Die Stadt Steinheim (Kreis Ludwigsburg) treibt drei Großprojekte im Zentrum voran. Darunter ist auch ein Gästehaus, das zum Wohnheim für Azubis werden soll.
Wer in der Steinheimer Altstadt wohnt oder arbeitet, wird das Hämmern, Klopfen und Stauben manchmal vielleicht gar nicht mehr wahrnehmen. Seit Monaten sind dort Bautrupps zugange. Erst wurden mehrere Häuser am Marktplatz abgerissen, um das Feld für ein neues Rathaus zu bereiten. Anschließend begann die Sanierung des Leitungsnetzes. Und in dem Takt wird es in den kommenden Jahren wohl weitergehen. Gleich drei Großprojekte treibt die Kommune im Zentrum voran.
Das in der Bevölkerung wahrscheinlich umstrittenste Vorhaben ist der Neubau des Verwaltungssitzes. Laut einer Kostenberechnung vom Mai müssen dafür rund 23 Millionen Euro in die Hand genommen werden. In Zeiten knapper Kassen sollte das Geld lieber anderweitig eingesetzt werden, schimpft der eine oder andere, vor allem in den Sozialen Medien. Der Bürgermeister Thomas Winterhalter versuchte jedoch jetzt bei der Einwohnerversammlung zum wiederholten Mal, klarzumachen, dass es im Grunde keine Alternative gibt.
Ein Plädoyer für das neue Rathaus
„Das historische Rathaus ist ein Sanierungsfall, es fällt quasi auseinander“, erklärte der Rathauschef. Theoretisch könne man zwar die Mitarbeiter in Büros in Containern auslagern. Aber dafür müsste ebenfalls eine Millionensumme investiert werden. Und das Geld wäre verpulvert, weil in eine Lösung ohne dauerhafte Perspektive investiert. Außerdem sei das Team der Verwaltung derzeit über vier Standorte verteilt, was einem effizienten Arbeiten nicht zuträglich sei, weshalb die Dienste in einem Gebäude gebündelt werden sollen. Auch für die Bürger sei eine zentrale Anlaufstelle von Vorteil, beteuerte der Bürgermeister.
Winterhalter betonte zudem, dass man keine Zeit verlieren dürfe. Sonst drohe ein Szenario wie im benachbarten Beilstein, wo das Rathaus wegen massiver Schäden notgesichert werden musste – und die Mannschaft in ein Ausweichquartier umziehen soll. Falls der Gemeinderat sein Okay gibt, werde der Spatenstich früh im nächsten Jahr erfolgen. Losgehen solle es mit Gründungsarbeiten.
Nur einen Steinwurf entfernt, auf der anderen Straßenseite, werden in naher Zukunft ebenfalls die Bagger anrücken: beim früheren Gästehaus Lamm. In dem brachliegenden Gebäude sollen sechs klassische Wohnungen und sieben Einheiten für Werkstudenten und Azubis entstehen, die entweder bei der Stadt oder in örtlichen Betrieben eine Ausbildung machen.
Die Gebäudeplanung sei bereits vergeben worden, sagt Alexander Grullini, Leiter des städtischen Eigenbetriebs Baustein Heimbau. Laufe alles glatt, könnten vor den nächsten Sommerferien die Bauleistungen ausgeschrieben werden. Ziel sei, die Arbeiten im Herbst 2026 zu vergeben. „Man muss bei dem Projekt mit einer Bauzeit zwischen einem und eineinhalb Jahren rechnen“, erklärt Grullini.
Deutlich ungewisser ist, wann die Klosterkelter in ein Kulturzentrum verwandelt werden kann – und ob überhaupt. Die Stadt würde in dem großen, aber derzeit nur als Lager genutzten Anwesen gerne das Urmenschmuseum sowie das Museum zur Kloster- und Stadtgeschichte vereinen, dazu die Bücherei unterbringen. Veranstaltungen für bis zu 300 Personen könnten nach einem Umbau ebenfalls über die Bühne gehen, vielleicht sogar eine Gastronomie etabliert werden. Der Haken ist nur: All das müsste die Kommune finanziell erstmal stemmen. „Dieses Projekt ist auf viel Fördergeld angewiesen“, schenkte der Bürgermeister bei der Einwohnerversammlung im Teilort Kleinbottwar reinen Wein ein.
Baukosten für Kelter werden auf 6,5 Millionen Euro geschätzt
Ohne Zuschüsse sei das Projekt nicht zu leisten, bestätigt Alexander Grullini. Nach einer ersten groben Schätzung würde man für die Umgestaltung ohne Ausstattung 6,5 Millionen Euro aufbringen müssen, berichtet der Leiter des Eigenbetriebs Baustein Heimbau. In den nächsten Monaten solle ein Verfahren zur Vergabe der Architekten- und Fachplanungsleistungen gestartet werden. Die Büros, die den Zuschlag erhalten, würden einen Entwurf entwickeln und die Kostenprognose präzisieren. Gleichzeitig werde die Förderkulisse abgeklopft. Auf der Basis könne schließlich der Gemeinderat abwägen, ob er einen Baubeschluss fassen möchte oder nicht, sagt Grullini.
Für die Kommune wäre ein solches Kulturzentrum wohl Gold wert, vor allem als Alternative zur Blankensteinhalle, die als Veranstaltungsort keine sichere Bank mehr und ziemlich heruntergewirtschaftet ist. „Und wir werden keine neue Blankensteinhalle bauen“, betonte Thomas Winterhalter. Dazu fehle das Geld. Man werde die Halle so lange offen halten, wie es gehe, aber nicht mehr in die Substanz investieren.