Auf der Straße zwischen Marbach und Murr (Kreis Ludwigsburg) wird eine neue Brücke gebaut. Für die Autofahrer hat das gravierende Folgen, die so bisher nicht bekannt waren.
Dass die Murrbrücke auf der Landesstraße 1100 zwischen Marbach und Murr vor dem Abzweig nach Benningen erneuert und auf vier Spuren ausgebaut werden soll, steht schon lange fest. Bisher wollte das Land das Projekt jedoch möglichst ohne Vollsperrung abwickeln. Nun jedoch die Kehrtwende: Das Regierungspräsdium Stuttgart (RP) teilt mit, dass der Abschnitt während der heißen Bauphase für den Verkehr tabu sein wird.
Klar ist nun auch, wann die Bagger anrücken. Der Startschuss falle im Juni mit vorbereitenden Arbeiten, verkündet die Behörde. Ab Ende Juli gehe es in medias res, müsse die Straße zwischen der Oehlerkreuzung bei Marbach und dem Abzweig nach Benningen gesperrt werden. Voraussichtlich Mitte Oktober könne ein Knopf an das Vorhaben gemacht werden.
Land will Eingriff in die Natur minimieren
Ursprünglich wollte man weitgehend im laufenden Betrieb eine zweite Brücke errichten, ehe im Anschluss die marode alte abgerissen und durch einen weiteren Neubau ersetzt worden wäre. Eingehende Prüfungen führten jedoch zu einem Umdenken. „Eine wesentliche Erkenntnis aus den natur- und umweltschutzfachlichen Untersuchungen war, dass ein konventioneller Abbruch und Neubau in der bis dahin angedachten Umsetzung mit Bau in paralleler Lage zu deutlich größeren Eingriffen in Umwelt und Natur führen würden als bisher angenommen“, erklärt das RP.
Flächenschonender soll der vierspurige Neubau in einem Rutsch sein, zumal dabei auch im größeren Stil Fertigteile verwendet werden. „Der Einsatz von Brücken-Fertigteilelementen in diesem Umfang ist in Baden-Württemberg bislang einmalig. Wir sind stolz, dieses Pilotprojekt im Regierungsbezirk Stuttgart umzusetzen“, sagt Regierungspräsidentin Susanne Bay. Es handele sich sogar um die erste Expressbrücke im Land.
Davon abgesehen hätte auch bei der einst ins Auge gefassten Methode die Straße zeitweise voll gesperrt werden müssen, betont das RP. Zudem wäre das Projekt erst nach zwei Jahren abgeschlossen gewesen, während nun wenige Monate reichen sollen. Die Vollsperrung selbst werde 75 Tage dauern.
Weiträumige Umfahrungen geplant
Die Umleitung wird großräumig erfolgen. Im Westen wird eine Route über Benningen, Freiberg, Ludwigsburg und dann am Neckar zurück nach Marbach empfohlen. Im Osten soll der Verkehr über die Landesstraße 1100 Richtung Großbottwar und dann über Rielingshausen und die Schweißbrücke bei Erdmannhausen nach Marbach fließen. Man kann anfangs auch nicht via Steinheim abkürzen und von dort direkt die Schweißbrücke ansteuern, weil bis Ende August die Marktstraße in Steinheim wegen Kanalarbeiten gesperrt sein wird.
In den Sommerferien müssten auch die Busse um das Nadelöhr herumgelotst werden, erklärt das RP. Für die Zeit danach werde „aktuell an Lösungen gearbeitet, um dem Busverkehr zeitnah, wenigstens in Teilen, die Durchfahrt an der Baustelle wieder zu ermöglichen“.
Ende April oder Anfang Mai möchte das RP in einer Veranstaltung dezidiert über das Projekt und die Auswirkungen informieren.
Einen ersten Vorgeschmack auf die anstehende Sperrung liefert das Wochenende. Am Sonntag, 15. Februar, müsse die Landesstraße 1100 zwischen Marbach und Murr im Bereich der Murrbrücke zwischen 7 und 19.30 Uhr wegen Baumfällarbeiten voll gesperrt werden, um das Baufeld für den Sommer freizumachen, berichtet das Regierungspräsidium. Eine Umleitung werde eingerichtet.