Der Bereich westlich des Fellbacher Apfelwegs wird mit Ein- und Zweifamilienhäusern bebaut. Foto: Dirk Herrmann/Archiv

Im Wettbewerb zur Entwicklung des Fellbacher Areals Kühegärten/Apfelweg westlich der Esslinger Straße überzeugt der Entwurf des Tübinger Büros Hähnig und Gemmeke. Rund 80 Wohneinheiten sind vorgesehen, Grünachsen trennen die Bereiche.

Fellbach - Noch vor wenigen Jahren war das städtebauliche Projekt „Wohnen Süd“ blanke Theorie. Doch zuletzt gab es viele Entwicklungen bei jenen drei Arealen, die im Zuge der von Oberbürgermeisterin Gabriele Zull forcierten Fellbacher Wohnbauoffensive in naher Zukunft Hunderten von (Neu-)Bürgern ein Quartier bieten sollen: Am weitesten fortgeschritten ist das auf dem Bereich des alten Hallenbads an der Schillerstraße vorgesehene „urbane Wohnen im Zentrum“.

Nun gibt’s auch Fortschritte bei einem Gebiet auf der Westseite der Esslinger Straße

Hier könnten Bagger schon im Herbst an den Startblöcken und am Sprungturm knabbern. Im Anschluss wird mit dem früheren Freibadareal an der Untertürkheimer Straße das größte der drei Gebiete realisiert – Baubeginn wohl 2022.

Nun gibt’s auch Fortschritte bei einem Gebiet auf der Westseite der Esslinger Straße: Für das Areal mit dem nostalgisch klingenden Namen Kühegärten/Apfelweg wurden in der Schwabenlandhalle die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs mit sechs teilnehmenden Büros bekannt gegeben. Ganz vorne landete dabei die Planung des Architekturbüros Hähnig und Gemmeke aus Tübingen. Zufall oder nicht: Das Büro hatte schon mit seinen Entwürfen für das auf der Straßenseite gegenüber liegende Freibadgelände überzeugt. Entsprechend der Konzeption der Tübinger soll das rund 2,3 Hektar große Areal im Südwesten Fellbachs aufgelockert und naturnah gestaltet werden. Anders als bei der vorgesehenen eher wuchtigen Bebauung auf dem Freibadareal soll es in den Kühegärten für die künftigen Bewohner luftiger zugehen. Angedacht sind kleinere Mehrfamilienhäuser, Reihenhäuser oder frei stehende Einfamilienhäuser.

Damit folgt das Tübinger Büro dem Wunsch der Fellbacher Stadtverwaltung, die in ihren Vorgaben bewusst auf eine aufgelockerte Bebauung gesetzt hatte, die für verschiedene Gruppen Wohnraum bietet. In ihrem Entwurf verteilen Hähnig und Gemmeke mehr als 80 Wohneinheiten auf frei stehende Einfamilienhäuser, Gartenatriumhäuser, Reihenhäuser und in niedrigem Geschossbau.

Laut den Vorgaben sollten die Planer auf dem in Hörweite der Bundesstraße gelegenen Areal mindestens 70 Wohneinheiten unterbringen

Das künftige Wohngebiet wird dreigeteilt: Im Norden bringt Geschosswohnbau zugleich Lärmschutz in Richtung der Sportflächen, die Mitte wird durch Ein- und Zweifamilienhäuser und der Süden durch Reihenhäuser bestimmt. Grünachsen trennen die Wohnbereiche und sorgen auch für eine gute Fuß- und Radanbindung, die das bestehende Wegenetz weiterführen. Eingebettet in die vorhandenen Obstwiesenstrukturen entstehe ein „südlicher Stadteingang“, so die Planer, die auch öffentliche Plätze und Sportangebote in den Entwurf integriert haben.

Laut den Vorgaben sollten die Planer auf dem in Hörweite der Bundesstraße gelegenen Areal mindestens 70 Wohneinheiten unterbringen. Dabei waren nicht nur die räumliche Anordnung des bestehenden Wohngebietes, sondern auch der Übergang in die Natur und der Lärmschutz zu den Sportstätten beziehungsweise der B 14 zu berücksichtigen. Außerdem waren nachhaltige Kriterien wie Carsharing und E-Mobilität, ein verkehrsberuhigtes „durchgegrüntes Stadtgebiet“, Regenwassermanagement und ein Energiekonzept mit zu denken. Die Zahl der Parkplätze muss der Zahl der Wohneinheiten entsprechen sowie den Besucherverkehr mit berücksichtigen. Die Einhaltung dieser Kriterien wurde durch Sachverständige überprüft und vom Preisgericht unter Leitung des Karlsruher Stadtplaners Markus Neppl bewertet.

Allerdings werden die Interessenten für dieses neue Wohngebiet noch etwas Geduld benötigen

„Einen solchen Wettbewerb in Corona-Zeiten durchzuführen bringt erhöhte Anforderungen mit sich“, stellte die Bürgermeisterin Beatrice Soltys fest. So wurde den angefragten sechs Architekturbüros mehr Zeit für die Ausarbeitung zugestanden. Auch die Jury hatte während des Preisgerichtes einiges zu beachten. Die üblichen Rundgänge zu den Modellen und Entwurfsplanungen erfolgten in kleinen Gruppen, während die Planungen an einer Leinwand präsentiert wurden. Im Preisgericht saßen Fachjuroren, Sachjuroren (OB Gabriele Zull und fünf Stadträte) sowie in beratender Funktion sieben Bürgervertreter und Sachverständige.

Im Entwurf von Hähnig und Gemmeke ist das neue Quartier nach Einschätzung der Jury „ein gelungener Übergang zwischen bestehender Bebauung und dem angrenzenden Landschaftsraum“. Er biete unter anderen jungen Familien Freiraum und ein nachhaltiges Umfeld. Dabei wurden auch die geforderten Stellplätze nachgewiesen und eine gute Fuß- sowie Radwegeanbindung aufgezeigt.

Allerdings werden die Interessenten für dieses neue Wohngebiet noch etwas Geduld benötigen. Denn zunächst müssen die Entwürfe vom Büro überarbeitet werden. Parallel befasst sich der Gemeinderat mit dem künftigen Baugebiet. Für das anschließend anstehende Bebauungsplanverfahren rechnen die Planer mit mindesten zwei Jahren Dauer.

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