Das Quartier auf dem Areal – eine ehemalige Einrichtung der Diakonie Stetten – soll zu einem urbanen Viertel mit hohen Freiraumqualitäten werden. Foto: Patricia Sigerist

Bürger und Planer sprechen über die Vorgaben für den städtebaulichen Wettbewerb. Beim ersten Bürger-Planer-Dialog am Montag im Bürgerhaus wurden Gebäude mit Innenhöfen favorisiert, die auch höher als die maximal angepeilten sieben Geschosse sein können.

Kernen - Einfamilienhäuser mit Gärten sind auf der knapp acht Hektar großen Hangweide nicht erwünscht. Geschosswohnungsbau soll stattdessen viel Wohnraum und zugleich Freiraum bringen: Beim ersten Bürger-Planer-Dialog am Montag im Bürgerhaus wurden Gebäude mit Innenhöfen favorisiert, die auch höher als die maximal angepeilten sieben Geschosse sein können.

60 Bürger hatten sich für diese erste Dialogveranstaltung angemeldet

Das möglichst autoarme Gebiet soll mit einem verdichteten Buslinien-Takt, vielleicht einem Shuttlebus, angebunden sein, Transportmittel wie Mietfahrrad oder Carsharing bereithalten – und eventuell eine verkehrliche Anbindung an die Friedrichstraße bekommen, wobei so mancher Schleichverkehr als Folge befürchtet. 60 Bürger hatten sich für diese erste Dialogveranstaltung angemeldet, und auch Benedikt Paulowitsch, Kernens neuer Bürgermeister, brachte sich als Beobachter auf den neuesten Stand. Schließlich soll die Hangweide Vorbildcharakter und vielleicht einen belebenden „Bilbao-Effekt“ haben – wie einst der Bau eines Museums in der spanischen Stadt, nach dem das Phänomen benannt ist.

Modellhaft für die Bebauung der Hangweide könnte das dank vieler privater Bauherren bunte und individuelle Freiburger Vauban-Viertel sein, das sich Gemeinderat und Bürger bei einem Ausflug im Frühjahr angeschaut hatten. Auf den 38 Hektar des ehemaligen Kasernengeländes leben heute rund 3500 Menschen in 2000 Wohnungen. In ähnlicher Form wie in Freiburg bebaut könnten auf den 7,9 Hektar der Hangweide etwa 1150 Menschen ein neues Zuhause finden.

Sechs Planungsbüros sind für den Wettbewerb gesetzt

Fest steht: Das Quartier auf dem Areal – eine ehemalige Einrichtung der Diakonie Stetten – soll zu einem urbanen Viertel mit hohen Freiraumqualitäten werden. Dass der Anna-Kaiser-Komplex weiterhin langfristig betrieben werden soll und im Besitz der Diakonie bleibt, die auch den benachbarten Pavillon bis Ende 2021 unentgeltlich nutzen darf, passt für Peter Mauch, Kernens Bauamtsleiter und Beigeordneter, zum integrativen Charakter des geplanten Wohnviertels. Am Montag wurde über die architektonischen und landschaftsplanerischen Vorgaben für den städtebaulichen Wettbewerb diskutiert, der voraussichtlich zu Beginn des nächsten Jahres ausgelobt wird. Eine illustre Runde von Fachleuten war dazu gekommen.

Fortgesetzt werden soll die bürgerschaftliche Beteiligung im März mit einem zweiten Bürger-Planer-Dialog

Etwa der Schweizer Architekt Andreas Hofer, der als Intendant für die künstlerisch-inhaltliche Leitung der Internationalen Bauausstellung IBA 2027 in der Stadt-Region Stuttgart verantwortlich ist, auf deren Projektliste seit April 2019 auch die Hangweide steht. „Es geht um Lebensraum, in dem wir uns wohlfühlen sollen, und Dichte bedeutet nicht Stress, sondern die Möglichkeit, viel Gutes um sich herum zu haben.“

Sechs Planungsbüros sind für den Wettbewerb gesetzt, darunter „Alles wird gut“ aus Wien und MVRDV Architekten Rotterdam. „Wir wollen eine internationale Auswahl“, erklärte Peter Mauch. Der Architekt Moritz Seifert aus Kernen schlug vor, statt der geplanten zwölf Büros, die ihre Wettbewerbsbeiträge bis Juni abgeben sollen, über die das Preisgericht dann im Juli entscheiden wird, 18 zuzulassen, um eventuell noch bessere und außergewöhnliche Konzepte für die Hangweide zu erhalten.

Fortgesetzt werden soll die bürgerschaftliche Beteiligung im März mit einem zweiten Bürger-Planer-Dialog. Der Mannheimer Stadtsoziologe Konrad Hummel, der den Hangweide-Prozess von Anfang an begleitet, ist beeindruckt – von der Idee von gemeinschaftlichen Waschräumen, „auch, wenn das ein Angriff auf die schwäbische Sauberkeit ist“, und noch mehr „von so viel Power und Energie“, die in Kernens Bürgern stecke.

Hummel wird in den nächsten Monaten Interviews mit Bevölkerungsgruppen führen, die bisher nicht erreicht wurden, etwa Jugendliche, Migranten oder junge Familien. „Wir wollen wissen, wie die künftige Generation wohnen will.“

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