Andreas Hofer beim direkten Blick über die Region Stuttgart. Foto: Gottfried Stoppel

„Bauhaus trifft Gartenschau“ – der Intendant der IBA 2027, Andreas Hofer, begeistert beim Besuch am Wengerthäusle in der Mitte der Region die Remstäler Architekturfans.

Bauausstellung - Eins ist ihm ganz wichtig: „Die Internationale Bauausstellung startet nicht 2027, die läuft bereits, das ist ein langjähriger Prozess.“ Andreas Hofer, Züricher Architekt mit beeindruckendem Hintergrund an untypischen, problembeladenen und zukunftsweisenden Wohnungsbauprojekten ist Anfang des vergangenen Jahres zum Intendanten der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart gewählt worden.

Was in den knapp eineinhalb Jahren seitdem passiert ist, hat er beim Treffen mit architektur-affinen Wengerthäusles-Besuchern am Mittelpunkt der Region Stuttgart bei Strümpfelbach in der Diskussionsrunde „Bauhaus trifft Gartenschau“ präsentiert. Samt Vorgeschichte des Wohnungsbaus heutiger Prägung und möglicher problemlösenden Perspektiven in Zeiten des Wohnungsmangels und explodierender Mietpreise.

Und was ist mit den Baugesetzen?

„Darf man bei der IBA 2027 auch Baugesetze brechen?“ Das sei durchaus eine Frage, die ihm bei den Workshops und Gesprächsrunden für das IBA-Netzwerk und die darin entstehenden „Projektfamilien“ der Bauausstellung des Öfteren gestellt würden. Er habe die Frage an die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut weitergegeben, sagt Hofer und grinst quasi vielversprechend. Die Antwort sei gewesen: „Vielleicht“. Unmöglich ist also nichts. „Baugesetze sind nicht gottgegeben,“ sagt der 56-Jährige mit dem nicht nur in diesem Fall erfrischend anderen Schwyzer-Dialekteinschlag.

Den Wohnungsbau hat der Mann von vornherein ganz speziell im Visier gehabt, als er aus einem Feld von 60 namhaften Bewerbern für die IBA-Intendanz ausgewählt wurde. Sein bisheriges Werk ist quasi Programm für das, was er im – wie er sagt – „herausfordernden Umfeld in und um Stuttgart“ mitbewegen will. „Mehr als wohnen“ oder „Kraftwerk 1“ heißen die Baugenossenschaften in Zürich, bei denen er die Finger mit drin hat. Die Spezialität: Konversion von Industrie- und Gewerbebrachen zu integrierten Wohn-, Arbeits- und Einkaufsquartieren, wie sie den heutigen Notwendigkeiten entsprechen. Keine Projekte , die viel Gewinn versprachen, sondern eher Unmengen an planerischer Kreativität brauchten: „Am liebsten kümmern wir uns um Areale, die alle anderen schon aufgegeben haben.“

Hofer: Es wird seit Langem an den eigentlichen Bedürfnissen vorbei gebaut

Das Problem der heutigen Zeit sei nicht die Verdichtung in den Zentren, sondern deren Entdichtung durch Funktionsverlust, die unter anderem dazu führe, dass Infrastrukturen und Zusammenleben nicht mehr funktionierten. Die Wohnbaukonzepte mit Einzelhäusern, und die ganze Fixierung auf Kleinformat stamme schlicht aus gänzlich anderen Zeiten. Mit der Folge, das seit Jahrzehnten konsequent an den eigentlichen Bedürfnissen vorbei gebaut werde.

Vor allem auch rund um Stuttgart hat Hofer da unter den gut 50 Projekten, die schon jetzt Teil der im Werden befindlichen architektonischen Themenfamilien für die IBA sind, längst einige höchst vielversprechende Flächen ausgemacht. Große brachliegende Firmengelände im Filstal oder auch das Riva-Areal in Backnang. Und die ebenfalls für die IBA projektierte Hangweide in Kernen hat der IBA-Intendant beim Blick aus dem Wengerthäusle quasi direkt vor der Nase.

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