Die Hangweide steht seit annähernd zwei Jahren leer. Sie soll ein Vorzeige-Wohngebiet werden. Foto: Patricia Sigerist

Bei einer Veranstaltung des Vereins für Heimat und Kultur geht es um die Zukunft des Areals zwischen Stetten und Rommelshausen. Wie dicht wird dort die Bebauung sein? Das bekommen die Besucher auch spielerisch vermittelt – mit Schokolade.

Kernen - Ute Heinle, die Vorsitzende des Vereins für Heimat und Kultur Kernen, hat ein Planspiel zum Mitmachen vorbereitet: Aus bunten Mini-Tafeln Schokolade sollen die rund 20 Besucher Häuser auf die Hangweide bauen. Es zeigt sich: Je höher sich die farbigen Täfelchen auf den aufgezeichneten Bauflächen türmen, von denen jedes für ein Stockwerk steht, umso mehr Freiräume bleiben um die Gebäude erhalten.

Das entspreche der Realität des Bauens, erklärte die Architektin bei der Veranstaltung „Dichte: Bedeutung für die Hangweide“ am Freitagabend im Keller des Heimatmuseums in Stetten.

Die Dichte ist bei der Bebauung der Hangweide die ausschlaggebende Größe

Wenn die drei Projektpartner (Gemeinde Kernen, Kreisbaugesellschaft Waiblingen und LBBW Immobilien Kommunalentwicklung), die das Gelände der Hangweide für 16,5 Millionen Euro von der Diakonie Stetten erworben haben, nicht draufzahlen wollen, müssen auf dem Areal rund 60 000 Quadratmeter Wohnfläche entstehen. Da zudem der Wunsch besteht, möglichst viel des Baumbestands zu erhalten und dennoch ausreichend Wohnraum zu schaffen, wächst der Druck. „Das bedeutet eine im Schnitt drei- oder viergeschossige Bebauung auf der Hangweide“, sagte Peter Mauch, Kernens Beigeordneter und Bauamtsleiter, der bei den Planspielen mitmischte. Um den Planern genügend Freiraum zu lassen, wolle man im anstehenden Realisierungswettbewerb aber keine Geschosszahl vorgeben.

Das größte Areal ist das Vauban mit 38 Hektar

Die Dichte ist bei der Bebauung der Hangweide die ausschlaggebende Größe, wobei Wohnungsnot und Investorendruck nicht allzu viel Spielraum lassen. Anregungen, wie das neue Quartier zwischen Rommelshausen und Stetten einmal aussehen kann, hatten sich Verwaltung, Gemeinderat sowie Isa Hasselt und Ulrich Lang von der Bürgerbeteiligung Hangweide bei einer Exkursion im April geholt. Die Kernener Reisegruppe hat sich das Hunziker-Areal und das Zwicky im schweizerischen Zürich angeschaut, außerdem das Vauban in Freiburg. Das größte Areal ist das Vauban mit 38 Hektar, auf dem 3500 Bewohner in rund 2000 Wohnungen leben. Das ehemalige Kasernengelände ist das bunteste und vielfältigste der drei besuchten Quartiere, was die Vertreter der Bürgerbeteiligung vor allem an der Tatsache festmachen, dass die privaten Bauherren mit 70 Prozent die größte Gruppe sind. „Viele Bauträger stärken die Individualität“, sagte Ulrich Lang. In ähnlicher Form wie in Freiburg bebaut könnten auf den 7,9 Hektar der Hangweide 1150 Menschen ein neues Zuhause finden.

Das Züricher Hunziker-Areal, früher eine Betonfabrik, hat eine Größe von 4,1 Hektar, die bebaute Wohnfläche beträgt 40 000 Quadratmeter, es leben 1300 Menschen dort. „Die Besonderheit dort ist, dass es in jedem Haus Allmendräume gibt“, berichtete Isa Hasselt, das sind Gemeinschaftsräume. Das etwa gleich große Zwicky sei mit 1600 Bewohnern stärker besiedelt und mit viel Sichtbeton wenig attraktiv anzuschauen.

„Unsere Vision für die Hangweide wäre eine Mischung aus Vauban und Hunziker“, erklärte Ulrich Lang. Wobei, wie auch im Vauban, „sauberes Gewerbe“, etwa Dienstleistungen aller Art, nach den Vorstellungen der engagierten Bürger auf der Hangweide untergebracht werden soll.

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