Gibt es eine Zukunft für die Hochschulgebäude auf der Flandernhöhe? Foto: Horst Rudel

Wenn auf der Esslinger Flandernhöhe ein neues Stadtquartier entsteht, könnten einige Hochschulgebäude erhalten bleiben. Noch sind aber viele Fragen offen.

Esslingen - Im Volksmund wird das zentrale Esslinger Hochschulgebäude am Standort Flandernhöhe wegen seines markanten Aussehens nur „Akropolis“ genannt. Ihm droht, anders als dem Namensgeber aus Athen, aber nicht etwa nur der Verfall, sondern sogar der Abriss. Denn voraussichtlich im Jahr 2024 wird der neue Hochschulstandort in der neuen Weststadt eröffnet. Dann soll auf dem 6,5 Hektar großen Areal auf der Flandernhöhe ein neues Stadtquartier entstehen.

Allerdings – es gibt durchaus noch Hoffnung für die „Akropolis“ und andere auf der Flandernhöhe noch existierende Hochschulgebäude. „Schuld“ daran ist unter anderem auch die im Jahr 2027 geplante Internationale Bauausstellung in der Region Stuttgart, an der sich mancher Verantwortliche in Esslingen zu gerne mit einem Vorzeigeprojekt beteiligen würde.

Geplant ist eine „urbane Transformation“

An dieser Stelle kommt die Flandernhöhe und damit die „Akropolis“ ins Spiel. Denn zu den weltweiten Architekturtrends gehört es derzeit, bei neuen Quartierprojekten zu schauen, ob man nicht auch Teile aus dem Bestand sinnstiftend in die neue Konzeption einbauen kann. „Urbane Transformation“ ist dafür das Zauberwort, das der „Akropolis“ eine neue, strahlende Zukunft bescheren könnte.

Noch ist es allerdings viel zu früh, um sagen zu können, ob das Projekt eine Chance hat. Bis jetzt gibt es immerhin eine Voruntersuchung des Büros Steidle und einen Gemeinderatsbeschluss, der grünes Licht für die weitere Untersuchung eines solchen urbanen Transformationsprozesses gibt. Die Voruntersuchung hat ergeben, dass es zumindest grundsätzlich die Möglichkeit gibt, weite Teile des existierenden Hochschulgebäudes als Wohn-, Arbeits- und Freizeitbereiche zu nutzen. In dem Gutachten heißt es, dass zusammen mit den Neubauten ein „spannungsvolles und hochwertiges“ Quartier entstehen könne. Lediglich die Parkgarage müsse zwangsläufig weichen, weil sie heutigen Standards nicht mehr entspreche. Zudem brauche man diese Fläche dringend für Neubauten, um das Projekt für einen potenziellen Investor interessant zu machen.

Der Preis könnte zum Stolperstein werden

Denn zu einem Stolperstein könnte der Preis für das Gelände werden. 23 Millionen Euro überweist die Stadt Esslingen an das Land Baden-Württemberg, dem das Hochschulgelände bisher gehört hat. Diese Summe, so fordert der Gemeinderat, müsse in jedem Fall bei der Weiterveräußerung an einen Investor herausspringen. Zu erzielen sein wird dieser Preis aber nur, wenn auf der Flandernhöhe eine vergleichsweise dichte Bebauung ermöglicht wird.

Wichtig ist den Stadtparlamentariern auch, dass bei den weiteren Planungen nicht der IBA-Gedanke im Vordergrund steht: „Esslingen first“, so haben es manche Stadträte in Abwandlung des berühmten Donald-Trump-Zitats auf den Punkt gebracht: Im neuen Quartier müsse ausreichend Wohnraum auch für solche Esslinger Bürger geschaffen werden, die sich selbst durchschnittliche Mieten nicht mehr leisten könnten.

Dennoch sieht eine breite Mehrheit durchaus die Chance, alle Vorstellungen unter einen Hut bringen zu können, und hat das von der Stadt vorgeschlagene, eher ungewöhnliche weitere Vorgehen beschlossen. In einem „wettbewerblichen Dialogverfahren“ soll ein Investor gefunden werden, der die Flandernhöhe erwirbt und sie dann in enger Kooperation mit der Stadt nach deren Vorstellung bebaut. Gerade bei einem solch ambitionierten Projekt wie einer urbanen Transformation sei es wichtig, so betonte der Chef des Stadtplanungsamts, Wolfgang Ratzer, dass man nicht erst am Ende des Wettbewerbsverfahrens fertige Lösungen präsentiert bekomme, sondern dass die Fachleute, aber auch Vertreter des Gemeinderats in ständigem Dialog mit den potenziellen Investoren ständen. Nur so könne letztlich eine optimale Lösung gefunden werden.

Vollkommen offen ist aktuell dabei noch, ob am Ende die „Akropolis“ tatsächlich erhalten bleibt. Denkbar ist auch, dass sich im Lauf der Untersuchungen herausstellt, dass sich die anfänglichen Ideen nicht verwirklichen lassen. Dann müssten die „Akropolis“ und die anderen Hochschulgebäude möglicherweise doch noch weichen – um Platz zu machen für den in Esslingen so dringend benötigten Wohnraum. Bis Ende 2020 soll feststehen, in welche Richtung die Reise geht.

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