dem Containerblock, der nahe der Stegwiesenhalle platziert ist. Es handelt sich laut Monika Frese um vollwertig ausgestattete Klassenzimmer, das Mobiliar ist immerhin mit umgezogen. „Nur sind sie etwas kleiner, und die Laufwege sind natürlich länger.“ Aus diesem Grund habe man auch darauf geachtet, dass die Jüngsten, die sich auf dem Gelände noch nicht so gut auskennen, immer im Haupthaus bleiben können. Die siebten Klassen sind in den Räumen in der Mensa untergebracht, die höheren Klassen in den Containern.
Das erste Baustellenfazit der Rektorin fällt daher durchaus positiv aus. „Bisher haben wir natürlich noch nicht die großen Erfahrungswerte, im Gebäude ist zum Beispiel noch nicht viel passiert“, gibt sie zu bedenken. „Wir warten mal ab, wie es wird, wenn es in die Vollen geht.“ Klar ist, dass Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler mit der Übergangssituation noch eine Weile leben müssen. Denn die Fertigstellung des gesamten Projektes ist, Stand jetzt, erst zu den Sommerferien 2026 angedacht – ein Jahr später als bisher geplant.