Und hier derselbe Blick in Echtzeit: Über dem zweigeschossigen Sockelbau werden schon die vier gegliederten Baukörper hochgezogen, die weitere drei Etagen bringen. Foto: oh

Der Neubau auf dem alten ZOB nimmt Form an. Das Wohn- und Büroensemble mit Mobilitätsstation, Gastro und Lebensmittelmarkt soll im ersten Quartal 2023 fertig werden. Die LBBW Immobilien-Gruppe verzeichnet ein „erfreuliches Interesse“ an potenziellen Mietern.

Esslingen - Die beiden roten Baukräne auf dem Gelände des ehemaligen Esslinger Busbahnhofs überragen das gegenüberliegende Einkaufszentrum „Das ES“ um etliche Höhenmeter. Die Bauarbeiten auf dem Rechteck im Handtuchformat zwischen der Fleischmannstraße, Berliner Straße, der Martinstraße und dem Parkhaus am Bahnhof bedürfen einer ausgeklügelten Logistik, die Betonmischer können nur eng getaktet ihr Material am dicht befahrenen Altstadtring anliefern. Die Gründung steht auf 200 Stelzen. Mittlerweile haben sich schon zwei Stockwerke über das ganze Grundstück geschoben, das bis zum Bau des neuen Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) in direkter Nachbarschaft der Anlaufpunkt des öffentlichen Nahverkehrs jenseits der Schiene war. Der neue zweigeschossige Grundstock signalisiert bereits die städtebaulich gewünschte Kante des Neubaus zum Bahnhofsplatz und westlichen Altstadtring.

 

„Die Bauarbeiten sind voll im Plan“, lässt die Bauherrin, die LBBW Immobilien-Gruppe, mitteilen. Das QBUS, wie sie ihr Objekt in Anlehnung an die Architektur der Baukörper und die Vergangenheit des Areals getauft hat, soll im ersten Quartal 2023 bezugsfertig sein. 20 größere Wohnungen, 130 Mikroappartements, Büros, Gastronomie, ein vergrößerter Rewe-Markt und eine städtische Mobilitätsstation mit großem Fahrradparkhaus sind dort am Entstehen, das benachbarte Parkhaus soll optimiert werden. Zu den Vermietungen will die LBBW derzeit noch nichts sagen. Nur so viel: „Das Interesse ist in allen Bereichen erfreulich groß.“

Schließung und Neueröffnung

Die Kundschaft des bisherigen Rewe-Markts im Erdgeschoss des Parkhauses muss sich noch über einen Hintereingang den Weg in den Laden suchen. Nach Fertigstellung des Neubaus soll der Markt an die Berliner Straße vorrücken und einer der größten in der Region werden. Dafür müssen die Kunden allerdings ein Dreivierteljahr auf andere Geschäfte ausweichen: Rewe am Bahnhof wird ab dem 24. April schließen. „Die Wiedereröffnung des neuen Marktes soll dann in der Vorweihnachtszeit 2022 stattfinden“, lässt der Betreiber übermitteln.

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Über dem Erdgeschoss und dem ersten Stock des noch grauen Betonkastens wachsen bereits die vier Baukörper in Richtung Berliner Straße, mit denen nochmals drei Stockwerke aufgesattelt werden. Allerdings erstrecken die sich nicht auf die gesamte Grundfläche der beiden unteren Geschosse, sondern werden durch begrünte Innenhöfe unterbrochen. Wie ein grobzackiger, nach oben gerichteter Kamm präsentiert sich das QBUS an seiner Ostfassade.

Überzeugender Wettbewerbsentwurf

Dass sich trotz des komplexen Programms auf engstem Raum – der Neubau umfasst ein Gesamtfläche von 19 000 Quadratmeter – keine Straßenschlucht zwischen QBUS und ES auftut, war dem Stuttgarter Büro Wittfoht Architekten, das den Realisierungswettbewerb 2016 mit Bausch und Bogen gewonnen hatte, besonders wichtig. Damals waren neben Wohnungen, Gastronomie, Geschäften und Büros auch noch ein Hotel und ein Fitnessstudio eingeplant. Letztere sind längst Makulatur. Damals war der Projektentwickler auch noch die Dietz AG aus dem hessischen Bensheim, der das benachbarte Parkhaus gehörte und die sich auch auf dem 2014 frei gewordenen ZOB engagieren wollte.

Harsche Kritik hatte sich das Rathaus anhören müssen, dass es der Dietz AG das städtebauliche Filetstück angedient hatte, nur weil eine Bebauung ansonsten wegen des nahen Parkhauses schwierig geworden wäre. Lange hatte man darüber diskutiert, ob und wie das Grundstück bebaut werden sollte. Mit dem überzeugenden Wettbewerbsentwurf sah der damalige OB Jürgen Zieger „alle kommunalpolitischen, städtebaulichen und architektonischen Anforderungen an den Standort berücksichtigt“. Noch 2017 wollte die Dietz AG mit den Bauarbeiten starten. Stattdessen übergab sie das Projekt mitsamt Parkhaus im Mai 2018 der LBBW Immobilien Development GmbH. Der alte ZOB war solange weiter im Dornröschenschlaf geblieben – um seine Mutation zu Esslingens ärgerlichster Innenstadt-Brache charmant zu umschreiben. Im Dezember 2019 unterzeichneten die LBBW Immobilien-Gruppe und die Stadt den Kaufvertrag über vier Millionen Euro. Darüber, wie viel Geld die LBBW in den Neubau investiert, hüllt sie sich in Schweigen. Die Stadt hat jedenfalls 40 Prozent der Verkaufssumme, also rund 1,6 Millionen Euro, für den Bau der 70 neuen Sozialwohnungen in der Zeller Alleenstraße verwendet. 2021 ist auch endlich Bewegung auf das Gelände des alten ZOB gekommen.

QBUS – Leben und arbeiten in Bahnhofsnähe

Bauobjekt
 Die LBBW Immobilien-Gruppe baut und vermietet auf dem ehemaligen Zentralen Omnibusbahnhof in Esslingen unter dem Namen QBUS 20 größere Wohnungen, 130 Einzimmer-Appartements, Gastronomieeinheiten, Büros, einen großen Lebensmittelmarkt und eine Mobilitätsstation. Zudem wird das benachbarte Parkhaus optimiert. Grundlagen für das neue Bauobjekt waren der städtebauliche Ideenwettbewerb von 2005 und der Realisierungswettbewerb von 2016.

Mobilitätsstation
 Die Bauherrin erstellt für die Stadt im ersten Stock des Neubaus auf der dem Bahnhof zugewandten Seite eine Mobilitätsstation mit bewachten Stellplätzen für gut 500 Fahrräder, Ladestationen für E-Bikes, Infostelle, Fahrradwerkstatt sowie Zugang zum Parkhaus. Die Station wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und dem Wirtschaftsministerium des Landes bezuschusst.

Q-Bus für QBUS
 Die LBBW Immobilen-Gruppe hat einen Bus des Städtischen Verkehrsbetriebs Esslingen zum Q-BUS umgerüstet: Eine komplette Seite sowie das Heck zieren Motive des Neubaus. Und auf der zweiten Seitenfläche des Busses wirbt der Lebensmittelmarkt im Bahnhofsparkhaus für den im Erdgeschoss des Neubaues entstehenden größeren Laden.