Mit Kettensäge und Rückeschlepper sind die Arbeiter in Wald auf der Rohrer Höhe zugange. Foto: Sandra Hintermayr

Das Forstamt hat im Wald auf der Rohrer Höhe zahlreiche Bäume abgeholzt. Die Stämme werden an holzverarbeitende Betriebe verkauft. Das „brutale Schlachten“ gefällt allerdings nicht allen Bürgern.

Rohr - Seit einigen Wochen sind die Arbeiter in den Stuttgarter Wäldern unterwegs und fällen Eichen, Buchen, Kiefern und Co. So auch auf der Rohrer Höhe, im Gebiet zwischen dem evangelischen Waldheim und der Pascalstraße, den Wohnhäusern an der Straße Am Föhrenwald und der Autobahn 8. Zahlreiche Stämme säumen die Spazierwege und liegen zwischen den noch stehenden Bäumen am Waldboden. „Seit Beginn des Jahres wird brutal abgeholzt, der Wald und die Wege sind ruiniert“, findet Georg Hänsel.

Der Rohrer kritisiert die Baumfällungen und wirft dem Forstamt „Holz-Profit vor Lebensraum-Qualität“ vor. „Mit dem brutalen Schlachten zu vieler alter, wunderschöner Bäume werden kaum mehr reparable Wunden in das Naherholungsgebiet gerissen“, sagt Hänsel. „Ein Verlust an Lebensqualität“ für die Spaziergänger, die regelmäßig im Wald spazieren gehen.

Auf 40 Hektar wurden auf der Rohrer Höhe Bäume gefällt

„Die Stuttgarter Wälder werden größtenteils seit mehr als hundert Jahren forstwirtschaftlich bearbeitet“, sagt Hagen Dilling, der stellvertretende Leiter des städtischen Garten-, Friedhofs- und Forstamts. Nur habe man früher jeweils in kleineren Gebieten Holz eingeschlagen, dafür aber jedes Jahr. Wegen des großen Aufwands habe man die Vorgehensweise geändert. „Wir haben jetzt größere Hiebflächen. Auf der Rohrer Höhe sind es etwa 40 Hektar. Natürlich kommt da mehr Holz zusammen. Aber an der Einschlagsmenge über mehrere Jahre ändert sich nichts“, sagt Dilling.

Denn die Gebiete, in denen nun Bäume gefällt wurden, haben im Durchschnitt sieben Jahre Ruhe, bevor die Arbeiter wieder mit der Kettensäge kommen. Sieben Jahre, in denen die Bäume, die um einen gefällten Baum stehen, wachsen können und einen dickeren Stamm sowie eine dichtere Krone ausbilden können. Sie nutzen das Licht, dass der Wegfall des geschlagenen Baumes freigibt. Auch die nächste Generation Bäume kann mit diesem zusätzlichen Licht besser wachsen.

Bäume werden gefällt, solange sie gutes Geld bringen

Die Menge der Baumstämme sehe „teilweise wüst aus“, gibt der Leiter des Forstamts zu. „Unsere Maßnahmen lösen bei vielen Spaziergängern zunächst Verwunderung und Schock aus, aber man muss auch die Bäume sehen, die durch die Fällungen profitieren und besser wachsen können.“

Dass an den Wegen zahlreiche Bäume gefällt werden, hat auch Sicherheitsgründe. Die wenigsten Bäume können am Wegrand stehen bleiben, bis sie alt sind und schließlich absterben. Denn sie könnten umfallen und Passanten verletzen. Und an dieser Stelle kommen auch wirtschaftliche Argumente hinzu: Wenn ein Baum sowieso nicht stehenbleiben kann, bis er abstirbt, wird er entnommen, so lange er gutes Geld bringt. „Man muss einfach abwägen, wann welcher Baum entnommen wird“, sagt Dilling. Die Bäume gehen an verschiedene Unternehmen und werden etwa für die Möbel- oder Industrieholzherstellung verwendet.

In Habitatgruppen bleiben die Bäume unangetastet

Das Forstamt legt auch Wert auf den Naturschutz. An einigen Stellen im Wald gibt es Habitatgruppen. Die ausgewählten Bäume dürfen stehen bleiben, bis sie absterben und als Alt- und Totholz weiterhin einen ökologischen Nutzen haben. Es sind Bäume, die sich als Lebensräume, etwa für Vögel und Kleintiere, anbieten. „Diese Habitatgruppen sind bei uns erfasst, und unsere betriebliche Zielsetzung ist es, diese unangetastet zu lassen“, sagt Dilling. Es sei angedacht, alle drei Hektar mindestens eine Habitatgruppe entstehen zu lassen.

Zwar müssen zur Stapelung der Stämme und zur Entnahme der Hölzer schwere Maschinen in den Wald vorrücken, doch man versuche, den Boden so gut es geht zu schützen. Etwa durch einen sogenannten Rückeschlepper, der auf sechs breiten Reifen fährt. „Dadurch wird der Druck auf den Boden reduziert“, erklärt Dilling. Zudem gibt es festgelegte Rückeschneisen, auf denen die Maschinen abseits der Wege in den Wald fahren dürfen.

Auf die für das Stadtklima so wichtige Kaltluftproduktion hat das Fällen der Bäume im Wald übrigens wenig Auswirkungen. „Die Nachbarbäume übernehmen sofort die Funktion“, sagt Dilling.

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