Die Verbraucher sind in Kauflaune. (Symbolbild) Foto: dpa

Kauflust und Bauboom haben der deutschen Wirtschaft im ersten Quartal auf die Sprünge geholfen. Doch im zweiten Quartal droht nach Einschätzung von Ökonomen schon wieder ein Rückschlag.

Wiesbaden - Der Bauboom und die Kauflust der Verbraucher haben der deutschen Wirtschaft zum Jahresanfang auf die Sprünge geholfen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im ersten Quartal 2019 gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Die Wiesbadener Behörde bestätigte damit erste Daten. Im zweiten Quartal droht nach Einschätzung von Ökonomen jedoch schon wieder ein Rückschlag.

Impulse kamen zum Jahresanfang vor allem aus dem Inland. Die Verbraucher sind dank der historisch guten Lage auf dem Arbeitsmarkt und gestiegener Einkommen in Kauflaune. Die Konsumausgaben stiegen um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Ein ähnlich starkes Plus habe es zuletzt im Jahr 2011 gegeben, erklärte die Behörde. Die Bau-Investitionen legten um 1,9 Prozent zu, die Branche profitierte dabei auch von dem vergleichsweise milden Winter.

Trendwende?

Zum Wachstum trugen auch gestiegene Investitionen der Unternehmen in Maschinen und andere Ausrüstungen bei. Vom Außenhandel kamen den Angaben zufolge nur geringe Impulse. Internationale Handelskonflikte belasten die exportorientierte deutsche Wirtschaft. Die Konsumausgaben des Staates, zu denen unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter der Mitarbeiter zählen, waren rückläufig.

„So erfreulich die Rückkehr des Wachstums zu Jahresbeginn auch ist, eine überzeugende Trendwende zum Besseren markiert sie nicht“, argumentierte KfW-Experte Klaus Borger. Im zweiten Quartal sei ein Rückschlag zu erwarten, hierfür sprächen vor allem gesunkene Aufträge in der Industrie. Zudem dürfte es bei den Bauinvestitionen nach dem Extraschub zum Jahresanfang eine Delle geben.

Dämpfer im zweiten Quartal

Nach Einschätzung von Carsten Brzeski, ING-Chefvolkswirt Deutschland, sorgt vor allem der Handelskonflikt zwischen den USA und China für Gegenwind. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt sind die wichtigsten Einzelmärkte für „Made in Germany“. Zudem könnten höhere Ölpreise die starke Binnennachfrage belasten, argumentierte Brzeski.

Auch die Deutsche Bundesbank rechnet mit einem Dämpfer im zweiten Quartal. Die Wirtschaftsleistung dürfte das im Winter erreichte Niveau, „das durch verschiedene Sondereffekte begünstigt worden war, wohl kaum überschreiten“, heißt es im aktuellen Monatsbericht der Notenbank.

Bereits im zweiten Halbjahr 2018 hatte Europas größte Volkswirtschaft belastet von internationalen Handelskonflikten und Problemen der Autoindustrie bei der Umstellung auf den Verbrauchs- und Abgasmessstandard WLTP einen Schwächeanfall erlitten. Zum Jahresende stagnierte die Wirtschaftsentwicklung, im dritten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt sogar geschrumpft.

Binnen Jahresfrist wuchs die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal um 0,6 Prozent. Für das Gesamtjahr rechnete die Bundesregierung zuletzt mit einem Plus von 0,5 Prozent. Im vergangenen Jahr war das Bruttoinlandsprodukt insgesamt um 1,4 Prozent gestiegen.

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