Franz Untersteller, Klaus Herrmann (BGZ-Aufsichtsratsvorsitzender), Bernd Heinl und Hanns Hub (von links) diskutieren angeregt. Foto: Bernd Zeyer

Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller hat die Baugenossenschaft Zuffenhausen (BGZ) besucht. Themen waren unter anderem nachhaltiges Bauen und energetisches Sanieren, aber auch die langen Bearbeitungszeiten in der Stuttgarter Verwaltung.

Zuffenhausen - Im vergangenen Jahr hatte die Baugenossenschaft Zuffenhausen (BGZ) mit einem großen Fest ihren 100. Geburtstag gefeiert. Damals konnte Franz Untersteller aus Termingründen nicht dabei sein. Nun hat der baden-württembergische Umweltminister den Besuch nachgeholt und sich vor Ort über die BGZ informiert.

Zunächst ging der BGZ-Vorstandsvorsitzende Hanns Hub kurz auf die Geschichte des 1919 gegründeten Unternehmens ein. Er betonte, dass der genossenschaftliche Gedanke nach wie vor im Mittelpunkt der Aktivitäten stehe. Zielgruppe als Mieter seien Menschen mit geringem bis mittleren Einkommen. Aktuell habe man 2500 Mitglieder, im Bestand befänden sich rund 2000 Wohnungen, die Bilanzsumme betrage 78 Millionen Euro.

„Die Anforderungen bei Neubauten werden immer höher“

Das Vorstandsmitglied Bernd Heinl betonte die soziale Verantwortung der BGZ. Diese zeige sich unter anderem im lebenslangen Wohnrecht, der Unterstützung der Mitglieder, der Beteiligung an integrativen Wohnformen sowie an den mehr als 400 geförderten Wohnungen. Die durchschnittliche Miete der BGZ liege mit 6,73 Euro pro Quadratmeter deutlich unterhalb dem Mietspiegel. Bei Neubauprojekten allerdings könne man dieses Niveau nicht halten, hier komme man auf 10,50 Euro und noch mehr. „Die Anforderungen bei Neubauten werden immer höher. Das wirkt sich direkt auf die Miete aus“, sagte Heinl und meinte damit auch energetische Vorgaben.

„Hauptpreistreiber ist nicht die Energieeffizienz, es sind die Baukosten“, entgegnete Untersteller. Man müsse die Sache von hinten denken, schließlich hätten die Mieter später einmal geringere Energiekosten. Die Wärmesektion sei für 30 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Deshalb gelte es, heute schon über den Standard KfW 40 nachzudenken. Grundsätzlich wäre vorstellbar, künftig so zu bauen, dass nicht der Nutzer, sondern beispielsweise ein Hausmeister den Energieverbrauch steuere. Unter dem Gesichtspunkt der geplanten Klimaneutralität im Jahr 2050 wäre angeraten, eine „Energieversorgung jenseits von fossil“ als Ziel zu setzen. Auch bei Sanierungen im Bestand sei „viel herauszuholen“. Momentan sei der Umgang mit Bestandsgebäuden „hoch unbefriedigend“. Das Gebäudeenergiegesetz sei bislang ebenfalls nicht befriedigend, sein Ministerium werde diesbezüglich eigene Vorschläge ausarbeiten und in Berlin einbringen.

Bereits in den 1980er Jahren begann die BGZ mit energetischen Sanierungen

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagte Bernd Heinl. Bereits in den 1980er Jahren habe die BGZ mit energetischen Sanierungen begonnen. 90 Prozent des Bestandes hätten mittlerweile davon profitiert. Kritisch äußerten sich die BGZ-Vorstände über die Bearbeitungs- und Genehmigungszeiten der Stuttgarter Verwaltung und nannten als Beispiel das Projekt „Stammheimer Block“. Mittlerweile seien zehn Jahre ins Land gezogen, der Neubau habe immer noch nicht begonnen. Dem wollte Untersteller nicht widersprechen. Der Minister räumte ein, dass es in anderen Gemeinden, beispielsweise in Esslingen, weitaus besser laufe. Wichtig sei, dass alle an einem Bauvorhaben Beteiligten von Anfang an an einem Tisch säßen. Nicht gerade glücklich ist man bei der BGZ mit dem Kreditkonzept der L-Bank – in deren Verwaltungsrat Untersteller sitzt. Es werde verlangt, bei einer Kreditvergabe nicht nur das Baugrundstück, sondern noch ein weiteres Grundstück zu beleihen. „Damit tun wir uns unheimlich schwer“, sagte Heinl. „Ich höre zum ersten Mal von diesem Problem“, entgegnete Untersteller. Eventuell liege dies an Anforderungen der Europäischen Zentralbank, beziehungsweise der Bankenaufsicht. Auf jeden Fall werde er sich dieses Themas annehmen.

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