Das Versprechen der Architekten, die für Ferdinand Piëch arbeiten: So ähnlich soll es vor der Calwer Passage künftig aussehen, die Passage selbst soll noch verlängert werden. Foto: Tennigkeit Architekten

Investor Ferdinand Piëch will rund um die Calwer Passage ein Biotop für Fassadengrün und inhabergeführten Einzelhandel verwirklichen. Sehr schön, meint Josef Schunder im Kommentar, aber ein bisschen mehr Diskussion könnte so ein Projekt noch besser machen.

Stuttgart - Der Investor Ferdinand Piëch hat die Katze endlich aus dem Sack gelassen – und vier Jahre nach dem Erwerb der Calwer Passage und des Umfelds seine Baupläne präsentiert. Alles gut? Nicht ganz.

Über den Grundriss und die Ausgestaltung des künftigen Gebäudecks am Rotebühlplatz ist das letzte Wort vielleicht noch nicht gesprochen. Die Wünsche, die im Technikausschuss und besonders im Städtebauausschuss anklangen, sind bedenkenswert. Auch der, dass sich damit der neue Gestaltungsbeirat von auswärtigen Planungsexperten befassen sollte.

Über manche Details wäre wohl schon geredet worden, hätte Piëch nicht auf einen internen statt einen öffentlichen Fassadenwettbewerb gesetzt. Aber es soll ja schnell gehen – auch ohne einen neuen Bebauungsplan. Ob man so diesem wichtigen Standort gerecht wird, darf bezweifelt werden.

Gegenentwurf zum Vorgang im Europaviertel

Das spricht keineswegs gegen die von Christoph Ingenhoven entwickelte Idee für eine grüne Fassadengestaltung. Da hat man in Stuttgart großen Nachholbedarf. Und es spricht vor allem nicht gegen das inhaltliche Konzept, das Piëch mit diesem Projekt verfolgt: für den inhabergeführten kleinteiligen Einzelhandel eine Art von Biotop zu schaffen. Dafür hat er ein Sonderlob verdient – wenn er das Versprechen einhält, den Partnern „auskömmliche Mieten“ abzuverlangen.

Kurzum: dieses Vorhaben könnte eine Besonderheit im Stuttgarter Zentrum ergeben, fast eine Perle. Es ist ein veritabler Gegenentwurf zum Projekt auf dem letzten Hochhausgrundstück im Europaviertel, wo die Stadt dem Investor momentan Fassadengrün abtrotzen muss. Doch am Konzept darf noch gefeilt werden.

josef.schunder@stzn.de

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