Bauspar-Altverträge Bausparkasse Schwäbisch Hall schließt nichts aus

Von Sabine Marquard 

Der Fuchs ist die Werbefigur von Schwäbisch Hall, der Bausparkasse der Volks- und Raiffeisenbanken Foto: dpa
Der Fuchs ist die Werbefigur von Schwäbisch Hall, der Bausparkasse der Volks- und Raiffeisenbanken Foto: dpa

Noch verzichtet die Bausparkasse Schwäbisch Hall, Altverträge zu kündigen, wenn diese seit zehn Jahren und länger zugeteilt sind. Wie lange noch – das dürfte sich spätestens im Sommer entscheiden.

Stuttgart - Die Aussicht auf weiterhin extrem niedrige Zinsen lässt immer mehr Bausparkassen handeln. Sie kündigen nicht mehr nur übersparte Altverträge, die noch deutlich besser verzinst sind. Fast alle Institute kündigen mittlerweile zuteilungsreife Verträge, bei denen die Darlehen über lange Jahre nicht in Anspruch genommen wurden. Der Marktführer, die Bausparkasse Schwäbisch Hall, tut Letzteres derzeit noch nicht. „Mit Blick auf die weitere Zinsentwicklung können wir es aber auch nicht grundsätzlich ausschließen“, sagt Bausparkassenchef Reinhard Klein. Bis zum Sommer, wenn die eigene Zinsprognose für die nächsten Jahre steht, werde man auch eine Entscheidung zum Thema Kündigung von zuteilungsreifen Verträgen treffen.

Bisher kommt die Bausparkasse Schwäbisch Hall noch gut durch die Niedrigzinsphase. Hochzinsverträge mit über 3,5 Prozent machen bei dem Institut 1,7 Prozent der Verträge aus. Die Durchschnittsverzinsung über alle Verträge hinweg liegt bei 1,6 Prozent. In der Branche liege der Wert bis zu einem Prozentpunkt darüber, betont Klein. Doch auch Schwäbisch Hall müsse Gegenmaßnahmen ergreifen, andernfalls werde das Ergebnis auf mittlere Sicht weiter zurückgehen.

Derzeit läuft bei dem Institut ein Sparprogramm, bei dem die Kosten jährlich um 50 bis 80 Millionen Euro gedrückt werden sollen. In den kommenden zwei Jahren sollen 200 bis 250 Stellen gestrichen werden.

Das niedrige Zinsniveau erschwert Schwäbisch Hall das Geld der Kunden ertragsbringend anzulegen. Zumal Bausparkassen in ihren Anlagemöglichkeiten per Gesetz sehr eingeschränkt sind. Dennoch konnte Schwäbisch Hall sein Ergebnis vor Steuern um fast 25 Prozent auf 379 Millionen Euro steigern. Allerdings kam der Bausparkasse ein Sondereffekt zugute: Bezahlte Provisionen, die sich bisher voll auf das Jahresergebnis niedergeschlagen hatten, wurden auf die gesamte Sparphase verteilt. Ohne diesen Sondereffekt hätte das Vorsteuerergebnis bei 250 Millionen Euro gelegen, also 18 Prozent unter den 304 Millionen Euro des Jahres 2013.

Nachdem 2013 die Absenkung der Sparzinsen in den Bauspartarifen bereits angekündigt wurde, und es zu einem Schlussverkauf kam, brach 2014 das Neugeschäft ein. Dennoch gelang es Schwäbisch Hall, zum vierten Mal in Folge das Neugeschäftsvolumen über 31 Milliarden Euro zu steigern. Den Marktanteil von 30 Prozent will die Bausparkasse ausbauen. In der Baufinanzierung gelang Schwäbisch Hall mit einem Neugeschäft von 13,4 Milliarden Euro ein neuer Rekord. „Wir sind die Nummer eins in Deutschland“, sagt Klein.

Schwäbisch Hall ist auch in Osteuropa und China unterwegs. Im Reich der Mitte ist die Sino-German Bausparkasse – ein Gemeinschaftsunternehmen mit der China Construction Bank – in Tianjin und Chongqing vertreten. Für zwei weitere Regionen stehen die Genehmigungen an. Bisher war die Geschäftserlaubnis auf die jeweilige Stadtregion begrenzt. Schwäbisch Hall rechnet damit, dass Bausparen in Kürze in ganz China erlaubt wird. Insgesamt trägt das Auslandsgeschäft etwa zwanzig Prozent zum Konzernergebnis bei.

Wachstumspotenzial sieht die Bausparkasse hierzulande vor allem im Bereich der energetischen Sanierung. Die Bundesregierung fördert künftig energetische Erneuerungsmaßnahmen. Immobilienbesitzer können dann entsprechende Ausgaben zumindest teilweise steuerlich absetzen. „Eine direkte Zulage wäre uns lieber gewesen“, räumt Klein ein. Er sei aber zufrieden, dass die Bundesregierung diesen Weg geht.

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