Marcel Hoch und seine Kollegen erhalten ab und zu Unterstützung von einem Hubschrauber (links: Archivbild). Foto: Fabrice Weichelt/Stadt Stuttgart, Valentin Schwarz

Helikopter haben zuletzt an mehreren Orten in Stuttgart Bäume durch die Luft geflogen. Wie läuft ein solcher Einsatz für die Baumarbeiter ab?

Aufgeregt sei er vor dem heutigen Einsatz schon, sagt Marcel Hoch. Aber auf eine freudige Weise. Von Nervosität oder gar Angst ist in seinen Worten und Gesichtszügen derweil keine Spur. Dabei wäre ihm das kaum zu verdenken. Denn kurze Zeit später wird Hoch, mit der Kettensäge ausgerüstet, meterweit oben in einem Baum hängen. Unmittelbar über seinem Kopf schwebend: die knatternden Rotorenblätter eines Huschraubers – und ein Hunderte Kilo schweres Stück Stamm.

 

Was nach einem Hollywood-Stunt klingt, geht für den 34-Jährigen inzwischen fast schon als Routine durch. Hoch ist der Inhaber eines gleichnamigen Betriebs für Baumarbeiten aus Rottenburg. Seit 2018 hat er eine spezielle Leistung im Angebot: Hubschrauberfällungen. „Manche Stellen sind anders nicht zugänglich“, sagt Hoch. So hat sein Unternehmen in den vergangenen Wochen an mehreren Orten in Stuttgart rund 80 Bäume dank Helikopter-Unterstützung gekürzt.

Hubschrauber fliegt durch Deutschland nach Stuttgart

An diesem Tag ist ein Abschnitt neben dem Perlgrasweg in Plieningen an der Reihe. Das Wiesenstück zwischen der Körsch und dem Mühlbach sei zu dieser Jahreszeit viel zu feucht, um dort einen Kran heranzufahren, erklärt Hoch. „Außerdem gibt es hier Spechtlöcher in den Bäumen. Die wollen wir im Naturschutzgebiet erhalten.“ Bedeutet: Die Bäume werden nicht komplett gefällt, sondern relativ weit oben am Stamm abgesägt. Also kommt der Hubschrauber zum Einsatz.

Den stellt die österreichische Firma Wacher, mit der Hoch seit einigen Jahren zusammenarbeitet. „Da gibt es nicht so viele Anbieter“, sagt er. Für den Helikopter-Piloten ist der Einsatz in Plieningen an diesem Tag deshalb nicht der erste. Im Gegenteil: Wenn er in Stuttgart ankommt, hat er schon eine regelrechte Deutschland-Tour hinter sich, mit Baustellen im Berliner Raum und in Frankfurt. „Und uns nimmt er dann auch noch mit“, sagt Hoch.

Helikopter schleppt Baumstamm durch die Luft

Bevor der Helikopter einfliegt, machen sich zunächst einmal Techniker des baden-württembergischen Netzbetreibers Netze BW ans Werk. Sie schalten die Hochspannungsleitungen ab, die neben zu fällenden Bäume verlaufen. Das soll potenziell fatale Unfälle in der Luft verhindern. Als nächstes rollt der Tankwagen der Firma Wacher im Perlgrasweg ein. Und kurz darauf erscheint dann der Hubschrauber aus dem wolkenverhangenen Himmel. Mit großem Getöse landet er auf der Wiese oberhalb der Körsch, eine kurze Besprechung folgt.

Anschließend klettern Hoch und zwei seiner Angestellten die auserkorenen Bäume hinauf, an deren Ästen grüne Gurte befestigt sind. Der Helikopter hebt wieder ab. Bald senkt sich von oben ein Seil herab, das die Baumarbeiter an den Gurten einhängen. In Sekundenschnelle durchsägen sie die Stämme an der richtigen Stelle. Dann heißt es Kopf einziehen: Der Heli setzt sich nun mit dem oberen Teil des Baumes im Schlepptau in Bewegung. Seine Ladung legt er auf der Wiese ab, von dort aus kann sie problemlos abtransportiert werden.

Hubschrauber erhöht Planungsaufwand

Auf diese Weise haben Hoch und seine Kollegen zuletzt nicht nur in Plieningen, sondern auch im Feuerbacher Tal und am Dürrbach in Hedelfingen ihre Arbeit erledigt. Auf fünf bis sechs Hubschrauberfällungen im Jahr komme sein Betrieb inzwischen, sagt Hoch. Trotz der angesammelten Erfahrung sei er davor stets angespannt, ob alles glatt laufe. Schließlich ist der Planungsaufwand deutlich größer, wenn der Heli eingeflogen werden muss. Kurzum: „So ein Einsatz ist immer etwas Besonderes.“