In diesem Gebäudekomplex soll sich etwas tun. Aber was, das bleibt ein Rätsel. Foto: / Anke Kumbier

Das ehemalige Szeneviertel liegt da wie in einem Dornröschenschlaf. Doch seit einiger Zeit gibt es Hinweise, dass sich zwischen Breiter und Enger Gasse etwas tun könnte. Was, bleibt allerdings unklar.

Beim Rundgang durchs Künstlerviertel in Böblingen fällt vor allem auf, was fehlt: das Leben. Dass hier, zwischen Breiter und Enger Gasse einst „das“ Ausgehviertel Böblingens war, ist nur schwer vorstellbar. Am Rand halten die beiden Kneipen „Da Alfredo“ und die „Kanne“ noch die Stellung. Doch das Kerngebiet liegt verlassen da. Erst jüngst brachte Ryan Nee sein Bedauern darüber zum Ausdruck. Er betreibt gegenüber des Viertels das Irish Pub, das dieses Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert, und wünscht sich, dass beispielsweise eine Bar als weiterer Frequenzbringer im fast verwaisten Areal einziehen möge.

 

Seit dem Frühjahr häufen sich Hinweise, dass sich bald etwas tun könnte. Ein Baucontainer tauchte am Eingang der Engen Gasse auf. Nee beobachtete, wie in dem blauen Haus, in dem früher das Orfeum war, gearbeitet wurde. Uschi Russell, die Wirtin der Kanne, ebenfalls. Gerüchte kursieren, dass dort ein Restaurant hineinkommen soll. Seit kurzem ist der Container allerdings wieder weg, von außen lässt nichts auf den baldigen Einzug eines Restaurants schließen.

Seniorenwohnungen Absage erteilt

Verlässliche Informationen zu bekommen gestaltet sich schwierig. Im Frühsommer deutete Eigentümerin Arlete Geiger auf Nachfrage an, Pläne für das Künstlerviertel zu haben, auf die sie aber noch nicht näher eingehen könne. Zuletzt war sie per Mail und Telefon nicht erreichbar. Es bleibt also unklar, was Container und Bauarbeiten zu bedeuten haben und was mit dem Künstlerviertel passiert, ob womöglich ein Teil oder der ganze Komplex verkauft, ein Pächter gefunden wurde oder ganz andere Ideen im Raum stehen.

Geiger erbte das Künstlerviertel 2014 von ihrem Mann Josef Geiger. Da war das Szeneviertel längst im Niedergang begriffen. Arlete Geiger versuchte offenbar zunächst das Viertel an einen Generalmieter aus der Gastronomie zu verpachten. Doch der sprang ab. Ein „Weiter so“ mit vielen Einzelpächtern sei aber wirtschaftlich nicht mehr tragbar, sagte sie 2021 unserer Zeitung. Stattdessen stellte sie Pläne vor, das Künstlerviertel abzureißen und ein fünfgeschossigen Haus mit betreuten Seniorenwohnungen zu bauen. Anfang 2022 erteilten Stadt und Gemeinderat dem Vorhaben eine Absage.

Wunsch nach Läden, Cafés und Ausgehmöglichkeiten

Die Stadt Böblingen sagt auf Nachfrage, dass ihr keine neuen Bauvoranfragen vorlägen, ebenso wenig Änderungsanträge zum damals eingereichten Entwurf. Gespräche führe sie auch nicht. Eine ähnliche Nutzung wie in der Vergangenheit könnte sich die Stadt durchaus vorstellen. „Einer Belebung stehen wir sehr positiv gegenüber“, teilt Sprecher Gianluca Biela mit. Viel tun kann die Stadt aber offenbar nicht. Sie müsste, so erklärt es Biela, erst tätig werden, sollte von den Gebäuden eine Gefahr ausgehen.

Mit ihrem Wunsch nach Belebung steht die Stadtverwaltung nicht alleine da. Tamara Atexinger hatte das Künstlerviertel zum Wahlkampfthema gemacht. Sie trat bei der Kommunalwahl für die SPD an, zog allerdings nicht in den Gemeinderat ein. Atexinger würde sich eine Mischung aus Cafés, Läden und Ausgehmöglichkeiten wünschen. Sie verstehe aber auch, dass es für die Eigentümerin nicht einfach sei, unter so großem öffentlichen Interesse zu agieren. Trotzdem: „Das Viertel bietet so viele Möglichkeiten, Leute in den Stadtkern zu locken“, glaubt sie. Und auch Nee findet: „Das ist so eine schöne Ecke. Es wäre schade, wenn sie verfällt.“