Rund ums Rathaus in Steinheim (Kreis Ludwigsburg) ist eine Riesenbaustelle wegen Kanalarbeiten. In wenigen Wochen ist ein Abschnitt an der Reihe, der den Verkehr stark ausbremsen wird.
In Steinheim wächst die Ungeduld. „Warum dauert das so lange?“, fragt der eine oder andere genervt und meint damit die Großbaustelle rund ums Rathaus, wo seit Monaten das Wasser- und Kanalnetz modernisiert wird. Die Antwort darauf findet man, wenn man näher auf die örtlichen Gegebenheiten blickt. Ein solches Projekt sei in einer dicht besiedelten Altstadt mit engen Straßen wie in Steinheim einfach sehr komplex, gibt Michael Knöpfle zu bedenken. Und der Abteilungsleiter Tiefbau der Kommune verhehlt auch nicht, dass der verzwickteste Teil erst noch bevorsteht.
Gemeint ist der Abschnitt auf der Marktstraße zwischen der Badtorstraße und der Einmündung zur Lammgasse. „Es geht hier mit einem Starkregen- und einem Schmutzwasserkanal um die Ecke. Frischwasser- und Gasleitungen muss man auch noch mitnehmen. Dann ist der Anschluss an den bestehenden Schmutzwasserkanal in der Lammgasse herzustellen. Im Prinzip muss dafür bis auf den nördlichen Fußweg die ganze Breite der Marktstraße aufgegraben werden“, erklärt Knöpfle.
Mehrere Monate Sperrung für wenige Meter
Auf dem nur wenige Meter langen Teilstück werden die Bautrupps angesichts dieser diffizilen Aufgabe monatelang beschäftigt sein. Das hat Konsequenzen, die weit über Steinheim hinaus reichen. Denn in der Phase muss die Ortsdurchfahrt zwangsläufig gesperrt, der Verkehr umgeleitet werden. Mitte April sollen die Bagger an der neuralgischen Stelle in der Marktstraße angelangt sein. „Bis Ende August werden die Arbeiten voraussichtlich dauern“, verkündet Michael Knöpfle. Damit ist dann aber auch ein Knopf an dem Gesamtprojekt.
Der Startschuss war im Sommer 2025 gefallen. Ziel ist vor allem, die Innenstadt künftig besser vor Starkregen zu schützen. Das Zentrum ist für Überschwemmungen besonders anfällig, weil es in einer Art Kessel liegt. Deswegen werden 1,30 auf einen Meter große kubische Regensammler im Untergrund verlegt. Sie fassen deutlich mehr Wasser als die bisherigen kreisförmigen Rohre – brauchen wegen ihres Querschnitts dennoch nicht mehr Platz. Ausgetauscht werden überdies die Schmutzwasserkanäle und Frischwasserleitungen.
Die Baufirma hat sich in den vergangenen Wochen in der Badtorstraße von der Brühlstraße aus in Richtung Innenstadt vorgeschafft. Bis kurz vor dem Rathaus ist der Tiefbau mittlerweile abgeschlossen. Aktuell sind die Arbeiter damit beschäftigt, den Verwaltungssitz und das unter Denkmalschutz stehende Gebäude in der Badtorstraße 2 mit einem Bohrpfahlverbau zu sichern.
Rathaus wird mit Pfählen vom Abrutschen gesichert
Dabei handelt es sich um ein höchst aufwändiges Verfahren. Es würden links und rechts der Straße insgesamt 80 Löcher gebohrt, die man zunächst mit Eisenteilen und schließlich mit Beton verfülle, erklärt Michael Knöpfle. An sechs Stellen schaffe man über Stahlträger Querverbindungen zwischen den sechs Meter tiefen Pfählen. „So nimmt man die Last des Erddrucks auf und verhindert, dass bei den Grabungen die beiden Gebäude wegrutschen, die nicht unterkellert sind. Die Pfähle liegen so eng aneinander, dass eine Art Wand entsteht“, erklärt der Fachmann.
Wie lange die Stadt dann Ruhe hat in Sachen Kanalarbeiten rund ums Rathaus, lasse sich nur schwer prognostizieren, sagt der Bauingenieur. „Das hängt auch vom Klimawandel ab und wie sich Starkregenereignisse entwickeln“, erklärt er. Aber zumindest die neuen, ovalförmigen Abwasserkanäle aus glasfaserverstärktem Kunststoff seien rein materialtechnisch quasi für die Ewigkeit gebaut und wiesen ein „wesentlich besseres Abflussverhalten des Misch- und Schutzwassers“ auf. „Im Gegensatz zu den Kanälen aus Beton können hier keine Wurzeln durchbrechen. Das hält 100 Jahre“, sagt Knöpfle.