Arbeiter füllen in einer Anlage im Salzsee von Uyuni in Bolivien Lithiumkarbonat in 20-Kilogramm-Säcke ein Foto: dpa/Georg Ismar

In Bolivien regt sich Protest gegen die Förderung eines seltenen Metalls. Eine Firma aus Zimmern ob Rottweil macht dort Geschäfte. Die Einheimischen sind im Hungerstreik.

La Paz - Es begann mit einem Hungerstreik zweier Aktivisten vor ein paar Tagen in La Paz in Bolivien. Ihr Ziel: die Annullierung der Verträge der Lithium-Förderung des bolivianischen Staates mit deutschen und chinesischen Firmen. Die beiden Aktivisten wurden von der Polizei von den Treppen des Kongresses entfernt. Jetzt soll der Protest ausgeweitet werden. „Morgen beginnt ein Streik für unbestimmte Zeit in Potosi“, bestätigte Marco Antonio Pumari vom lokalen Bürgerkomitee Potosi.

Die Kernforderung der Demonstranten ist eine gerechtere Beteiligung der Region an den zu erwartenden Einnahmen und eine Abschaffung des Dekrets 3738, mit dem Boliviens Regierung den deutsch-bolivianischen Unternehmenszusammenschluss für das Projekt startete. Pumari wirft dem beteiligten Unternehmen aus Deutschland vor, über keinerlei Erfahrung in der Industrialisierung sowie in der Finanzierung des Projektes zu verfügen. Die kritisierte Firma heißt ACI Systems Alemania (Acisa), ein Zweig des Energie-Spezialisten ACI Group, zu Hause in der Kleinstadt Zimmern ob Rottweil. Die Region Potosi sei nur unzureichend an einem möglichen Gewinn beteiligt, sagen die Kritiker. Dem widerspricht die Firma: Ein Teil des aus der Restsole (Überreste einer Lösung in einem Verdunstungsbecken, Anm. d. Red.) gewonnenen Lithiums verbleibe in Bolivien, soll vor Ort zu Kathodenmaterial verarbeitet werden.

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Die Kritiker des Projekts behaupten, sie hätten seit Monaten versucht, mit der Regierung des linksgerichteten Präsidenten Evo Morales in einen Dialog zu treten, seien aber auf eine Mauer des Schweigens gestoßen. Dass in Bolivien in gut zwei Wochen Präsidentschaftswahlen sind und die Demonstranten der Opposition nahestehen, verleiht dem Anliegen Brisanz. Fast alle Zeitungen im Land berichten darüber.

Lithium ist ein begehrter Rohstoff: Kein Handy, kein E-Bike und natürlich auch keine Batterie für die neue Generation der Elektroautos, die das Klima retten sollen, kommt ohne es aus. Lithium schlummert im Salzsee Salar de Uyuni, mit 140 Kilometer Länge und 110 Kilometer Breite der größte seiner Art. „Lithium ist das neue Erdgas“, schwärmt Präsident Morales seit Jahren. Zur Vertragsunterzeichnung versammelte sich zum Jahreswechsel in der baden-württembergischen Vertretung in Berlin viel politische Prominenz. Von deutscher Seite war Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) dabei, Präsident Morales und Energieminister Rafael Alarcón vertraten Bolivien.

Acisa-Chef Wolfgang Schmutz machte der Autoindustrie Hoffnung: „Durch das Joint Venture sichert sich Deutschland erstmals nach Jahrzehnten wieder den direkten Zugriff auf wichtige, nicht heimische Rohstoffe.“ Diese seien für die deutsche Autoindustrie von Bedeutung. Um die Sichtweise der Kritiker zu verstehen, ist ein Blick in die bolivianische Geschichte hilfreich. Einst waren in der Provinz Potosí riesige Silbervorkommen entdeckt worden. Das Vermögen wurde jedoch von spanischen Kolonialherren geraubt.

Eine Acisa-Sprecherin sagte: „Wir müssen akzeptieren, dass es in Bolivien Proteste gibt.“ Dem begegne die Zimmerner Firma mit Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung, bei denen auch soziale Organisationen wie Brot für die Welt und Misereor mitwirken. Dabei gehe es um die Umwelt- und Sozialverträglichkeit.

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