Die Deutsche Bahn hat den markanten Baum beim Bahnhof fällen lassen. Im Zuge der Bauarbeiten für Stuttgart 21 soll dort ein Kran aufgestellt werden. Foto:  

Am Donnerstagmorgen gegen 7 Uhr rückte die Polizei am Bahnhof Feuerbach an, um die Fällarbeiten an der Trauerweide zu sichern. Parkschützer hatten da schon Position bezogen, ein Mann musste von Spezialkräften vom Baum geholt werden.

Feuerbach - Bereits am Mittwochabend waren bei Parkschützern und Mitgliedern der „Initiative Feuerbach für K 21“ Informationen durchgesickert, dass die Parkplätze rund um die Trauerweide in der Nähe des Bahnhofsgebäudes Feuerbach geräumt werden mussten. Für die Stuttgart-21-Gegner war klar, dass die Bahn ihre neuerliche Ankündigung nun ganz schnell wahr machen würde: „Trotz aller Bemühungen, sie zu erhalten, wird die Trauerweide weichen müssen“, hatte der Sprecher des Bahnprojektes Stuttgart 21, Jörg Hamann, ein paar Tage zuvor gesagt. Nur an ihrem Standort sei ein geeigneter Platz für einen Kran.

Andere Optionen habe man geprüft, aber wieder verwerfen müssen. Der Radius dieser Kranstandorte, erklärte Hamann, sei einfach zu klein gewesen. Die Lastarme der insgesamt vier benötigten Kräne müssten sich überlappen, um das Baufeld abzudecken – so bleibe nur dieser Standort übrig. Einen konkreten Termin für die Fällung wollten die Vertreter der Deutschen Bahn im Gespräch mit unserer Zeitung am Montag nicht nennen.

60 Polizisten haben die Fällarbeiten gesichert

Gestern wurden dann jedoch im Laufe des Tages Tatsachen geschaffen und die Motorsägen angeworfen. Nicht jedoch ohne den Protest der Gegner und ein entsprechendes Polizeiaufgebot. Rund 60 Beamte mussten am Donnerstagmorgen die Fällung der Trauerweide sichern. Laut Polizeisprecher Tobias Tomaszewski waren sowohl Beamte der Einsatzhundertschaft als auch der Bereitschaftspolizei vor Ort: „Gegen 7 Uhr begann der größere Einsatz“, sagt Tomaszewski. Laut Angaben der Polizei hatten sich 25 Personen vor dem Bahnhof versammelt, um gegen die Fällung zu demonstrieren. Die Organisatoren hingegen sprechen von 50 Protestierenden.

Nach mehrmaliger Ankündigung löste die Polizei die Versammlung auf. Zwei Parkschützer waren auf den Baum geklettert, einer stieg nach Aufforderung durch die Polizei wieder herunter, der andere wurde gegen 10 Uhr von mehreren Spezialkräften vom Baum geholt. Eine weitere Parkschützerin, die vor dem Baum saß, ließ sich wegtragen. Gegen die drei läuft eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch.

S 21-Gegner haben die Bahn angezeigt

Auch die Stuttgart-21-Gegner haben Anzeige erstattet: „Wir haben einen Strafantrag gegen die DB Projektgesellschaft Stuttgart–Ulm gestellt, weil es aus unserer Sicht bisher nicht eindeutig geklärt ist, ob die Fällung des Baumes planfestgestellt ist“, sagte Roland Saur von der Initiative Feuerbach für K 21. Auch Rudolf Pfleiderer vom Landesnaturschutzverband Stuttgart (LNV) zweifelte an der Rechtmäßigkeit der Fällung: „Wir sind sicher, dass das Wort Trauerweide in den Planungsunterlagen nicht vorkommt – insbesondere nicht im landschaftspflegerischen Begleitplan.“

Beim zuständigen Eisenbahn-Bundesamt (Eba) wird darauf hingewiesen, die Trauerweide stehe auf einer „Baustelleneinrichtungsfläche“, die mit der Entscheidung vom 13. Oktober 2006 planfestgestellt sei: Die Deutsche Bahn als Vorhabenträgerin habe im Vorfeld der Rodung ein Konzept mit spezieller artenschutzrechtlicher Untersuchung eingereicht: „Den Naturschutzbehörden wurde das Konzept vorgelegt und sie haben keine Einwände dagegen vorgetragen“, sagt Eba-Sprecherin Heike Schmidt auf Nachfrage.

Bei den Naturschützern am Bahnhof sah man das völlig anders: „Es ist empörend, dass auf Kosten der Natur und der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger die Bahn laufend ihre Fehlplanungen korrigieren darf“, sagte der Parkschützer Karl Braig. Im Oktober 2013 habe die Deutsche Bahn noch zugesichert, dass sich die Baumfällung vermeiden lasse. Tatsächlich sagte der damalige Projektsprecher Wolfgang Dietrich seinerzeit: „So kann beispielsweise entgegen den ursprünglichen Planungen die stadtbildprägende Trauerweide am Feuerbacher Bahnhof stehen bleiben.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: