Offizieller Spatenstich: In Hemmingen soll Wohnraum mit sozial verträglichen Mieten entstehen. Foto: factum/Simon Granville

An der stark befahrenen Hemminger Durchfahrtsstraße errichtet die gemeinnützige Stuttgarter Vector Stiftung sechs Sozialwohnungen. Damit sollen vornehmlich auch Flüchtlingsfamilien eine Bleibe finden und sich leichter ins Gemeindeleben integrieren können.

Hemmingen - Lange Zeit lag der Baugrund an der Hemminger Durchfahrtsstraße brach. Nun wird das Grundstück an der Hauptstraße 37 bebaut. Seit Freitag entstehen in der Baulücke offiziell auf 501 Quadratmetern Wohnfläche sechs Sozialwohnungen. Weil geförderter Wohnungsbau für einkommensschwache Familien in der Strohgäu-Gemeinde, aber auch der Umgebung notwendiger denn je ist, solche Bauprojekte trotz des Bedarfs aber eher selten sind, wurde der Spatenstich in Hemmingen zu einem größeren Ereignis. Bürgermeister Thomas Schäfer, Architekt Stephan Maisch aus Gerlingen sowie die Vorständin der Vector Stiftung, Edith Wolf, verkündeten den Baustart.

Die Stuttgarter Stiftung, die sich in sozialen Projekten engagiert, ist die eigentliche Bauherrin. Sie hat das Grundstück von der Gemeinde gekauft und die Realisierung des Objekts vorangetrieben. Der Projektmanager Albrecht Wonner kalkuliert, dass das Gebäude Ende 2021 bezugsfertig sein wird. Dann wird die Gemeinde laut Bürgermeister Schäfer die Wohnungen für zunächst 20 Jahre mieten. So ist es mit dem Gemeinderat ausgemacht.

Der Mietzins liegt 30 Prozent unter dem örtlichen Niveau

Die Verwaltung wird die Wohnungen an Mieter mit einem Wohnberechtigungsschein vergeben. Bis zu 30 Personen können in dem Objekt Platz finden. Der Mietzins soll 30 Prozent unter dem örtlichen Niveau liegen. Schäfer gibt den Quadratmeterpreis mit 6,20 Euro an. Nach dem Mietspiegel der Gemeinde liegt der Preis ansonsten bei rund elf Euro.

Stiftungs-Chefin Wolf betont, das Ziel der Kooperation mit der Gemeinde sei, „bezahlbaren Wohnraum zu realisieren und sozial bedürftigen Menschen zur Verfügung zu stellen“. Der Vector-Stiftung gehe es jedoch nicht allein darum, „Wohnraum zu sozial verträglichen Mieten zu schaffen“. Ein weiteres Anliegen sei „die Integration der Bewohner in den Alltag“. Dazu zählten insbesondere Flüchtlingsfamilien, die in Hemmingen heimisch werden sollen. Damit dies am Ende gelinge, wolle sich die Stiftung um die Mieter auch nach ihrem Einzug weiter kümmern, so Wolf, die versichert, „dass dieses Projekt für die Vector-Stiftung eine Herzensangelegenheit ist“. Die Vector Stiftung ist 2011 als unternehmensverbundene Stiftung gegründet worden. Sie besitzt 60 Prozent der Anteile der Vector Informatik GmbH und finanziert ihre Tätigkeit aus der Dividende, die sie aus dieser Beteiligung erhält. 150 Projekte fördert Vector durchschnittlich mit jährlich acht Millionen Euro. Seit 2011 hat die Einrichtung mehr als 50 Millionen Euro für ihre gemeinnützige Arbeit eingesetzt.

Eine unschöne Baulücke wird geschlossen

Die Stiftung hat der Gemeinde einen doppelten Gefallen getan: Sie verschafft ihr nicht nur dringend benötigten geförderten Wohnraum. Mit Hilfe der Stiftung wird im Ortskern eine unschöne Baulücke geschlossen, für die sich lange Zeit kein Investor finden lassen wollte. Vormals standen dort ein landwirtschaftliches Gebäude sowie ein kleines Wohnhaus. Mit Fördermittel aus dem Landessanierungsprogramm wurden die baufälligen Gemäuer abgerissen.

Dann interessierte sich ein Investor, der zuerst mit viel Optimismus drei Reihenhäuser erstellen wollte. Als er jedoch nur eines der Gebäude verkaufen konnte, „hat er zurückgezogen“, sagt der Bürgermeister. Letztlich hat dies niemanden in der Gemeinde verwundert. Die Hauptstraße ist stark verkehrsbelastet; viele Lastwagen quälen sich durch den engen Straßenraum. Tempo 30 nehmen viele Verkehrsteilnehmer nicht sonderlich ernst.

Ditzingen hat ein ähnliches Projekt

Auch in Ditzingen hat man ein Grundstück für den sozialen Wohnungsbau in der Kernstadt gefunden. Mit dem Bauprojekt in der Höfinger Straße 9 setzt die Kommune ihr Vorhaben weiter um, mehr erschwinglichen Wohnraum zu schaffen. Die Bebauung des Areals sei nicht nur ein weiterer Schritt zur Entwicklung der Innenstadt, hatte der Oberbürgermeister Michael Makurath (parteilos) beim Spatenstich Ende August gesagt.

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