Zahlreiche Projekte sind in Wendlingen auf den Weg gebracht worden oder stehen in den Startlöchern. Auch in Sachen Hochwasserschutz geht es voran.
Wendlingen - Die Stadt Wendlingen präsentiert sich alles andere als arm an Baustellen. Und auch wenn einige Maßnahmen schon ihren Abschluss gefunden haben, werden Kräne, Bauzäune und Handwerker weiterhin das Stadtbild auf viele Jahre hinaus bestimmen. Denn einige ambitionierte Projekte wie die Bebauung des Otto-Areals und die Erweiterung des Sportparks im Speck stehen erst in den Startlöchern. „Wir arbeiten am Anschlag“, bestätigte der Stadtbaumeister Axel Girod angesichts der großen Fülle an Projekten.
Hochwasserschutzmaßnahmen am Neckar
Das teuerste der laufenden Bauprojekte sind die Hochwasserschutzmaßnahmen am Neckar. Begonnen wurden die Arbeiten im Mai 2020 auf der Köngen zugewandten Seite des Flusses, die bis Ende April abgeschlossen sein sollen. Weiter geht es ab Mai auf der anderen, Wendlingen zugewandten, Seite: zunächst vom Ottowehr bis zur Ulrichsbrücke, ab Anfang 2022 folgt der Abschnitt von der Ulrichsbrücke bis zur Autobahn. Die Gesamtkosten betragen rund 10 Millionen Euro. Bauherr ist das Regierungspräsidium Stuttgart, das auch 70 Prozent der Planungs- und Baukosten trägt. Der Anteil der Stadt beläuft sich auf drei Millionen Euro.
In der Stadtmitte von Wendlingen schreiten derweil die Arbeiten auf dem Areal der ehemaligen Johanneskirche voran. Nach einem langwierigen Entscheidungsprozess wurde das Gotteshaus im Juli 2020 schließlich abgerissen. Stehen geblieben ist nur der dazugehörige markante Glockentum.
Neues evangelisches Gemeindezentrum
Im September desselben Jahres starteten bereits die Bauarbeiten für das neue evangelische Gemeindezentrum namens „Johannesforum“, zu dem auch ein Wohnprojekt für behinderte Menschen der Bruderhaus-Diakonie gehört. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2022 geplant. Die Baukosten waren ursprünglich auf rund 7,2 Millionen Euro angesetzt. Vermutlich wird der Betrag aber nicht ganz ausreichen. Das bedeutet, dass die Bauherrenschaft, bestehend aus Kirchengemeinde und Bruderhaus-Diakonie, wohl etwa tiefer in die Tasche wird greifen müssen.
In direkter Nachbarschaft dazu liegen die Arbeiten für die Erweiterung des Rathauses in den letzten Zügen. Der Baubeginn war im Januar 2020. Der zweistöckige Anbau im Hof über der Tiefgarage ist schon bezugsfertig. Für den dringend von der Verwaltung benötigten zusätzlichen Platz muss die Stadt rund drei Millionen Euro berappen. Ebenfalls nach Ostern soll die neue, dreigruppige Kindertagesstätte in der Ohmstraße, zu der auch drei Wohneinheiten gehören, bezogen werden. Der Spatenstich erfolgte im Juli 2019, die Kosten belaufen sich auf 3,7 Millionen Euro.
Zwei neue Sportplätze und ein neues Vereinsheim
Bereits seit Anfang 2015 laufen die Maßnahmen im zentral zwischen Bahnhof und Stadtmitte gelegenen Sanierungsgebiet Stuttgarter Straße/Weberstraße. Bei einem Gesamt-Förderrahmen in Höhe von zwei Millionen Euro – davon kommen 1,2 Millionen Euro vom Land, die übrigen 800 000 Euro schießt die Stadt zu – wurden bisher etwa 150 000 Euro für verschiedene Maßnahmen laut Girod zumeist an Privatleute ausbezahlt. Für 2021 und 2022 stehen dort etliche weitere Maßnahmen an – zum Beispiel die Förderung der Sanierung sämtlicher Gebäude in der Spinnerstraße, die Neugestaltung der Albstraße und die Aufwertung der Achse Bahnhof - Weberstraße – Stadtmitte.
In den nächsten Tagen starten die Bauarbeiten im Zuge der Erweiterung des Sportparks im Speck. Hier entstehen zwei neue Sportplätze und ein neues Vereinsheim für den TV Unterboihingen, der von seiner bisherigen Anlage am Neckar wegen der anstehenden Hochwasserschutzmaßnahmen umziehen muss. Die Gesamtkosten für die Sportanlagen und der städtische Anteil am neuen Vereinsheim des TV Unterboihingen belaufen sich auf rund fünf Millionen Euro.
Neue Otto-Areal
Ein Prestige-Projekt mit Leuchtturm-Charakter soll das neue Otto-Areal werden. Auf dem rund zehn Hektar großen Gelände soll ein urbanes Quartier mit Gewerbe und Wohnungen entstehen. Prägende, teilweise unter Denkmalschutz stehende Industriegebäude wie das Wasserturbinenhaus aus dem Jahr 1886 werden dabei integriert. Als Investor fungiert seit Mitte 2019 die CG Elementum AG, die rund 80 Prozent des historischen Industrie-Areals von der HOS-Gruppe (HOS steht für Heinrich Otto & Söhne) gekauft hat.
Die Erschließung des gesamten Areals soll bis Mitte 2022 abgeschlossen werden. Als erstes Bauprojekt steht der Neubau des Parkhauses Schwanenweg in den Startlöchern. Der Baubeginn ist für Frühjahr 2022 geplant, die Fertigstellung im März 2023. Die derzeitige Kostenschätzung für das Parkhaus liegt bei etwa sechs Millionen Euro.
Erweiterung des Kindergartens in der Neuburgstraße
Mitte Mai beginnen die Bauarbeiten für die Erweiterung des Kindergartens in der Neuburgstraße, die Fertigstellung soll bis Sommer 2022 erfolgen. Ebenfalls noch in diesem Jahr will die Stadt mit der Erschließung des Neubaugebiets Steinriegel beginnen. Das Areal nördlich der Lauter ist als reines Wohngebiet geplant, mit dem Abschluss der Erschließung rechnet die Verwaltung im Frühjahr 2023. „Erst danach können die Häuslebauer loslegen“, kündigt der Stadtbaumeister an.
Für 2022 ist der Beginn der Bauarbeiten für das zentrale Verwaltungsgebäude der Volksbank Mittlerer Neckar auf dem ehemaligen „Behr-Parkplatz“ geplant. Der Bau für rund 250 Mitarbeiter soll im Jahr 2024 fertig sein.
Und dass es Girod und Co auf Jahre hinaus nicht langweilig werden wird, garantieren zahlreiche weitere Projekte wie die Beseitung des Lauterwehrs (ab Mai/Juni 2022), der Neubau eines Wasserwerks (geplant im Jahr 2023) oder das „WeNa“-Projekt. „WeNa“ steht für „Wendlingen Neubau Albstraße“. Geplant ist hier bis 2027 im Herzen der Innenstadt eine Neubebauung mit Einzelhandel, Gastronomie und Wohnungen.
Obendrein erörtert die Stadt bereits neue Nutzungskonzepte für das historische Areal der ehemaligen Neckarspinnerei in Unterboihingen mit dem Eigentümer, der HOS-Gruppe.