Mit einem Schaufelbagger werden die Bäume am Kallenberg’schen Areal aus der Erde geholt und per Lastwagen abtransportiert. Auf dem Bietigheimer Lothar-Späth-Carrée (rechts) werden Mammut- und andere für hiesige Gefilde untypische Bäume gefällt. Foto: factum/Weise

In Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen geht es dem Grün an den Kragen. Verpflanzt, wie ein paar Exemplare vom Kallenberg’schen Areal in Ludwigsburg, werden die wenigsten.

Kreis Ludwigsburg - Riesenmammutbäume, Zedern, Zypressen, Fichten und andere für hiesige Gefilde untypische Bäume werden derzeit auf dem Parkgelände einer ehemaligen Fabrikantenvilla in Bietigheim-Bissingen gefällt. Das Areal gehört zum Lothar-Späth-Carrée, das die Stadt mit neuen Wohnungen versorgen soll. Das Baum-Opfer stößt allerdings vielen Bürgern bitter auf – unter anderem aus klima- und artenschutzrechtlichen Gründen.

Die Stadt argumentiert, die Grundstücksbesitzer hätten einen Anspruch auf die Befreiung von der Baumschutzzsatzung gehabt: Die Bäume hätten auf überbaubarer Fläche oder Erschließungsfläche gestanden. Doch sie sollen den Weg frei machen, damit es auf dem Lothar-Späth-Carrée endlich mit der Wohnbebauung losgeht – Uneinigkeiten über Grundstückszuschnitte verhinderten bisher den Startschuss. Jüngst beschloss der Gemeinderat, das Areal in mehreren Bauabschnitten zu entwickeln, damit es in einem von Querelen nicht betroffenen Teilgelände bald losgehen kann. Für die gefällten Bäume sollen später Ersatzpflanzungen her. Für Skeptiker wie Hohn klingen dürfte die Ankündigung, einige gefällte Baumstämme – „wahrscheinlich Mammutbäume“ sollten auf dem künftigen Spielplatz als Klettermöglichkeit eingebaut werden.

Proteste hatten keinen Erfolg

In Ludwigsburg wird seit Jahresbeginn am Kallenberg’schen Gelände und drumherum planiert und gerodet. Auf dem Areal zwischen Bahnhofs-, Solitude- und Leonberger Straße will die Firma D-Quadrat einen viergeschossigen Gebäudekomplex mit Kinderwunschzentrum, Büros, einem Hotel und einem Café errichten. Im Sommer 2018 hatten sich Anwohner zur Interessengemeinschaft Stadtnatur zusammen geschlossen und gegen die Fällung von 40 Bäumen protestiert. Ohne Erfolg.

Die meisten Bäume, die auf der zuletzt als Parkplatz genutzten Fläche in Bahnhofsnähe standen, sind bereits gefällt worden. Lediglich eine Reihe von Alleenbäumen entlang der Leonberger Straße soll an Ort und Stelle bleiben. In dieser Woche wurde mit dem Abtransport von sieben für erhaltenswert erachteten Linden und Hainbuchen begonnen.

Zwei Hainbuchen ziehen Richtung Grünbühl-Sonnenberg

Die Stadt Ludwigsburg hatte lange nach geeigneten Standorten für die zum Teil bis zu 40 Jahre alten Bäume gesucht. Jetzt wurden dafür Flächen auf der Hartenäcker Höhe und in Grünbühl-Sonnenberg ausgewählt: Fünf Linden werden in die Elisabeth-Kranz- und in der Walter-Flex-Straße angepflanzt. Zwei Hainbuchen sollen an der Markungsgrenze von Grünbühl-Sonnenberg weiter wachsen dürfen. Ursprunglich sollten noch zwei weitere Buchen gerettet werden. Doch die standen relativ nahe an der Mauer des Bahnhofstraßentunnels. „Daher konnte man diese nicht mit der Maschine stechen“, erläutert eine Sprecherin der Stadt. „Sie wurden gefällt.“

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