Das Rühle-Gelände in Kallenberg ist seit Jahrzehnten ungenutzt. Bald rollen auf der Brache an der Schwieberdinger Straße die Bagger an. Foto:  

Korntal-Münchingen wird auf der Brache im kleinsten Stadtteil Kallenberg 22 Wohnungen für Flüchtlinge mieten. So viele Geflüchtete sind ein Novum für den Ort, dessen Bewohner die Pläne kritisch beäugen.

Korntal-Münchingen - Im kleinsten Stadtteil von Korntal-Münchingen werden im kommenden Jahr wohl Dutzende Flüchtlinge untergebracht. Der Gemeinderat stimmte den Plänen der Stadtverwaltung zu, in Kallenberg auf dem Rühle-Areal an der Schwieberdinger Straße Wohnungen zu mieten, um Geflüchteten ein Dach über dem Kopf zu geben. Es ist ein Novum für den mehr als 1340 Einwohner großen Ort.

Alle Ortsteile sind in der Pflicht

Bislang gibt es in Kallenberg keine Anschlussunterbringung im größeren Stil. In den Unterkünften der Städte landen die Flüchtlinge mit Bleiberecht, die privat keine Wohnung finden. Derzeit leben in Kallenberg drei Flüchtlinge in einer städtischen Wohnung, drei Familien wurden auf eigene Faust fündig. Insgesamt zählt die Stadt rund 400 Flüchtlinge.

Bei der Anschlussunterbringung habe man sich zunächst auf Korntal und Münchingen konzentriert, sagt Michael Siegel. Der Leiter des Fachbereichs für Familie, Bildung und Soziales betont: „Von Beginn an war es aber das Ziel von Gemeinderat und Verwaltung, die Aufgabe auf die Schultern aller Ortsteile zu verteilen.“

Die Stadt hat ein Platzproblem

Die Entscheidung der Stadt hat noch einen anderen Grund. Bis Ende des Jahres sind alle ihre Wohnungen voll, die für Flüchtlinge und sozial Schwache gedacht sind. Das wird zum Problem, bleibt die Stadt untätig: Für 2020, sagt Siegel, liege noch keine Prognose des Landratsamtes zur Unterbringung von Flüchtlingen vor. „Dennoch können wir mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass wir weitere Fürsorgewohnungen bereitstellen müssen.“ Zudem wurden etwa die Container für 30 Personen an der Kornwestheimer Straße in Münchingen nicht für die Ewigkeit aufgestellt. Die Bewohner sollen so bald wie möglich nach Kallenberg ziehen.

Auf dem seit Jahrzehnten brach liegenden Areal am westlichen Rand von Kallenberg nahe Autobahn und B 10 mietet die Stadt einen Komplex aus vier Gebäudeteilen mit 22 Wohnungen für gut 80 Menschen. „Über die Details stimmen wir uns derzeit ab“, sagt Michael Siegel. Flüchtlinge haben Vorrang, im Idealfall erhalten auch von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen einen Platz. Die ersten Bewohner ziehen spätestens im Juli 2020 ein. Die Miete inklusive Nebenkosten beträgt rund 215 000 Euro im Jahr.

Aus dem Hotel wurde nichts

Die Kallenberger beäugen die Pläne für das Areal, auf dem einst die Gärtnerei Rühle stand, sehr kritisch. Ursprünglich sollte ein Hotel entstehen, doch der Investor ging pleite. Im vorigen Sommer dann kaufte ein Unternehmer aus dem Ort der Stadt das Areal ab.

Dass dort Flüchtlinge unterkommen, steht schon länger fest. Im Herbst 2017 war aber noch die Rede von 90 Geflüchteten, woraufhin der Bürgerverein aufschrie. Das sei zu viel für einen so kleinen Ort. Auch frage man sich, was die Neuankömmlinge den ganzen Tag tun sollten, biete der Kallenberg doch kaum Beschäftigungsmöglichkeiten. Laut der Stadt baue man die „grundsätzlich gute Infrastruktur“ weiter aus. Um die Flüchtlinge werde sich ein Integrationsmanager kümmern.

Nichts geht ohne den Gemeinderat

Der Investor schweigt auf Anfrage unserer Zeitung zu seinen Plänen. Der Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung von Korntal-Münchingen, Stefan Wolf, teilt mit, er prüfe „verschiedene Überlegungen“ hinsichtlich der Nutzung. „Es ist aber in jedem Fall zumindest anteilig Wohnbebauung vorgesehen.“ Wolf verweist auf die Rolle des Gemeinderats: „Vor der Bebauung muss ein Bebauungsplan aufgestellt werden, was erst dann geschehen kann, wenn eine finale und mit dem Gremium erörterte Planungskonzeption vorliegt.“

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