Im Sommer tummeln sich die Schweine von Bauer Rau in Hattenhofen auf der grünen Wiese. Foto: privat

Woher stammen Schnitzel und Leberwurst? Diese Frage treibt immer mehr Verbraucher um. Direktvermarkter im Kreis Göppingen stehen für Antworten parat.

Kreis Göppingen - Der Landesbauernverband hat unlängst ein großes Einkommensgefälle bei den Landwirten in Baden-Württemberg festgestellt. Nicht nur die Milchviehbetriebe leiden demnach unter dem Preisverfall, häufig deckten auch in anderen Bereichen die Erlöse nicht einmal mehr die Produktionskosten, klagen die Bauern. Kein Wunder, dass sich immer mehr Landwirte von besonders schwächelnden Sparten wie dem Ackerbau abwenden und sich mehr Ertrag versprechenden Wirtschaftsbereichen zuwenden, wie beispielsweise der Tiermast samt Direktvermarktung.

Woher stammen Schnitzel und Leberwurst?

Auch im Kreis Göppingen gibt es Beispiele für diesen Trend, der die Nachfrage nach regional erzeugten Fleischerzeugnissen bedienen will – zumal sich immer mehr Verbraucher für die Herkunft von Schnitzel und Leberwurst interessieren.

„Bei uns können die Schweine noch richtig Schwein sein, sie dürfen im Boden nach Wurzeln und Käfern bohren und sich ihre Suhlen bauen“, beschreibt Rainer Rau den Alltag seiner Herde. Der Landwirt aus Hattenhofen stand vor 13 Jahren vor der Frage, wie er nach dem Tod des Vaters die elterliche Bullenmast zukunftsfähig machen sollte. Wegen der innerörtlich beengten Lage konnte er den Stall nicht vergrößern. Rau entschied sich für einen unkonventionellen Weg und sattelte auf Schweinemast um. Weil er seine Tiere möglichst naturnah aufziehen wollte, entschied er sich für die Weidehaltung. Dazu kauft er jeweils im Frühjahr Ferkel ein, die nach einer vierwöchigen Anpassungszeit im Stall schließlich von Mai an auf die Weide kommen.

Antibiotikagaben sind für den Bauern kein Thema

Was ganz klein mit lediglich zwölf Tieren begann, habe sich inzwischen zu einem veritablen Nebenerwerbsbetrieb gemausert, erklärt der Bauer. Er erlebe viel Zuspruch für diese Haltungsform von den Kunden, die Fleisch und Dosenwurst ab Hof, über den Online-Shop oder an einem der im Kreis aufgestellten Automaten kauften. Gut käme es auch an, dass die Tiere auf der Weide ohne vorsorgliche Medikamentengaben groß würden. „Ich muss ihnen nichts geben“, beteuert der Landwirt, denn er erhalte die Schweine bereits geimpft und entwurmt vom Ferkelerzeuger. Antibiotikagaben seien für ihn kein Thema.

„Wir haben ein echtes Alleinstellungsmerkmal“, sagt Rau , denn Schweine, die im Freien grasten, gäbe es ja kaum noch irgendwo zu sehen. Spaziergänger und Radler, die an der Schweineweide vorbeikämen, würden gerne verweilen, um die Tiere zu beobachten.

„Hol dir dein Rind“ lockt der Onlineshop

Neue Wege sind auch die Nebenerwerbslandwirte Thomas Walter und Celina Wregar aus Albershausen gegangen, die ihr Fleisch seit diesem Herbst unter dem Label „Hol dir dein Rind“ auf dem Hof der Walters und per Onlineshop vermarkten. „Eigentlich ist daran der geringe Milchpreis schuld“, beschreibt Wregar den Spartenwechsel. Gemeinsam mit ihrem Partner zieht sie Angusrinder, deutsches Fleckvieh, blaue Belgier und die in Frankreich beliebten Limousinrinder in einem Laufstall auf. Das junge Paar hat zwar zu wenig Flächen, um die Tiere auf die Weide zu stellen, aber immerhin reiche ihr Grund und Boden, um das Futter für die Rinder selber zu erzeugen. „Lieber regional klein und fein“, laute ihre Devise.

Im Kreis produzierte Lebensmittel verkürzen Transportwege

Regionale Produkte aller Art stünden für Qualität und Glaubwürdigkeit, so wirbt der Göppinger Landrat Edgar Wolff für die hiesigen Direktvermarkter in der Broschüre in des Landkreises. Und wer bei den rund 50 Anbietern ab Hof, in Hofläden oder auf Wochenmärkten im Kreis einkaufe, könne sich mit frischen Lebensmittelen versorgen, die direkt vor Ort produziert werden und ohne große Transportwege in den Handel gelangten.

Der gezielte Fleischeinkauf kann unter Umständen sogar dazu beitragen, das Landschaftsbild im Kreis zu schützen. Das gilt ganz besonders für den Verzehr von Lammfleisch, weil damit die Schäfereien unterstützt werden. Deren Tiere, die sich als vierbeinige Landschaftspfleger bewährt haben, halten zum Beispiel im Oberen Filstal die europaweit einzigartigen und geschützten Wacholderheiden frei von der Verbuschung. Lammfleisch ist zu haben beispielsweise bei der Schäferei Hertler in Deggingen, der Schäferei Herb in Bad Überkingen-Hausen, bei Wilfried Jezierny in Aichelberg und natürlich auf dem Waldeckhof, den die Staufen Arbeits- und Beschäftigungsförderungsgesellschaft in Göppingen-Jebenhausen betreibt. Und in Gruibingen wartet die Weidegemeinschaft Goißatäle mit Fleisch von Lamm-, Ziege und Heidschnucke auf.

Es gibt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – weitere Spezialitäten bei den Fleischprodukten – unter anderem Wurst und Fleisch von Straußen beim Lindenhof der Familie Bosch in Böhmenkirch, Wild aus dem eigenen Gehege bei der Landmetzgerei Peter Hummel in Donzdorf-Grünbach sowie Dammhirschfleisch von der Wildmanufaktur Gosbach. Außerdem bieten Jäger Wildbret an.

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