Die Erschließung des früheren Krankenhausgrundstücks als zukünftiges Wohnquartier hat am Montag begonnen. Foto: Gottfried Stoppel

Die Kreisbaugesellschaft startet mit Firmen und Kommunen ein Programm, um der Wohnungsnot mit bezahlbaren Mieten entgegenzuwirken. Auf dem Krankenhausgelände haben am Montag Arbeiten für ein solches Projekt begonnen.

Waiblingen - Das Ziel ist gesteckt: in den nächsten zehn Jahren will die Kreisbaugesellschaft im Rems-Murr-Kreis 500 erschwingliche Mietwohnungen errichten. Soll will die Tochterfirma des Kreises – der Rems-Murr-Kreis hält 92 Prozent der Gesellschaftsanteile – dem grassierenden Mangel an bezahlbarem Wohnraum entgegenwirken. „Zurzeit liegt der Bedarf bei rund 5000 Wohnungen im Kreis“, sagte der Landrat Richard Sigel während der Jahrespressekonferenz der Kreisbaugruppe am Montag. Die Wohnbau-Offensive war dabei das zentrale Thema.

Bedarf an 5000 bezahlbaren Wohnungen

Der Termin fand nicht zufällig im neuen Grundbuchamt in Waiblingen statt, hat dieses doch eine Bleibe in dem von Grund auf erneuerten ehemaligen Schwesternwohnheim des ehemaligen Kreiskrankenhauses gefunden. Auf dem benachbarten ehemaligen Klinikareal fand am Montagnachmittag der offizielle Baubeginn eines Projektes statt, das zum Wohnbauprogramm des Kreises zählt. „Dort bauen wir Eigentums- und Mietwohnungen“, sagte Dirk Braune, der Kreisbau-Geschäftsführer. 44 Mietwohnungen werden finanziell gefördert und preisreduziert sein. Außerdem werden 37 Eigentumswohnungen errichtet.

Zwar unterstützt der Landkreis die Kreisbaugesellschaft in der Wohnbau-Offensive mit zehn Millionen Euro, diese muss aber auch kräftig Eigenmittel investieren. Diese erwirtschaftet das Unternehmen durch verschiedene Geschäftszweige, unter anderem durch Immobilienverwaltungen. Die 1949 gegründete Kreisbau ist in jüngster Zeit stark gewachsen, allein die Zahl der Mitarbeiter der Kernmannschaft ist in fünf Jahren von rund 70 auf 92 gestiegen. Der größte Teil des Personals falle in den Bereich der Immobilienverwaltungen, zu dem eigene Gebäude, aber auch die Verwaltung von Wohnungseigentümergemeinschaften gehören.

Berufsanfänger brauchen günstige Wohnungen

Das vergangene Geschäftsjahr 2017 sei gut ausgefallen, sagte Dirk Braune, der sich des Wohlwollens des Aufsichtsratsvorsitzenden, des Landrats Richard Sigel, durchaus sicher sein kann. „Ich bin sehr zufrieden mit der Kreisbau. Innerhalb der vergangenen zwei Jahre hat ein intensiver Strategieprozess stattgefunden, der wegen des enormen Wachstums notwendig war“, sagte dieser. Das sei nicht nur eine Folge der Flüchtlingskrise, so Braune: bereits zuvor hätten sich durch die sich verändernde Gesellschaft Probleme aufgetan, die lediglich in den Hintergrund getreten seien, aber nicht gelöst waren.

„Es ziehen weiterhin viele Menschen in die Region, die wirtschaftlich sehr attraktiv ist. Der Wohnraum wird immer knapper“, sagte Braune. Betroffen seien viele junge Menschen, die ihre berufliche Karriere bei einem der Unternehmen im Kreis starteten und vorerst auf günstige Wohnungen angewiesen seien. „Dabei geht es nicht um Sozialwohnungen, sondern um erschwingliche, attraktive Räume“, so Braune. Die Investition des Kreises in die Wohnbau-Offensive sei letztlich auch eine Investition in die Attraktivität des Rems-Murr-Kreises als Arbeitsplatz und als Wohnort.

Zu hohe Mieten für Menschen mit winzigen Renten

Durch die älter werdende Gesellschaft erwächst laut Braune ein weiteres Problem: „Wir haben mehr alleinstehende Menschen mit geringen Renten bis 900 Euro.“ Auch für diesen Personenkreis würden günstige Wohnungen benötigt.

Die Kreisbau sucht sich dafür Partner, nicht nur Firmen, sondern auch Kommunen – wie Winterbach, wo an der Remsstraße eine moderne Anlage mit preisgünstigen Wohnungen entsteht. In ihr werden die Menschen unterkommen, die bisher dort lebten, allerdings in alten, einfachsten Behausungen. Die Gemeinde überlässt dazu das Grundstück der Kreisbau, was eine günstige Finanzierung möglich macht.

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