Vom Betriebsgebäude führt ein Weg in den Tunnel, über den auch Materialien in die Unterwelt befördert werden können. Foto: factum/Bach

Ende des Jahres 2018 geht es los: Dann wird der Engelbergtunnel erneut saniert und umgerüstet. Für die Autofahrer sollen immer sechs Spuren zur Verfügung stehen – drei in jede Richtung. Die Baukosten liegen bei 135Millionen Euro.

Strohgäu - Nein, die beiden Röhren des Engelbergtunnels werden während der auf fünf Jahre angelegten Sanierung nicht gesperrt oder wechselweise geschlossen. Immer sollen den Autofahrern drei Fahrspuren je Tunnelröhre zur Verfügung stehen. Das haben die Projektverantwortlichen des Regierungspräsidiums Stuttgart am Dienstag bestätigt.

Sperrung einer Röhre: „Das können wir Leonberg, Ditzingen und Gerlingen nicht antun“

Ursprünglich war vorgesehen, dass jeweils für die Dauer der Arbeiten eine Röhre komplett gesperrt wird, während der Verkehr von rund 110 000 Autos am Tag in beide Richtungen durch den anderen Tunnel läuft. „Das können wir Leonberg, Ditzingen und Gerlingen nicht antun“, begründete Reinhold Frenzl nun das Umdenken. Er ist beim Regierungspräsidium zuständiger Referatsleiter für Großprojekte. Und ein solches ist die Sanierung und Umrüstung des Engelbergtunnels.

Die Baukosten an den beiden Tunnelröhren betragen allein 110 Millionen Euro. Hinzu kommen noch umfangreiche Vorbereitungen, die mit weiteren 25 Millionen Euro zu Buche schlagen. Das Geld dafür bringt das Bundesverkehrsministerium auf. „Wir haben früh den Dialog aufgenommen, denn eine Insellösung macht keinen Sinn“, sagte Leonbergs Oberbürgermeister Bernhard Schuler. „Alle haben an dem Staumanagement mitgearbeitet, denn betroffen werden wir alle sein“, waren sich auch die Bürgermeister Ulrich Bahmer aus Ditzingen und Georg Brenner aus Gerlingen sicher. Sie alle waren gekommen, um sich das neue Betriebsgebäude beim Nordausgang der Tunnelröhren anzusehen. „Wir freuen uns, dass das Gebäude sich optisch in die Bebauung einfügt“, meinte Brenner. Die benachbarten Be- und Entlüftungsschächte des Engelbergtunnels stehen auf Gerlinger Gemarkung.

Dieses neue Betriebsgebäude ist der Auftakt für die anstehenden Arbeiten an den Röhren. Über einen 20 Meter tiefen Schacht ist es erst möglich, Personal, Geräte und alles Material, was für die aufwendigen Arbeiten benötigt wird, sicher in die Tiefe zu bringen. Deshalb sind zu einem Treppenhaus ein Lastenkran und ein Lastenaufzug dazugekommen. „Dieses Gebäude, das etwa 1,5 Millionen Euro gekostet hat, verkürzt deutlich die Bauzeit und erhöht erheblich die Sicherheit der Arbeiter“, erläuterte der Gesamtprojektleiter für den Engelbergbasistunnel, Enrico Hinz.

Erst vor 20 Jahren ist der Tunnel in Betrieb gegangen und braucht schon Sanierung

Weshalb muss der Tunnel, 20 Jahre nachdem er in Betrieb gegangen ist, saniert werden? Etwa 600 Meter vom Nordeingang her verlaufen die beiden Röhren durch ein Anhydritvorkommen im Berg. Das Mineral ist die Vorstufe zum Gips und hat die Eigenschaft, in Berührung mit Wasser sein Volumen um 60 Prozent zu vergrößern. Irgendwie ist Wasser eingedrungen, und nun drückt der Berg auf die Tunnelwände und verformt sie.

Diese wurden schon beim Bau verstärkt – normal ist die Röhrenwand ein Meter dick, im Anhydrit-Bereich misst sie hingegen drei Meter Beton. Doch die Fahrbahnen begannen sich zu wölben. Wie sieht die Lösung aus? „Bauliche Probleme haben wir eigentlich nur auf einem etwa 200 Meter langen Abschnitt in jeder Röhre“, fasst es Referatsleiter Frenzl zusammen. Hier soll die Dicke der Fahrbahn verdoppelt werden, in jede Röhre wird zusätzlich eine 40 Zentimeter dicke Verschalung eingebaut und eine Zwischendecke eingezogen werden, die auch Druck von außen entgegenwirkt.

Die Herausforderung ist, dass die Arbeiten bei laufendem Verkehr stattfinden. „Die Baustelle wird so eingehaust, dass die Autofahrer nur wenig mitbekommen und auch nicht abgelenkt werden. Das ist auch sicherer für die Arbeiter“, sagte der Bauleiter Enrico Hinz.

Doch bis die Röhren saniert werden, ist noch einiges zu tun. Im Tunnel wird auch die gesamte Betriebstechnik auf den neuesten Stand gebracht. Die Verkehrstechnik wird erneuert mit Leitsystemen , Verkehrsführung und einer Schranke, die im Notfall den Tunnel sperrt. Zudem werden Kabel verlegt. In den Be- und Entlüftungsschächten muss Sicherheitstechnik für die Bauarbeiter installiert werden.

Zudem werden die Löschwasserleitungen verlegt, denn sie wurden mehrmals bei Unfällen von Lastwagen beschädigt. Auch die Überwachungstechnik wird modernisiert. 150 anstatt 77 Kameras überwachen dann den Verkehr und sind in der Lage, Rauch, stehende Autos und Falschfahrer zu melden. In den Röhren wird die Zahl der Deckenventilatoren von jeweils sechs auf acht erhöht.

Der Tunnel soll im Jahr 2013 fertiggestellt sein

Derzeit wird die europaweite Ausschreibung der Arbeiten vorbereitet. Baubeginn ist voraussichtlich Ende 2018. Die ersten Eingriffe in den Verkehr sind für Anfang 2019 geplant. Bis zur Fertigstellung 2023 sollen immer drei Fahrspuren je Tunnel zur Verfügung stehen. Die Spur für Lastwagen wird 3,5 Meter breit sein, die beiden anderen immerhin noch drei Meter messen.

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