Grauer Himmel, aber beste Laune: Elf Spatenstecher und eine Spatenstecherin geben den offiziellen Startschuss für das Wernauer Baugebiet Adlerstraße Ost III. Foto: Ines Rudel

Im Wernauer Baugebiet Adlerstraße Ost III haben die Erschließungsarbeiten begonnen. Nach einer langen und nicht immer konfliktfreien Vorgeschichte entstehen dort in vier Abschnitten unter anderem bis zu 300 Wohneinheiten.

Ein Spatenstich für ein Großbauprojekt ist immer ein symbolischer Akt. Dass der Wernauer Bürgermeister Armin Elbl seine Ansprache auf knapp 15 Minuten begrenzte, darf – wohl eher zufällig – ebenfalls als Symbol gewertet werden: eine Minute für jedes Jahr. Solange zumindest dauerte es von der ersten Idee für das Wohnbaugebiet Adlerstraße Ost III bis zum ersten Spatenstich. Im September 2007 jedenfalls hatte der Gemeinderat den entsprechenden Aufstellungsbeschluss für eine Änderung des Flächennutzungsplans gefasst.

 

Der Rathauschef versicherte indes, „dass wir nicht getrödelt haben“. Doch ein solches Wohnbaugebiet schüttele man sich eben nicht einfach aus dem Ärmel, ergänzte er und blickte auf die entscheidenden Wegmarken zurück, die im Dezember vergangenen Jahres schließlich in einen Bebauungsbeschluss mündeten. Alles in allem entstehen auf den insgesamt rund zwei Hektar großen Bauflächen bis zu 300 Wohneinheiten. Zudem bekommt der Norden Wernaus ein Pflegeheim und Einrichtungen für das Gemeinwesen. 220 der geplanten Wohneinheiten werden im Zuge des sogenannten Konzeptvergabeverfahrens errichtet – und dies wiederum in vier aufeinanderfolgenden Losen.

1,5 bis zwei Stellplätze pro Wohneinheit

Elbl unterstrich, dass mit der Adlerstraße Ost III „ganz neue Wege beschritten werden“. Als regionaler Wohnbau-Schwerpunkt seien ohnehin bestimmte Vorgaben, wie etwa eine Dichte von 90 Bewohnern je Hektar, vorgegeben. „Aber das schaffen wir locker“, fügte Elbl hinzu, weil das bereits bestehende Baugebiet Adlerstraße Ost in die Berechnung mit einfließe. „Insgesamt wollen wir ein besonderes Quartier mit urbanem Charakter, einer hohen baulichen Qualität und einer ebensolchen Energieeffizienz schaffen“, zählte Elbl die wesentlichen Eckpunkte auf. Um ähnliche Parkprobleme, wie sie auf den oft schmalen Straßen in der bereits bestehenden Bebauung zweifellos vorhanden sind, zu vermeiden, sind in dem neuen Abschnitt 400 private und 120 öffentliche Stellplätze vorgesehen. „Das ist die Lehre aus dem Gebiet Adlerstraße Ost II, da dort zweifellos ein Defizit herrscht“, ergänzte der Bürgermeister – wohlwissend, „dass die 1,5 bis zwei Stellplätze, die wir pro Wohneinheit festgelegt haben, bei den Bauherren und den späteren Eigentürmern für einiges Kopfzerbrechen sorgen werden“.

Erschließungsarbeiten günstiger als geplant

Doch die Stellplätze sind nur das eine, an das sich die künftigen Bewohner werden gewöhnen müssen. So wird auch dem sozialen Miteinander in der Adlerstraße Ost III eine große Bedeutung zugemessen. Statt Zäunen und Mauern werden Gemeinschafts- und Wohnhöfe das Bild prägen. „Eine ordentliche Durchgrünung“, wie es Elbl ausdrückte, soll darüber hinaus für ein gutes Klima sorgen. Das gelte für die Natur, aber auch für die Menschen die dort leben werden. „Wir haben zusammen mit allen Planern und Projektbeteiligten sehr viel Hirnschmalz in das neue Baugebiet gesteckt und hoffen, dass dieses nicht nur auf dem Papier zu einem vollen Erfolg wird“, betonte er.

Für einen ersten Erfolg konnte das mit der Erschließungsplanung beauftragte Ingenieurbüro Geoteck aus Kirchheim bereits sorgen. So wurden die Arbeiten für den Erd-, den Tief, den Straßen-, den Landschafts-, den Leitungs- und den Kanalisationsbau für gut 4,4 Millionen Euro an die Firma HSE aus Kernen im Remstal vergeben. Das Angebot lag damit rund 16 Prozent unter der Kostenberechnung, wobei Günter Baumann, einer der Geoteck-Geschäftsführer, allerdings gleich warnte: „Wir hoffen zwar, dass der Preis einigermaßen zu halten ist, was angesichts der aktuellen Situation aber natürlich nicht garantiert werden kann.“ Pascal Bosch, einer von drei HSE-Chefs, wiederum versicherte, dass das Angebot seiner Firma auskömmlich kalkuliert worden sei.

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Los gehen soll es mit der Erschließung von Los 1 – und damit dem Streifen zwischen der bestehenden Bebauung, der Albstraße und der Adlerstraße – möglichst umgehend. „Der erste Abschnitt könnte also, wenn alles nach Plan läuft, bereits Ende dieses Jahres so weit fertig sein, dass mit dem Bau der ersten Gebäude begonnen werden kann“, sagte Baumann. Und wenn tatsächlich alles nach Plan läuft, ist man mit der gesamten Erschließung bis November 2023 durch.

Die Hoffnung, dass das – nach dann mehr als 16 Jahren – gelingt, war beim Spatenstich zumindest groß, auch wenn ein weiteres Symbol nicht gerade für eitel Sonnenschein sprach: Der Himmel zeigte sich zum Projektstart grau, wolkenverhangen und regnerisch.

Was lange währt, soll nun endlich realisiert – und gut – werden

September 2007
 Um das Wohnbaugebiet Adlerstraße Ost III realisieren zu können, fasst der Wernauer Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss um den vorhandenen Flächennutzungsplan ändern zu können.

Juli 2011
 Nach unzähligen Stellungnahmen und noch mehr Diskussionen wird der neue Flächennutzungsplan beschlossen.

Juni 2012
Das Esslinger Landratsamt genehmigt die Änderung des Flächennutzungsplans, womit das Bebauungsplanverfahren seinen Lauf nehmen kann.

Februar 2016
Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan wird gefasst. Gedauert hat dieser Prozess deshalb so lange, weil Wernau mittels anderer Beschlussfassungen nachweisen musste, dass die Innenentwicklung ebenfalls vorangetrieben wird.

Juni 2016
Der Beschluss, zum städtebaulichen Wettbewerb wird gefasst.

Januar 2017
Die Weiterbearbeitung des städtebaulichen Wettbewerbs erfolgt. Im April findet ein Bürgercafé statt. Ende des Jahres beginnt die Firma Geoteck mit den Grundstücksverhandlungen. Ein Wertgutachten und ein alternatives Wertgutachten werden erstellt. 43 Entwürfe gehen für das folgende Konzeptvergabeverfahren ein.

November 2019
Der Vorentwurf des Bebauungsplans wird „aufgestellt“ und nach den Anregungen der Träger öffentlicher Belange im Laufe der Zeit weiter verfeinert. Zudem gibt es einen Architektenwettbewerb.

Dezember 21
Der endgültige Baubeschluss fällt und wird am 1. Februar 2022 rechtskräftig.