Die E-Zigarette hat ihre Tücken: Die AVL appelliert, Einweg-Exemplare auf dem Wertstoffhof abzugeben. Foto: dpa/Thalia Engel

Regelmäßig geraten Müllfahrzeuge im Kreis Ludwigsburg in Brand. Schuld sind auch falsch entsorgte E-Zigaretten und deren Lithium-Batterien.

Falsch entsorgte E-Zigaretten und ihre Batterien sind brandgefährlich. Jetzt schlägt die Abfallverwertungsgesellschaft AVL in Ludwigsburg Alarm. „Immer wieder gibt es Brände in Sammelfahrzeugen oder Sortieranlagen“, teilt die kreiseigene GmbH mit. Im Fokus stehen die Vapes, elektrische Einmalzigaretten, die Raucher einfach in den Restmüll oder in die gelbe Tonne steckten. Sogar Altpapierbehälter dienten als Wegwerfziele.

 

Indessen boomt der Markt für E-Zigaretten. In Deutschland werden wöchentlich fünf Millionen Einweg-Zigaretten geraucht, schätzt die Deutsche Umwelt-Hilfe. Der Verband kritisiert den unnötigen Verbrauch von Lithium-Batterien und unterstützt ein Verkaufsverbot von Einmal-E-Zigaretten. Dafür sprach sich der Bundesrat 2023 aus. Belgien ging voran und untersagte den Verkauf von 2025 an. Europaweit wird es wohl zum Jahr 2027 zum Verbot kommen. Das legen Beschlüsse zur EU-Batterieverordnung nahe.

Experte: Bei den Bränden entstehen fast immer giftige Gase

Höchste Zeit für eine stärkere Einschränkung ist es aus Sicht von Klaus Reibenspiess, der beim Ludwigsburger Müllentsorger Kurz den Fuhrpark betreut. „Die Fahrer können die Brände im Müllfahrzeug wegen des Fahrtwindes nicht immer gleich erkennen.“ Insbesondere wenn die Leerer wegen eines Ortswechsels im Wagen säßen, könne sich ein Feuer unbemerkt rasend schnell entwickeln – nicht zuletzt zum Schaden der Umgebung. „Es entstehen immer giftige Gase“, sagt Reibenspiess. Außer den Vapes lösten andere Elektrogeräte mit Lithium-Batterien Brände aus: Smartphones etwa oder Notebooks und Spielzeuge. Besonders gefährlich seien zudem Lappen mit brennbaren Lösungsmitteln, die oft im Restmüll landeten.

Die AVL stellt deshalb klar: Einweg-E-Zigaretten dürfen erst gar nicht im Siedlungsabfall vorkommen. „Sie sind auf den Wertstoffhöfen der AVL abzugeben.“ Gefragt sei aber auch der Handel: Wer Einweg-E-Zigaretten verkaufe, müsse sie zurücknehmen, auch wenn kein neues Gerät gekauft werde. Der Laden müsse aber groß genug sein, auf mindestens 400 Quadratmeter Elektrogeräte verkaufen oder ein Supermarkt mit mindestens 800 Quadratmeter und regelmäßigem Verkauf von Elektrogeräten sein.

Lyn Davies (links) und Matthias Schadt verkaufen E-Zigaretten. Foto: Oliver von Schaewen

Obwohl sie selbst fast nur noch Mehrweg-E-Zigaretten verkaufen, nehmen Lyn Davies und sein Geschäftspartner Matthias Schadt in ihrem Spezialladen „US Vape“ in Bietigheim-Bissingen auch Einweggeräte entgegen – und bezahlen die Entsorgung auf dem Wertstoffhof aus eigener Tasche. „Das ist uns 1000-mal lieber, als wenn etwas passiert: Noch vor zwei Jahren gab es viele illegale Einweggeräte – da war das Risiko besonders groß.“ Dabei sei etwa 70 Prozent der Leute, die eine ausgediente Einweg-E-Zigarette vorbeibringen, keine Kunden. Davies: „Ich kenne die Menschen oft nicht einmal.“

