Die Tage der Kastanie in der Mitte sind bald gezählt. Foto: Christian Kempf

Ein prägnanter Baum auf der Schillerhöhe in Marbach (Kreis Ludwigsburg) ist zum Sicherheitsrisiko geworden. Deshalb muss die Stadt nun reagieren.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass über einen einzelnen Baum eine mehr als zwei Seiten lange Sitzungsvorlage erstellt wird. Daran lässt sich schon die Wertigkeit des Gewächses ablesen, mit dem sich der Ausschuss für Umwelt und Technik des Marbacher Gemeinderats jetzt befasste. Und tatsächlich handelt es sich um ein besonderes Exemplar: eine mehrere Jahrzehnte alte Kastanie. Weil sich der Baum zudem an prominenter Stelle im Park auf der Schillerhöhe befinde, könne man nicht ohne Vorab-Informationen die Motorsäge ansetzen, erklärte der Bauamtsleiter Dieter Wanner.

 

Die Rosskastanie vor der Stadthalle ist vor rund 70 Jahren gepflanzt worden. Schon vor einigen Jahren habe man festgestellt, dass sich ein leichter Riss am Kronenansatz in der Mitte des Stammes bildet, berichtete der städtische Grünflächenplaner Jürgen Kirn. Per Seil sei die neuralgische Stelle stabilisiert worden. „Wir hatten damals gehofft, dass es wieder zuwachsen würde. Aber der Riss hat sich noch verbreitert. Wenn man direkt davorsteht, kann man sogar durchschauen“, erklärte der Fachmann.

Baum könnte zur Gefahr werden

Die Rosskastanie links von der Laterne gehört zu einem Ensemble von Bäumen auf dem Weg zur Stadthalle. Foto: Christian Kempf

Aus Gründen der Verkehrssicherheit habe man nun nur noch zwei Optionen. Entweder man nehme den ganzen labilen Teil der Krone heraus, womit aber ein unschöner Torso an diesem exponierten Standort hinterlassen werde – oder man mache Tabula rasa, fälle den Baum und ersetze ihn durch einen neuen. Für Letzteres machte sich die Stadtverwaltung stark. Auch weil Rosskastanien als anfällig für Krankheiten gelten und unter den Folgen des Klimawandels leiden. „Die Blätter werden schon ab Juli braun“, betonte Kirn.

Die Rodung sei mit den Naturschutzverbänden abgestimmt, erklärte Bauamtsleiter Dieter Wanner. Einmütig gab auch der Ausschuss seinen Segen. Bei der Neupflanzung möchte die Stadt auf einen Amberbaum setzen, der ursprünglich im Südosten der USA, Mexiko und Guatemala beheimatet war – insofern auf wärmere Temperaturen besser vorbereitet sein dürfte.