Die „Grünen Höfe“ haben den Stadtteil Pliensauvorstadt verändert. Aber noch gibt es ein paar unhübsche Stellen. Sie sollen bald der Vergangenheit angehören.
Eines der größten Bau- und Stadtteilprojekte in Esslingen steht vor der Fertigstellung. Die Stadträte machten den Weg frei für letzte Straßenbauarbeiten in den „Grünen Höfen“ entlang der Stuttgarter Straße und in Seitenstraßen der Pliensauvorstadt. Dazu gehört unter anderem der Bau von Parkplätzen, Gehwegen und Baumbeeten. Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein.
Die Geschichte der Grünen Höfe
Mit dem Projekt „Grüne Höfe“ wurde bereits 2008 begonnen. Insgesamt wurden hier rund 250 Wohnungen gebaut und etwa 70 Millionen Euro investiert. Interessant an dem Projekt ist das Baugruppenmodell, wie es auch in Tübingen schon praktiziert wurde. Und das funktionierte so: Mehrere Eigentümer bildeten eine Baugruppe, die ein Mehrfamilienhaus plante und baute. Zwischen den Häusern liegen großzügige und stark begrünte Innenhöfe mit Spielplätzen. Wenn der Gruppe noch ein Eigentümer fehlte, sprang die Esslinger Wohnungsbau (EWB) als Platzhalter ein, bis sich ein Käufer für die Wohnung fand. Die EWB gehört jeweils zu fünfzig Prozent der Stadt und der Esslinger Wirtschaft. Das Projekt entwickelte sich schnell zum Selbstläufer – die EWB musste immer seltener einspringen. Irgendwann wurden die Grünen Höfe interessant für Kapitalanleger. Damit es nicht zu einem reinen Investitionsmodell mutiert, mussten sich die Bauherren verpflichten, die Wohnungen wenigstens zwei Jahre lang selbst zu nutzen.
Eigentlich sollte bereits im Februar der Weg frei gemacht werden für die letzten Bauabschnitte. Aber weil noch über die Trasse des Radschnellwegs diskutiert wird und auch ein Verlauf über die Stuttgarter Straße angedacht ist, wollten einige Fraktionen dem nicht vorgreifen und hatten das Thema Erschließung vertagt. Da der Radschnellweg jetzt aber wohl noch eine Weile dauern wird, entschieden sich Stadträte dann doch für die von der Verwaltung ursprünglich geplante Erschließung und nicht für ein zwischenzeitlich ausgearbeitetes Provisorium. Dieses sah nur einen improvisierten Radstreifen sowie einen Parkstreifen zwischen Gehweg und Radweg vor. Jetzt ist ein normal ausgebauter Gehweg mit anschließendem Radweg und Autostellplätzen an der Straße geplant.
Breite Zustimmung unter Stadträten
„Ideal ist das natürlich nicht, aber auf den Radschnellweg können wir nicht warten“, fasste der Stadtrat und CDU-Fraktionschef Tim Hauser die Entscheidung zusammen, die am Ende in allen Fraktionen große Zustimmung fand. Der Stadtrat Jürgen Menzel (Grüne) begründete seine Zustimmung damit, dass ein Umbau, sollte der geplante Radschnellweg nach Stuttgart durch die Stuttgarter Straße führen, mit nicht allzu großem Aufwand möglich sei.
Die „Grünen Höfe“ stehen sinnbildlich für die Pliensauvorstadt, die in den vergangenen Jahrzehnten einen tief greifenden Wandel durchmachte und damit beispielhaft für Stadtteile in Deutschland steht, die durch gezielte Baumaßnahmen aufgewertet werden – oft unterstützt durch das Bund-Länder-Förderprogramm „Die soziale Stadt“.
Im Rahmen dieses Förderprogramms wurde der Pliensauvorstadt Anfang der 2000er Jahre noch bescheinigt, sie sei ein Stadtteil, der „durch eine hohe Zahl an Einwohnern mit ausländischer Staatszugehörigkeit, Sozialhilfeempfängern und durch einen hohen Prozentsatz an Arbeitslosen“ geprägt sei. Inzwischen wird der innenstadtnahe Stadtteil auf der südlichen Neckarseite gar als „place to be“ bezeichnet, so Rathauschef Matthias Klopfer im vergangenen Jahr bei einem Richtfest im neuen Quartier.