Bis zu 300 000 Besucher kommen in normalen Jahren ins Ludwigsburger Schloss. Bald durch diesen Eingangsbereich. Foto: Studio Komo/Philip Kottlorz

Der neue Eingangsbereich zum Ludwigsburger Prunkbau ist fertig, direkt gegenüber entsteht derzeit das neue Besucherzentrum. Der Schlossverwalter ist schon jetzt begeistert.

Ludwigsburg - Wären adlige Gäste so empfangen worden, wie die Besucher des Ludwigsburger Barockschlosses in den vergangenen Jahren, wahrscheinlich hätten sie auf dem Absatz kehrtgemacht, und wären wieder davon kutschiert. Denn der Eingangsbereich des zwischen 1704 und 1733 erbauten Prunkbaus war wenig repräsentativ, sondern vor allem eins: zweckmäßig. Die Halogenleuchten an den Decken verströmten den Charme der 1970er Jahre – und das passte nicht so richtig zu den edlen Gemächern aus zwei Jahrhunderten, mit Baustilen von Barock über Rokoko bis hin zum Klassizismus. Wenn das Schloss im kommenden Jahr wieder öffnen darf, empfängt es seine Gäste aber standesgemäß, der Eingangsbereich hinkt in Sachen Anmutung den möglichst originalgetreu restaurierten Räumen nicht mehr hinterher.

 

Für insgesamt 900 000 Euro ist in den vergangenen Monaten der Eingangsbereich runderneuert worden. Schlossverwalter Stephan Hurst kommt regelrecht ins Schwärmen, wenn er vom neuen Eingangsbereich spricht. „Mega“, findet er die Arbeit des Stuttgarter Büros Studio Komo, dass vor zwei Jahren den Ideenwettbewerb für sich entschieden hatte.

Viele Anforderungen an die Architekten

Prägend für den Entwurf der Architekten sind in den Raum integrierte Bögen. Sie erfüllen mehrere Zwecke. In erster Linie dienen sie dazu, den Raum auszuleuchten, außerdem können an ihnen Vitrinen, Whiteboards oder Bildschirme aufgehängt werden. Mit den Bögen habe man es geschafft, nicht in das historische Gewölbe einzugreifen. „Das hat auch den Denkmalschützern gefallen“, sagt Rene Rauls vom Studio Komo.

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Dass so viele Leute mitreden wollten, habe die Arbeit nicht erleichtert, so Rauls, aber das sei von Anfang an klar gewesen. Diese Schlossgeschichte habe nicht mit „Es war einmal“, sondern mit „Wir hätten gerne“ begonnen. Während der Bauphase gab es immer wieder kleinere Probleme. So musste der Boden entfernt werden, was eigentlich nicht geplant war, Arbeiter entdeckten zudem alte Farbreste, weshalb die Innenarchitekten ihr Konzept anpassen mussten. „Für solche Dinge muss man sich Zeit nehmen“, sagt Rauls, „aber das macht auch viel Spaß.“ Was letztlich herausgekommen sei, schmeichle dem historischen Bestand, findet Rauls.

Ein Besucherzentrum gab es zuletzt nicht mehr

Weil die Kassen von der Mitte an die Seite gerückt sind, ist auch wieder Platz für einen „Schlossshop“. Einen solchen gab es nämlich zuletzt nicht mehr: Er war einst gegenüber der Schlosskasse – in der Bildergalerie Nord – und wurde später von der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur geführt. Mit dem Aus der Manufaktur schloss auch der Laden. In diesem nur noch sporadisch genutzten Raum wird das Besucherzentrum eingerichtet. Dort sollen sich die Besucher zum Beispiel mit einem Schloss- und Geländemodell, das auch interaktiv erkundet werden kann, einen besseren Überblick über die Anlage und das Drumherum mit Märchengarten und Blühendem Barock verschaffen können. Technische Spielereien wie eine Selfie-Wall sorgen dafür, dass keine Langeweile bei den Digital-Natives aufkommt.

Dass den neuen Eingangsbereich bislang nur wenige Besucher genutzt haben – das Schloss hatte nur rund einen Monat geöffnet, bevor es wegen steigender Corona-Zahlen wieder schließen musste –, betrübt Rene Rauls nicht. „Wir gehen davon aus, dass sich der neue Eingangsbereich lange Zeit hält und er wegweisend für andere Dinge, die im Schloss passieren, ist.“