Baustelle am Olga-Areal An dem neuen Quartier geht es voran

Von Nina Ayerle 

Im nächsten Jahr wollen die Bewohner am Olga-Areal  einziehen. Foto: Nina Ayerle
Im nächsten Jahr wollen die Bewohner am Olga-Areal einziehen. Foto: Nina Ayerle

Rüdiger Ahrendt ist der Mann, der quasi hinter dem neuen Olga-Areal steht. Im Herbst 2007 begann sein Einsatz für die Neubebauung auf der Fläche, wo einst die Stuttgarter Kinderklinik stand. An diesem Freitag feiert seine Baugemeinschaft dort ihr Richtfest.

S-West - Bis zum 70. Geburtstag wollten sie eigentlich eingezogen sein. Das schaffen sie nun nicht mehr ganz, erzählt Rüdiger Ahrendt, 68, bei einem Cappuccino im Café Moulu an der Senefelderstraße im Stuttgarter Westen. In dem Café also, das genau zwischen seinem alten Zuhause an der Ludwigstraße und seinem bald neuen auf dem Olga-Areal liegt. Seine Frau sei nämlich schon 70 geworden. Einziehen werden sie voraussichtlich im Sommer 2019. Am Freitag feiern die ersten Baugemeinschaften Richtfest, auch die BG „Olga 07“ von Ahrendt selbst.

Die Bürgerinitiative setzte sich erfolgreich durch

Vor mehr als einem Jahrzehnt hat Rüdiger Ahrendt angefangen, für das Olga-Areal zu kämpfen. Sein großer Vorteil: Er habe von Beginn an für etwas gekämpft, nicht gegen etwas. Arendt, Bürger aus dem Westen, war im Jahr 2007 klar, wenn das Kinderkrankenhaus Olgäle den Standort verlässt, dann muss da ein Quartier hin, dass zum Westen passt.

Wie wird Stadtentwicklung gestaltet und vor allem von wem? Für Arendt, Sprecher der Initiative, stand fest: Die Bürger müssen da auf jeden Fall mitsprechen. Deshalb hat er mit Mitstreitern die Bürgerinitiative „Projektgruppe Olgäle 2012“ sowie das Forum Lebendiger Westen gegründet.

Letztlich konnte sich die Initiative soweit miteinbringen, dass die Grundstücke zum Festpreis an diejenigen mit dem besten Konzeptvergeben wurde – nicht an die mit dem besten Preis. Sieben private Baugemeinschaften haben auf dem Olga-Areal dadurch den Zuschlag erhalten. „Es ging bei uns nicht nur darum, einfach 13 Wohnungen zu bauen, sondern immer auch um das Thema Gemeinschaft“, sagt Ahrendt. Gemeinschaftlich zu bauen, das sei für ihn der Weg in ein zukunftsfähiges Quartier, eben weil es auch günstiger ist.

Baugemeinschaften ermöglichen günstigeres Bauen

In allen Großstädten herrscht massiver Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Grundstücke gehen an den meistbietenden Investo, selten an den mit der besten Idee.

Dazu kommt: Wohnungen sollten heutzutage für die unterschiedlichen Lebensphasen flexibel gestaltbar sein. Darauf habe man als Baugemeinschaft zum Beispiel auch achten können, sagt Ahrendt. „Eine Reihe von Wohnungen sind bei uns für spätere Familienphasen teilbar.“ Ein Problem auf dem aktuellen Wohnungsmarkt sei ja, dass viele ältere Menschen in ihren großen Wohnungen und Häusern hocken, weil sie nichts Vergleichbares in klein finden.

Ahrendt hat sich in der Entwicklungsphase viel in anderen Städten umgeschaut und dort ähnliche Projekte begutachtet. Die Baugemeinschaften auf dem Olga-Areal bestechen vor allem durch die sozialen Aspekte: Mehrere Generationen wohnen unter einem Dach, alle Häuser bieten Gemeinschaftsräume oder Gästezimmer. Es soll drei Cafés auf dem Areal geben und einen großen Spielplatz; eine der Baugemeinschaften plant sogar Übungsräume für Bands. „Das ist alles ja eine zusätzliche Qualität für den Stadtteil.“ Und das sei auch das „Charakteristikum“ von allen Projekten, die er besucht habe: „Es springt dabei immer etwas für die Öffentlichkeit heraus.“ Das wollten sie im Westen genauso machen. Auf dem Olga-Areal entstehen deshalb nicht nur Wohnungen, sondern auch neuer öffentlicher Raum, quasi ein komplett neuer Stadtteil im Stadtteil.

Ein neuer Stadtteil im Stadtteil entsteht

Bis 2019 sollen die insgesamt 224 Wohnungen entstehen – 116 von diesen sind gefördert – voraussichtlich fertig sein. Neben den Baugemeinschaften bauen dort die SWSG, das Siedlungswerk und Mörk Immobilien. Auf dem Areal wird es eine Kindertagesstätte, ein Nachbarschaftszentrum und einen Supermarkt geben. Entlang der Hasenbergstraße bekomme man zudem einen riesigen, neuen Platz, entlang der Schlossstraße eine neue Promenade.

Insgesamt, so Ahrendts Fazit, sei es ein Projekt von toller Qualität, in sozialer aber auch in ökologischer Hinsicht.

Redaktion Stuttgart-West

Ansprechpartnerin
Kathrin Wesely
s-west@stz.zgs.de

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