Ein Trafoturm in Ludwigsburg liegt schon lange brach. Bald wird dort aber jemand wohnen. Das schmale Gebäude wird zu einem Miniatur-Haus umgestaltet.
Ob in früheren Kirchen oder still gelegten Kraftwerken: Inzwischen wird in den unwahrscheinlichsten Gebäuden neuer Wohnraum geschaffen. Architektonisch entstehen dabei oft echte Perlen. In dieser Reihe kann man wohl bald auch ein Projekt aufnehmen, das die Wohnungsbau Ludwigsburg GmbH ins Rollen gebracht hat. Ein schon Jahre brachliegender Trafoturm wird in ein Tiny-Haus umgestaltet. Auf 25 Quadratmetern wird man hier auf zweieinhalb Geschossen kochen, duschen und schlafen können.
Die einstige Transformatorenstation befindet sich auf einem großen Grundstück in der Heinrich-Schweitzer-Straße. Die Wohnungsbau hat hier bereits zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 50 Einheiten errichtet. Eine Frage blieb aber offen: Was sollte man mit dem Türmchen anstellen, das irgendwie verloren wirkend einen Steinwurf entfernt davon steht?
Die Stadtwerke wollten schon die Abrissbagger anrücken lassen. Doch Achim Eckstein hatte einen anderen Gedanken. „Lass uns doch mal etwas Ungewöhnliches versuchen“, sagte der Prokurist der Wohnungsbau Ludwigsburg – und schlug vor, ein Apartment daraus zu machen. Man befinde sich ohnehin inmitten einer Wohnbebauung, erklärt Eckstein. Da habe sich das angeboten.
Das Projekt könnte als Vorbild für andere dienen
Aus dieser fixen Idee wurde ein einzigartiges Vorhaben. „Uns ist im Landkreis kein anderes vergleichbares Projekt bekannt“, sagt Andreas Veit. Der Geschäftsführer der Wohnungsbau könnte sich vorstellen, dass das Projekt als Blaupause dient. Auch andere Transformatorenstationen würden sukzessive aufgelöst, erklärt Achim Eckstein.
Die an die Funktionsgebäude andockenden, offen liegenden Hochspannungsleitungen würden nach und nach aus dem Landschaftsbild verschwinden, die Kabel in die Erde verlagert. Wobei nicht alle Trafohäuschen dafür geeignet seien, wie Andreas Veit einschränkt. Rund um den jeweiligen Standort müsse das Wohnen erlaubt sein.
Wobei selbst das kein störungsfreies Verfahren garantiert. Gegen das Vorhaben in der Heinrich-Schweitzer-Straße waren Einwendungen aus der Nachbarschaft eingegangen. Inzwischen ist die Baugenehmigung jedoch erteilt, sodass die Arbeiten vor einigen Tagen starten konnten. Bei der Umsetzung orientiert man sich an dem Entwurf von Henning Vogel vom Ludwigsburger Büro Freivogel Mayer Architekten. Für ihn sei es auch eine Premiere gewesen, einen Trafoturm in ein Wohnhaus umzuwandeln, sagt Vogel.
Er überlegte sich, wie ein Wohnraum in so einem Gebäude ausschauen könnte, was man dort unterbringen muss, welche besonderen Umstände in so einem speziellen Objekt zu beachten sind, entwickelte Konzepte, verwarf auch manchen Ansatz – bis sich am Ende eine funktionierende Variante herauskristallisiert hatte.
Es sei ihm schnell klar gewesen, in so einem schmalen Gebäude in die Höhe denken und planen zu müssen, betont Henning Vogel. Und so werden sich in dem Türmchen die 25 Quadratmeter Wohnfläche auf zweieinhalb Etagen verteilen.
„Es geht darum, jeden Zentimeter Stauraum zu nutzen.“
Henning Vogel, Architekt
Nachdem die einstige Transformatorenstation entkernt ist, sollen im Erdgeschoss eine Küchenzeile, eine Dusche, ein WC, ein Waschbecken sowie das Wohnzimmer angeordnet werden, erläutert die Projektleiterin Micaela Epple. Eine Treppe umrunde all das und führe nach oben zu einer Art Chill-Zone, wo man zum Beispiel einen Schreibtisch aufstellen könne. „Von oben geht es dann nochmal eine Treppe höher zu einem Hochbett“, erläutert Epple. Eine Terrasse wird ebenfalls angelegt.
Die Ausgestaltung der Innenräume erfolgt nach einer Art Baukastenprinzip. „Möblierung und Treppeneinbau des Trafoturms haben wir modular konzipiert, was sich im Zuge einer Mehrfachnutzung auf weitere Trafotürme im Landkreis übertragen lässt“, erläutert Achim Eckstein. Durch den modularen Aufbau könnten einzelne Elemente ergänzt oder auch weggelassen werden. „Es geht darum, jeden Zentimeter Stauraum zu nutzen. Man muss sehr effizient sein, damit die restlichen Aufenthaltsräume nicht noch zugestellt werden mit einem frei stehenden Kühlschrank oder Ähnlichem“, ergänzt Architekt Henning Vogel.
Die architektonischen Merkmale sollen erhalten bleiben
Bis zu den Sommerferien soll alles fertig sein. Während man das Häuschen innen dann nicht mehr wiedererkennen wird, sollen außen die architektonischen Merkmale wie die charakteristischen Belüftungsklappen erhalten bleiben. Die Stahltüren wolle man ebenfalls nicht ausbauen, wenngleich sie keine thermische Funktion haben werden, also für die Isolierung des Gebäudes verzichtbar wären, erklärt Vogel.
Vermietet wird diese ganz spezielle Unterkunft immer nur auf Zeit. „Wir könnten uns die Vermietung an Studenten vorstellen oder an Menschen, die ein Jahr hier arbeiten“, erklärt Andreas Veit.
Als Mieter bewerben
Keine Versiegelung
Der Trafoturm in der Heinrich-Schweitzer-Straße in Ludwigsburg stammt aus dem Jahr 1931 und ist schon seit längerer Zeit nicht mehr im Betrieb. Durch die Umnutzung soll Wohnraum entstehen, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln. Das Projekt der Wohnungsbau Ludwigsburg wurde deshalb auch vom Land bezuschusst. Wer den Turm als Wohnung mieten möchte, kann sich per E-Mail an info@wb lb.de bewerben.
Verantwortung
Der Umbau des Turms wird als Azubi-Projekt umgesetzt. Auszubildende aus verschiedenen Unternehmen und Branchen wirken daran mit. Sie sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen und Erfahrungen in der Praxis zu sammeln, die über den üblichen Alltag eines Azubis hinausgehen.