Immer mehr alte Menschen benötigen einen Platz im Pflegeheim. Foto: dpa-Zentralbild

Die Einweihung eines neuen Seniorenzentrums in Albershausen bleibt bei weitem nicht die letzte.

Kreis Göppingen - Eigentlich versucht der Gesetzgeber, die ambulante Pflege zu stärken, damit möglichst wenig Menschen ihren Lebensabend in einem teuren Pflegeheim verbringen müssen. Doch trotz vieler Gesetzesänderungen und zahlreicher Hilfen für pflegende Angehörige steigt der Bedarf an stationärer Pflege. Das ist in Göppingen nicht anders, als im übrigen Land, wo der Bedarf nach einer Prognose des Statistischen Landesamts bis 2030 um 47 Prozent zunehmen wird. Und so wird die Eröffnung des neuen Seniorenzentrums im Wiesengrund in Albershausen am Donnerstag bei weitem nicht die letzte sein, bei der der Kreissozialamtsleiter Rudolf Dangelmayr die besten Wünsche der Kreisverwaltung überbracht hat. Im Gegenteil, der Bau von Pflegeheimen im Kreis boomt, und das wird sich so schnell nicht ändern.

Der Grund für den steigenden Bedarf an Pflegeplätzen ist in erster Linie die demografische Entwicklung, die dazu führt, dass immer mehr alte, pflegebedürftige Menschen im Kreis leben. Zum anderen gibt es immer weniger Familien, die eine ambulante Versorgung ihrer Angehörigen zuhause bewerkstelligen können – aus beruflichen Gründen oder weil die Familienmitglieder nicht im selben Ort leben zum Beispiel. Außerdem gibt es immer mehr alte Menschen, die ohnehin keine Kinder haben, die die Pflege übernehmen könnten.

Nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Und so ist das neue Seniorenzentrum in Albershausen mit 50 Pflegeplätzen und elf Seniorenwohnungen nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Es ist die dritte Einrichtung der Evangelischen Heimstiftung im Kreis, die auch das Blumhardthaus in Uhingen und das Michael-Hörauf-Stift in Boll betreibt und „einen hervorragenden Ruf besitzt“, wie Dangelmayr berichtete. Das Seniorenzentrum ergänze die ambulanten Angebote im Raum Uhingen optimal.

So erfreut man im Landratsamt über die neue Einrichtung ist, ein Blick auf die Bedarfsprognose der Kreisverwaltung zeigt, dass in den kommenden Jahren noch wesentlich mehr Pflegeheime im Kreis gebaut werden müssen. „Wir sind derzeit dabei unseren neuen Seniorenplan zu erstellen. Die mittlerweile abgeschlossene Bedarfsanalyse hat ergeben, dass wir im Kreis bis zum Jahr 2030 zusätzlich zu den jetzt vorhandenen und bereits geplanten Plätzen weitere 686 Langzeitpflegeplätze benötigen“, berichtete Dangelmayr. Bei einer Durchschnittsgröße von 50 Pflegeplätzen wären das also fast 14 neue Heime.

Kleinere Kommunen rücken in den Blick der Betreiber

Schon jetzt entstehen im ganzen Kreis neue Pflegeheime oder werden geplant. Derzeit gibt es 33 Heime mit 2224 Pflegeplätzen in 21 der 38 Kommunen. Das größte Angebot gibt es in Göppingen, gefolgt von Geislingen, wo gleich mehrere neue Seniorenzentren gebaut werden, und Eislingen. So manche kleinere Kommune hingegen wünscht sich bisher vergeblich ein Pflegeheim im Ort.

Doch langsam rücken auch die kleinen Kommunen in den Blick der Betreiber. So will die gemeinnützige Vinzenz von Paul Gesellschaft je ein neues Heim mit 30 Pflegeplätzen und fünf bis sieben Seniorenwohnungen in Börtlingen und in Wangen bauen. Das Heim in Wangen soll Ende 2019 eröffnen, das in Börtlingen Ende 2020.

Der Bürgermeister Franz Wenka verspricht sich davon mehr als eine Möglichkeit für seine Bürger, auch im hohen Alter in ihrem Heimatort zu leben. Wenka hofft, dass die Einrichtung auch hilft, die Infrastruktur mit Geschäften und Ärzten in der 1700-Einwohner-Gemeinde zu sichern. Zuvor, so Wenka, habe die Kommune mehrere Jahre lang versucht, einen Träger für ein Seniorenzentrum zu finden. Die Antwort sei stets gewesen, der Standort sei zu klein. Man solle sich erneut melden, wenn der Ort wenigstens 5000 Einwohner habe.

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