Die Schwimmbecken und der Wasserpilz werden voraussichtlich noch einige Jahre stehen bleiben. Foto: Patricia Sigerist

Die Siegerentwürfe und Modelle des städtebaulichen Wettbewerbs sind bis Ende Februar im Fellbacher Rathaus zu sehen. Gut 600 Menschen werden auf dem Areal ein Quartier finden.

Fellbach - Es ist eines der größten, zugleich wegen des Eingriffs in den Baumbestand umstrittensten Projekte. Und es ist das Kernstück der Wohnbauoffensive 2020: Am Donnerstag stellte die Rathausspitze die Erstplatzierten des städtebaulichen Wettbewerbs zum 4,2 Hektar, also knapp sechs Fußballfelder großen Freibadareal, vor. „Ich bin froh, dass es vorwärtsgeht“, erklärte OB Gabriele Zull im Rathausfoyer. Die elf Teilnehmer, allesamt „sehr renommierte Architektur- und Stadtplanungsbüros“, hatten ein „gutes Vorschlagsportfolio“ eingereicht, so Baubürgermeisterin Beatrice Soltys.

Auch Oberbürgermeisterin Gabriele Zull (2. v. li.) begutachtet die Architekturmodelle. Foto: Patricia Sigerist
„Der Park, wie es ihn jetzt gibt, kann natürlich nicht bleiben“, erläuterte die OB. Dennoch soll es „ein grünes Quartier“ werden – denn mit Blick auf die Wohnbebauung „wollen wir nicht alles rausholen, was geht“. Oberirdischer Verkehr soll großteils ausgeschlossen sein – abgesehen von Feuerwehrzufahrten oder der Anlieferung von Möbeln etwa beim Einzug. Die Anwohner selbst parken grundsätzlich in der Tiefgarage. Der Stellplatzschlüssel liegt bei 1,0 – also ein Parkplatz pro Wohnung. Über weitere Bushaltestellen – neben jener an der Alten Kelter – wird ebenso wie über Car-Sharing-Modelle nachgedacht.

Zwischen 250 und 300 Wohneinheiten werden entstehen. Daraus ergibt sich – die vom Statistischen Landesamt ermittelte Belegungsdichte zugrunde gelegt – dass dort eines Tages stark 600 Menschen wohnen werden. Die Durchschnittsgröße liegt bei 90 Quadratmetern – bei einer Bandbreite zwischen 45 und 130 Quadratmetern.

Die Jury unter Vorsitz des Karlsruher Stadtplaners Markus Neppl setzte auf den Spitzenplatz in dieser ersten Runde das Büro Hähnig Gemmecke Freie Architekten aus Tübingen mit dem Freien Landschaftarchitekten Stefan Fromm aus Dettenhausen. Auffällig ist die große Freifläche an dem Zwickel Untertürkheimer-/Esslinger Straße – von der Jury als „Ausweisung des Freibadwäldchens als öffentlicher Park“ skizziert. Allerdings gibt’s Zweifel wegen des zu erwartenden Lärmpegels durch die Straßen sowie den Kappelbergtunnel. Gelobt werden ansonsten die „gut proportionierten Blöcke“. Die unterschiedlichen Bautypen – in der „Bandbreite von Wohnclustern bis Gartenhäuser“ bieten „ein leichtes Spiel mit den Höhen“ sowie „changierende Erschließungsstrukturen“, dies ergibt „ein Bild von ansprechender Vielfalt und richtig gesetzter Privatheit“. Allerdings werde durch den „großzügigen Quartierplatz“ in der Mitte des Areals „vielleicht ein Zuviel an städtischer Urbanität für diesen Ort inszeniert“. Ein besonderes Lob für diesen Entwurf: „Geschickt werden große Teile des Baumbestandes integriert.“

Das Herzstück des Quartiers bildet die Grüne Mitte

Den zweiten Rang nimmt das Düsseldorfer Architekten-/Stadtplaner-Büro Thomas Schüler ein, unterstützt von Faktorgruen Landschaftsarchitekten Freiburg. Hervorstechend ist die Bebauung bis an die Kreuzung Esslinger-/Untertürkheimer Straße. Eine „städtebauliche Kante in Richtung Luginsland“, nennt Soltys dies. „Der Quartierseingang wird mit einem sechsgeschossigen Gebäude angemessen akzentuiert“, so die Beurteilung der Jury. Herzstück des neuen Quartiers bildet die Grüne Mitte. Ein Negativfaktor dieses Modells nach Ansicht der Gutachter: „Leider wird nur ein geringer Baumbestand erhalten.“

Die beiden Büros werden nun ihre Entwürfe überarbeiten, ehe am 9. April die endgültige Entscheidung fällt. Anschließend folgt „Kärrnerarbeit“ (Soltys): Es geht um die genaue Parzellierung, die Wohn­typen, die Vermarktung, den Artenschutz. Das Bebauungsplanverfahren erwartet sie für 2021/22. „Wann die Bagger wirklich anrücken“, dazu wagt die Dezernentin keine exakte Prognose. Ein Einzug der neuen ­Bewohner auf dem alten Freibadgelände „bis 2025“ sei aber durchaus zu erwarten.

Das bedeutet: Die dortigen Container stehen noch eine ganze Weile zur Flüchtlingsunterbringung zur Verfügung, der Sprungturm, der einst erfrischende Wasserpilz und die brüchigen Startblöcke werden ebenso nicht so schnell verschwinden.

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