Rund 100 000 Quadratmeter ist der Freudentaler Schlosspark groß. Der Eigentümer will in einem Teil davon Wohnungen bauen lassen. Foto: factum/Granville

Rund um das Freudentaler Schloss sollen rund 20 Wohnungen entstehen. Der Eigentümer Rudolf Bayer hofft, damit Geld für die Erhaltung des barocken Baus einzunehmen. Doch der Landkreis will auch künftig ein Wörtchen mitreden.

Freudental - Eine „einmalige Atmosphäre für Ihre unvergessliche Veranstaltung“: Mit diesem Slogan wirbt der Eigentümer des Schlosses Freudental, der Bietigheimer Galerist Rudolf Bayer, für sein herrschaftliches Anwesen. Egal ob Hochzeit, Firmenfeier oder Geburtstag: Für jeden Anlass würde das 300 Jahre alte Barockschloss und der rund 100 000 Quadratmeter große Park ringsherum passen, heißt es im Internetauftritt der ehemaligen Sommerresidenz von König Friedrich I.

Neben geladenen Feiergästen könnten bald ganz andere Besucher auf das Gelände ziehen – und sollen dauerhaft bleiben. Denn Bayer, der das Gelände vor elf Jahren für zwei Millionen Euro vom Landkreis Ludwigsburg gekauft hat, plant rund 20 Wohneinheiten auf dem Gelände zu entwickeln. Einen entsprechenden Bebauungsplan hat der Freudentaler Gemeinderat bereits vor Monaten beschlossen, unlängst zog dann auch der Ludwigsburger Kreistag nach: Er verzichtet für Teile des Areals auf sein vertraglich gesichertes Rückkaufsrecht. Darum hatte Bayer gebeten, um die vorgesehenen Bauplätze und Wohnungen besser vermarkten zu können, erläuterte die Verwaltung den Kreisräten hinter verschlossenen Türen.

Ein Bauträger hat konkretes Interesse

Konkret sollen im südlichen Teil des Schlossparks, nahe der Bietigheimer Straße, fünf Einfamilienhäuser gebaut werden. Die alte Kegelbahn, das Kesselhaus und das Forsthaus, die allesamt im Schlosspark stehen, sollen ebenfalls so umgebaut werden, dass dort neue Bewohner einziehen können. Im Nordteil des Parks, nahe des bestehenden Pflegeheims der Kleeblatt-Gruppe, sind laut der Kreisverwaltung zwei Gebäude für betreutes Wohnen geplant. Für das komplette Vorhaben hat die Gemeinde mit dem Schlossherrn einen städtebaulichen Vertrag abgeschlossen.

Er freue sich, wenn die Pläne so umgesetzt würden, sagt der Freudentaler Bürgermeister Alexander Fleig. Seine Gemeinde habe ein Interesse daran, dass Plätze für betreutes Wohnen geschaffen werden. „Und wir wollen auch eine innerörtliche Verdichtung.“ Eine konkrete Bauvoranfrage ist laut dem Rathauschef noch nicht eingegangen. Nach Informationen unserer Zeitung gibt es mit der Bietigheimer Wohnbau allerdings einen Bauträger, der großes Interesse an dem Projekt hat. Der Schlossherr selbst war am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Teurer Unterhalt des Schlosses

Ausgangspunkt für die neuen Ideen ist wohl der teure Unterhalt des herrschaftlichen Anwesens. Mehr als drei Millionen Euro, so teilte es die Verwaltung in der jüngsten Kreistagssitzung mit, habe Bayer in den vergangenen zehn Jahren investiert. Ohne die erhofften Erlöse aus dem Wohnungsbau halte der Besitzer eine „Unterhaltung des Schlosses langfristig für unmöglich“, heißt es in einer Vorlage.

Als Rudolf Bayer sich im Juli 2007 das Schlossareal sicherte, waren seine Pläne gänzlich andere: Zusammen mit der Stiftung Bildungsland wollte er ein privates Elitegymnasium in dem Barockschloss einrichten. Viel Aufregung hat das Geschäft zwischen dem Investor und dem Kreis damals verursacht, weil sich die Gemeinde Freudental und die damalige Bürgermeisterin Dorothea Bachmann vor dem Vertragsabschluss nicht ausreichend vom Landrat Rainer Haas informiert gefühlt hatten. „Die Gemeinde Freudental wurde, wie seither auch, vor vollendete Tatsachen gestellt und muss mal wieder die hinter verschlossenen Türen getroffenen Entscheidungen hinnehmen“, schrieb Bachmann damals in einem Brief an Teile des Kreistags. Der Landrat bezeichnete diese Haltung seinerseits in einem Schreiben später als „Unwahrheit“, Bürgermeisterin Bachmann solle sie „entkräften“.

Wenige Monate nach dem Verkauf im Sommer 2007 lagen die Gemeinde und der neue Schlossherr dann über Kreuz, weil der Gemeinderat einen restriktiven Bebauungsplan für das Areal beschloss, der den Start des Schulbetriebs immer wieder verzögerte. Inzwischen sind die Pläne für eine Bildungseinrichtung in den barocken Mauern endgültig gescheitert.

Der Kreis hat auch künftig ein Rückkaufsrecht für Teile des Areals

Stattdessen stehen die Räume im Erdgeschoss für Tagungen und Feste zur Verfügung, im Südflügel können Gäste übernachten. Mit den Einnahmen, so ist aus gut informierten Kreisen zu hören, kann der Schlossherr die Kosten für den Unterhalt des Schlosses aber nicht refinanzieren – weshalb er nun durch den Bau von Wohnung Geld einnehmen will.

Ein Hindernis war dabei bislang das Rückkaufsrecht für das Gelände, dass sich der Kreis bis zum Jahr 2037 gesichert hat – vor allem für den Fall, dass das Schloss eines Tages „überwiegend gastronomisch genutzt“ oder dort eine „Vergnügungsstätte“ eingerichtet wird. Nun wurde dieses Recht für Teile des Schlossareals aufgegeben. Nicht aber für das gesamte Gelände, wie es der Schlossherr gerne gesehen hätte.

Die Pläne für Wohnungen und das betreute Wohnen würden das „Gesamtbild der Anlage“ nicht beeinträchtigen, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit. Daher habe man den Kreisräten empfohlen, für diese Flurstücke auf das Rückkaufsrecht zu verzichten. Für das übrige Gelände wolle man sich aber einen „Einfluss über die künftigen Nutzungen“ sichern.

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