2013 hat der Baumarkt in Weil der Stadt dicht gemacht – und nie wieder eröffnet. Das könnte sich ändern, der Inhaber hat neue Pläne vorgelegt. Gleichwohl gibt es noch Hürden.
Insgesamt 7000 Quadratmeter Verkaufsfläche, 187 Parkplätze, Baumarkt, Gartencenter und Baustoffhandel in einem: Für die Fläche des ehemaligen „Extra“-Baumarkts in Weil der Stadt hat der Inhaber, die Schünke Gruppe aus Wehr (Kreis Waldshut), jüngst eine erste Visualisierung vorgelegt. Im unternehmenseigenen Grün prangt der Name der Firma in dieser Skizze auf der Seite des wuchtigen Gebäudes, das am Rande des Gewerbegebiets nahe des Weil der Städter Bahnhofs entstehen soll.
Dass es überhaupt eine Visualisierung gibt, ist ein großer Schritt: Der „Extra“-Baumarkt war 2013 der Insolvenz von „Praktiker“ zum Opfer gefallen, seitdem steht das Gebäude leer. Als „Lost Place“ diente das leere Haus in der Vergangenheit auch immer wieder Unbefugten als Abenteuerspielplatz. Die Fenster sind zerschlagen, die Wände voller Graffiti – nicht gerade ein Schmuckstück.
Stadt und Baumarkt-Eigentümer sind wieder im Gespräch
So mancher Weil der Städter wünscht sich seitdem einen eigenen Baumarkt zurück – wer einen großen ansteuern will, muss nach Rutesheim oder Böblingen fahren. Nach geplatzten Verhandlungen mit „Hagebau“ gehört die Fläche in Weil der Stadt seit 2014 der Schünke Gruppe. Getan hat sich hier seitdem aber wenig. Fragte man in den vergangenen Jahren bei der Stadt nach, hieß es in der Regel: Man sei in Gesprächen.
Mit den genauen Gründen für die lange Zeit, die seit dem Kauf durch Schünke vergangen sind, rückt das Rathaus nur vage heraus. „Stadtverwaltung und Eigentümer hatten länger nicht zueinander gefunden“, kommentierte der Bürgermeister Christian Walter jüngst auf Nachfrage unserer Zeitung. Spätestens ab 2022 habe es aber positive Gespräche gegeben. Auch bei Schünke bleiben indes die Lippen verschlossen: Bis Redaktionsschluss reagierte die Firma aus Wehr nicht auf eine Presseanfrage.
7000 Quadratmeter Verkaufsfläche
Zu Besuch im Gemeinderat von Weil der Stadt zeigte sich Seniorchef Dirk Schünke derweil positiv: „Wir freuen uns darauf, wenn wir demnächst weiterkommen und bauen können und eröffnen können“, sagte er im Gremium, in das er die Pläne für den größeren Baumarkt-Neubau mitgebracht hatte.
Sowohl Stadt als auch Inhaberfirma dürften ein Interesse daran haben, das Projekt gemeinsam voranzubringen: Schünke könnte nach elf Jahren seit dem Kauf endlich mit dem Baumarkt am Standort Weil der Stadt starten. Der Eigner müsste für die geplanten 7000 Quadratmeter Verkaufsfläche aber auch Grundstücke nutzen, die noch in städtischer Hand sind. Außerdem braucht es für das Vorhaben Bauplanungsrecht, das der Gemeinderat ihm gewähren muss. Eine einseitige Geschichte sei das aber nicht, sagt Bürgermeister Walter. Denn die Stadt will auch die Verkehrssituation in der nahe liegenden Siemensstraße verändern und eine Umgehungsstraße bauen, die um den neuen Baumarkt herumführt und in einen Kreisverkehr an der Merklinger Straße mündet. Gewünscht hat man sich diese Lösung im Rathaus schon lange. „Das wird nicht ohne eine Einigung gehen“, sagt Walter. „Stadt und Schünke könnten sich vermutlich bis in alle Zeiten gegenseitig blockieren, aber das ist, glaube ich, das, was absolut niemand möchte.“
Schünke rechnet mit 600 bis 1200 Kunden am Tag
Der Bürgermeister erhofft sich von der Wiederbelebung der Fläche eine „Reihe positiver Entwicklungen“: Zunächst einmal wäre da die Behebung des „städtebaulichen Missstands an dieser prägnanten Stelle“. Und: „Auch wenn es Vorbehalte gibt, zeigt sich in Gesprächen, dass sich viele Bürger einen Baumarkt in Weil der Stadt wünschen“, sagt Bürgermeister Walter.
Er wisse, dass es Bedenken in einigen Punkten gebe, räumte der Bürgermeister auch in der Sitzung des Gemeinderats ein – wegen der Verkehrslage, der Flächenversiegelung und der schieren Größe des Neubaus. Letztere bräuchte man aber, damit der Standort auch wirtschaftlich sei, argumentiert man seitens Schünke. 600 bis 1200 Kunden am Tag erhofft sich die Firma auf diese Weise.
Sorgen gab es in der Vergangenheit außerdem wegen der Nähe zum Merklinger Ried und den hydrogeologischen Auswirkungen des Projekts. Im Zuge der Untersuchungen, die für das Neubaugebiet Häugern-Nord gemacht wurden – es liegt direkt auf der anderen Seite der angrenzenden Landesstraße – wurde auch die mögliche Auswirkung auf das Ried für den Fall untersucht, dass beides realisiert wird, also Häugern-Nord und Baumarkt.
Baumarkt kommt frühestens in drei Jahren
Laut dem Bürgermeister war auch dieses Verfahren ein Grund dafür, dass es mit dem Baumarkt in den vergangenen Jahren nur schleppend voran ging: Denn Häugern-Nord verzögert sich stark. Mit dem Baumarkt-Projekt habe man aber gewartet, bis der Beschluss zu Häugern-Nord und die dazugehörigen wasserrechtlichen Genehmigungen abgehakt sind. Zumindest diese Etappen sind nun geschafft. Bis der Baumarkt wirklich kommt, dauert es allerdings noch eine Weile: Mit „hoher Priorität“ bearbeitet die Stadt laut Walter das nötige Bebauungsplanverfahren. Das könnte in rund zwei Jahren abgeschlossen sein. Dann könnte Schünke mit dem Bau loslegen, der schätzungsweise aber noch mal ein Jahr dauert.