Die ersten Mieter sind in den Neubau an der Klingenstraße schon eingezogen. Foto: Jürgen Brand

Die ersten Mieter sind in den Neubau des Bau- und Wohnungsvereins an der Klingenstraße im Stuttgarter Osten eingezogen. Ursprünglich war an der Stelle ein Jugendwohnheim geplant.

S-Ost - Der Bau- und Wohnungsverein Stuttgart (BWV) hat in der Landeshauptstadt mehr als 4600 Mietwohnungen, mehr als 2100 davon in Stuttgart-Ost, wo das Unternehmen vor 153 Jahren gegründet wurde und wo es bis heute seinen Sitz hat. Ein Wohnungsbauprojekt hat den BWV in den vergangenen Jahren besonders beschäftigt, hätte es doch das Jubiläumsprojekt zum 150-jährigen Bestehen vor drei Jahren werden sollen. Der Neubau mit 31 Mietwohnungen und Räumen für einen Bürgertreff Gab­lenberg an der Klingenstraße ist jetzt weitgehend fertig, die ersten Mieter sind gerade eingezogen. Für den BWV war es ein hartes Stück Arbeit, verbunden mit Auseinandersetzungen und auch Enttäuschungen.

4,50 bis 6 Euro pro Quadratmeter

Alles begann im Jahr 2013. Damals wurde bekannt, dass der Bau- und Wohnungsverein eines seiner Mietshäuser an der Klingenstraße abreißen und durch einen Neubau ersetzen wollte. Das Haus mit 20 Wohnungen war wie andere Mietshauskomplexe in dem Viertel in den Jahren 1928 bis 1932 gebaut, im Krieg beschädigt und dann mit den damaligen Möglichkeiten instand gesetzt worden. Eine Sanierung sei teurer als ein Neubau, hatte es damals geheißen, außerdem könnten nur in einem Neubau barrierefreie Wohnungen geschaffen werden.

Dagegen regte sich Widerstand. Die Quadratmetermiete in den maroden Wohnungen mit uralten Bädern und veraltetem Leitungsnetz lag zwischen 4,50 und sechs Euro, die Mieterinitiative befürchtete den Verlust preiswerter Wohnungen. Ihrer Meinung nach wäre eine Sanierung deutlich günstiger, die Quadratmetermieten würden so weit unter denen einer Neubauwohnung von damals geschätzten 10,50 Euro bleiben. Zu dem Zeitpunkt Ende 2013 stand bereits die Hälfte der Wohnungen leer, der BWV hatte den Mietern Ersatzwohnungen angeboten.

Zwei Jahre Planungsarbeit dahin

Mitte 2015, das alte Gebäude stand immer noch, stellte der Bau- und Wohnungsverein dann im Bezirksbeirat ein ganz anderes Neubauprojekt für das Areal vor. Sozusagen als Jubiläumsprojekt sollte dort in Zusammenarbeit mit dem Verein für internationale Jugendarbeit der Diakonie ein neues Jugendwohnheim für junge Menschen aus aller Welt, die in Stuttgart zur Schule gingen oder eine Ausbildung machten, entstehen. Die Pläne dafür waren fertig, der Baubeginn für 2016, also dem Jubiläumsjahr des BWV, geplant. Der Bezirksbeirat Stuttgart-Ost begrüßte das Projekt damals mehrheitlich.

Im Dezember 2015 begann der Abriss, im Juni 2016 war das Areal geräumt. Dann passierte erst einmal lange Zeit nichts. Der Verein für internationale Jugendarbeit geriet damals in eine finanzielle Schieflage, das Bauprojekt wurde erst auf Eis gelegt, dann gestrichen. Der Bau- und Wohnungsverein musste sich etwas Neues für das Areal einfallen lassen. Jürgen Oelschläger vom Vorstand des Unternehmens bezeichnete die Situation später im Bezirksbeirat als „Horrorszenario für einen Bauherrn“, zwei Jahre Planungs- und Konzeptarbeit waren umsonst gewesen. Er stellte dem Bezirksbeirat im Oktober 2016 die veränderten Pläne für ein neues Gebäude mit 31 Wohnungen, einer Tiefgarage und Räumen für einen Stadtteiltreff vor. Nur wenig später wurde mit dem Bau, der jetzt fertig ist, begonnen.

Wann genau der Bürgertreff mit 125 Quadratmetern Fläche im Erdgeschoss des Neubaus übergeben wird, ist noch unklar. Noch im Herbst soll dort die Bürgerbeteiligung im Rahmen des Sanierungsgebiets Soziale Stadt Gablenberg einziehen, auch Vereine und andere Gruppen sollen die Räume nutzen können. Für die Betreuung des neuen Bürgertreffs ist gerade die Gründung eines eigenen Vereins in Vorbereitung.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: