Blick aus dem Leonberger Rathaus auf den Bauplatz und die Altstadt. Foto: Peter-Michael Petsch

Früheres Bausparkassen-Gelände geht an Wohnbau Layher – Was der Käufer damit vorhat, ist noch unklar

Leonberg - Das wohl bekannteste Grundstück in Leonbergs Zentrum hat einen neuen Eigentümer. Die Brache des pleite gegangenen Stuttgarter Investors Rudi Häussler wurde an die Wohnbau Layher GmbH & Co. KG veräußert. Dies teilte Insolvenzverwalter Michael Pluta mit. Der Kaufvertrag sei bereits am Montag unterschrieben worden. Über den Kaufpreis hätten beide Seiten Stillschweigen vereinbart, so Pluta weiter. Die von den Zwillingsbrüdern Albrecht und Stefan Layher geführte Wohnbaugesellschaft mit Sitz in Besigheim (Kreis Ludwigsburg) hat den Grundstücksdeal jetzt bestätigt.

Die Nachricht vom Verkauf des frühen Bausparkassenareals ist durchaus überraschend. Erst vor wenigen Tagen war nämlich bekannt geworden, dass das 2,2 Hektar große Gelände unter den Hammer kommen soll. Veranschlagter Verkehrswert: Knapp 6,6 Millionen Euro. Die Zwangsversteigerung sollte im August am Amtsgericht Stuttgart sein. Dieser Termin kann gestrichen werden. Er war möglicherweise vom Hauptgläubiger, einer Gesellschaft des Wüstenrot-Konzerns, auch nur betrieben worden, um möglichen Kaufinteressenten Beine zu machen.

Dass zahlreiche Gespräche mit potenziellen Käufern geführt wurden, bestätigt der Häussler-Insolvenzverwalter: „Nach langen und intensiven Verhandlungen haben wir uns für Wohnbau Layher entschieden“,sagt Pluta. Diese Firma habe das beste Angebot abgegeben. Für den Insolvenzverwalter zählt die Gesellschaft der Zwillingsbrüder zu den „bedeutendsten Wohnbaufirmen im Großraum Stuttgart“. Das Unternehmen erstelle „seit über 30 Jahren hochwertige Eigentumswohnungen“.

Gebäudekomplex am Fuß der Altstadt wurde im Mai 2009 gesprengt

Der neue Eigentümer der Häussler-Brache wollte sich gegenüber unserer Zeitung bisher nicht zu seinen Bauplänen äußern. Informationen könne es erst nach Gesprächen mit der Stadtverwaltung Leonberg geben, hieß es. Und: „Wir freuen uns auf die künftige Zusammenarbeit mit der Stadt.“ Leonbergs Oberbürgermeister Bernhard Schuler sagt: „Wir haben ein großes Interesse an einem kooperativen Klima mit dem Investor“, betont aber auch: „Wir haben das Planungsrecht.“

Das Grundstück, dass sich die Zwillingsbrüder aus der Häussler-Konkursmasse geangelt haben, ist ein ganz besonderes. Es gehörte früher der Leonberger Bausparkasse, die 1999 von der Wüstenrot & Württembergische (W & W) gekauft und 2001 mit der Wüstenrot-Bausparkasse verschmolzen wurde. 2008 gab der Wüstenrot-Konzern den Standort Leonberg auf. Der Gebäudekomplex am Fuß der Altstadt wurde im Mai 2009 gesprengt.

W & W hatte den Rückzug schon Jahre zuvor angekündigt. So hatte die Kommune genügend Zeit, sich Gedanken über die künftige Nutzung zu machen. Anfang 2008 lag das Ergebnis eines städtebaulichen Wettbewerbs vor, der weit über das Bausparkassen-Gelände hinausreicht – von der Altstadt bis zur neuen Stadtmitte beim Neuköllner Platz. Ziel dieses Plans ist es unter anderem, mit einem Boulevard das alte Leonberg mit dem neuen zu verbinden. Für das Grundstück selbst, das Herzstück der Zukunftspläne für die Umgestaltung dieses Bereichs, wurde später in Zusammenarbeit mit Häussler ein Bebauungsplan erarbeitet. Der Stuttgarter Unternehmer hatte das Wüstenrot-Areal im Sommer 2008 gekauft.

Im Spätsommer 2010 wurden erste finanzielle Probleme bei der 43 Unternehmen umfassenden Häussler-Gruppe bekannt

Häussler wollte in Leonberg nach eigenen Angaben 80 Millionen Euro investieren. Geplant waren Wohnungen, ein Einkaufszentrum und Büros. Doch im Spätsommer 2010 wurden erste finanzielle Probleme bei der 43 Unternehmen umfassenden Häussler-Gruppe bekannt. Wenig später begannen die ersten Insolvenzverfahren. Das Leonberger Projekt war im Dezember 2011 betroffen.

„Wir haben den Auslegungsbeschluss für den Bebauungsplan. Insofern ist die rechtliche Situation für das Grundstück klar“, sagt Stadtchef Schuler. Und: „Layher ist an das, was wir bisher geplant haben, gebunden.“ Bisher geplant hat die Kommune auf dem Schlüsselgrundstück für die Gestaltung der sogenannten neuen Stadtmitte 9000 Quadratmeter Wohnfläche, knapp 10.000 Quadratmeter für den Einzelhandel und 4000 Quadratmeter für Büros. Mit Häussler war auch eine Grünzone auf dem frühen Bausparkassen-Gelände vereinbart worden.

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