Die Sperrung der Botnanger Straße dauert acht Wochen länger. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Botnanger Straße ist bis Ende September voll gesperrt: Bürgerinnen und Bürger zeigen kein Verständnis für die Planungspanne der Stuttgart Netze. Mehr als 80 Gelbe Karten erreichen das Rathaus.

Botnang gehört zu den eher beschaulichen und ruhigen Stadtbezirken der Landeshauptstadt. Doch seit einigen Monaten ist der Dorffrieden in Schieflage geraten. Schuld daran ist ein Wasserrohrbruch im März in der Botnanger Straße. Wieder einmal. Denn es ist seit 2014 mittlerweile das vierte Mal, dass die Straße, die den Stadtbezirk mit dem Stuttgarter Westen verbindet, wegen kaputter Rohre und einer überfluteten Fahrbahn saniert werden muss.

 

Fassungslos nach Hiobsbotschaft

Die Dauer der umfangreichen Sanierung wurde von Netze BW und dem städtischen Tiefbauamt auf vier Monate angesetzt und sollte Ende Juli fertig sein. Doch dann erreichte die Bezirksvorsteherin Mina Smakaj vergangene Woche die Hiobsbotschaft, dass die Baustelle an der Botnanger Straße weitere zwei Monate in Anspruch nehmen wird. „Ich war im ersten Moment schockiert“, sagt die 46-Jährige, die 2017 zur Bezirksvorsteherin gewählt wurde und seit fast 30 Jahren bei der Landeshauptstadt tätig ist. Doch seit sie über die Baustellenverlängerung informiert wurde, sei sie eigentlich nur noch mit diesem Thema beschäftigt. Unverzüglich wurde das Botnanger Bürgergremium informiert und der Punkt auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung genommen. Dort erschien auch eine reumütige Abordnung der Stuttgart Netze, die offenbar ziemlich kleinlaut den „katastrophalen Planungsfehler“ einräumte und sich gleich mehrfach entschuldigte. Allein an der prekären Verkehrssituation am Botnanger Sattel für weitere acht Wochen kann der Energieversorger nichts mehr ändern.

Beleidigungen und Beschimpfungen

Während Mina Smakaj und der Bezirksbeirat die fatale Situation akzeptierten, machen die Botnanger seit Tagen aus ihren Herzen keine Mördergrube und zeigen keinerlei Verständnis. Im Gegenteil: „Was uns in den sozialen Medien an Beleidigungen und Beschimpfungen erreichte, war schon übel“, so die 46-Jährige. Neben dem Shitstorm im Netz erlebt die Stadtverwaltung zudem eine Flut von mehr als 80 Gelben Karten binnen weniger Tage.

Einzelhandel klagt über weniger Kunden

„Ich habe sämtliche wichtigen Einrichtungen, Vereine, Institutionen und natürlich auch den Einzelhandel informiert“, so Smakaj. Die Reaktion: In ihrem Email-Account stapeln sich seit Mittwoch die Nachrichten von erbosten Bürgerinnen und Bürgern. „Die vergangenen Monate waren nicht einfach für den Stadtbezirk, der nur über große Umwege verlassen und angefahren werden konnte“, so die Bezirksvorsteherin.

Nicht nur der Einzelhandel klagte über weniger Kundschaft, auch Firmen, Ärzte und Anwaltspraxen waren betroffen. Auf jeden Fall werde sie OB Frank Nopper noch über die fatale Situation und den Unmut der Bewohner Botnangs informieren – ändern daran kann Stuttgarts Rathaus-Chef jedoch nichts mehr. Die Botnanger Straße, wie aktuell doch etliche Bürger fordern, für viel Geld sofort fertigzustellen und so die Gemüter wieder zu beruhigen, ergibt keinen Sinn. Harald Hauser, Technischer Geschäftsführer der Stuttgart Netze, hat klipp und klar zu verstehen gegeben, dass sie in den kommenden Jahren in der wichtigen Verbindungsstraße zwingend neue Leitungen legen müssen, um die Leistungsfähigkeit des Stromnetzes verbessern zu können.

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