Eine Stammkundschaft haben sich Matthias Schadt und Lyn Davies in acht Jahren im Stadtteil dennoch aufbauen können. „Wir setzen auf Aufklärung und wollen den Leuten eine Weg zeigen, die Risiken des Nikotingenusses erheblich zu senken“, sagt Schadt. Dazu zähle auch, Mehrweggeräte auf der Basis von verdampfenden Flüssigkeiten zu empfehlen. Sie seien bei Kosten von 17 bis 35 Euro drei- bis viermal günstiger als Einwegzigaretten. Der Trend gehe eindeutig dahin. „Zu uns kommen in der Regel Menschen, die jahrzehntelang geraucht haben und davon wegwollen“, erklärt Schadt. An einer Wand im Geschäft hängen an einer Pinnwand Zettel mit der Aufschrift: „Ich hab’s geschafft.“ Allerdings gelten Vapes auch unter jungen Leuten als hip.

Im E-Zigaretten-Laden: Dampfer sind stolz, nicht mehr zu rauchen. Foto: Oliver von Schaewen

Und was sagen die Raucher? „Ich stinke nicht mehr“, sagt ein Nutzer aus Ludwigsburg, der anonym bleiben will. Zur Einmal-E-Zigarette greife er nicht. „Das wäre auf Dauer einfach zu teuer.“ Kein Wunder, denn eine Einweg-Zigarette kostet rund zehn Euro und hält nur 500 bis 600 Lungenzüge. Zum Vergleich: Eine einzige Filterzigarette ist nach etwa zwölf Zügen aufgeraucht.

Ein anderer E-Raucher aus Marbach nutzt ebenfalls nur nachladbare E-Zigaretten. „Es ist das Beste, was es gibt: Es kostet weniger, es riecht nicht, und im Hals brennt es nicht.“ Er rauche mit Nikotin, indem er Tabakkapseln in die E-Zigarette einführe. Das sogenannte Iqos-System funktioniert ähnlich wie das Verdampfen von Flüssigkeiten: ohne Verbrennung, dafür aber durch batteriebetriebenes Erhitzen auf 330 Grad. „Ich muss die Akkus aber täglich nachladen“, sagt der 35-Jährige, der zugibt, dass auch diese Art zu Rauchen nicht gerade billig sei.

Die Anbieter setzen wegen des bevorstehenden Verbots von Einmal-E-Zigaretten verstärkt auf die Mehrweg-Variante. Krebsforscher warnen jedoch schon seit Jahren davor, das Rauchen von E-Zigaretten zu verharmlosen. Das gelte auch für tabakfreie Systeme. „Die Inhaltsstoffe des Dampfs können das Herzkreislaufsystem schädigen“, teilt das Bundesinstitut für Risikoforschung mit. Beim Dampfen könnten krebserzeugende Substanzen wie Formaldehyd und Acetaldehyd sowie zelltoxisches Acrolein entstehen. Das Institut empfiehlt komplettes Nichtrauchen.

E-Zigaretten: Wie gefährlich ist das Dampfen?

E-Zigarette
 Der Begriff E-Zigarette steht für elektronische Zigarette, die anstelle des Tabaks eine in der Regel nikotinhaltige Flüssigkeit – auch Liquid genannt – enthält. Beim Rauchen wird sie über ein batteriebetriebenes Heizelement erwärmt und verdampft. Die Zusammensetzung des Liquids, das sich in einer Kartusche oder einem Depot befindet, ist abhängig vom Produkt und daher sehr unterschiedlich teilt das Bundesinstitut für Risikobewertung mit.

Risiken
Gesundheitliche Risiken könnten sich für „Dampfer“ aus dem Nikotin, den Verneblungs-, Wirk- und Zusatzstoffen sowie möglichen Verunreinigungen ergeben. Aufgrund der Hitze könnten andere gesundheitsgefährdende Stoffe entstehen. Den Dampf von E-Zigaretten atmeten auch Passivdampfer ein. Über die langfristigen Gesundheitsfolgen von E-Zigaretten sei noch wenig bekannt.