Batman zählt seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Superhelden – auch deshalb, weil er keine Superkräfte hat. Am 3. März kehrt er zurück ins Kino in Gestalt von Robert Pattinson.
Stuttgart - Da steht Batman nächtens zwischen Wolkenkratzern und blickt auf Gotham, den Tummelplatz exaltierter Superschurken. Die fürchten nur eins: dass Batman hinabgleitet und sie zur Strecke bringt im ewigen Konflikt zwischen Gut und Böse. Der Kosmos aus Comics und Filmen um den Rächer ist riesig – und längst nicht auserzählt. Am 3. März startet im Kino „The Batman“. Robert Pattinson (35, „Tenet“) gibt nun den Milliardär Bruce Wayne, der ins Fledermauskostüm schlüpft. Er ist der sechste Darsteller seit 1989 und beerbt Michael Keaton (1989, 1992), George Clooney (1997), Christian Bale (2005, 2008, 2012).
Geblieben ist die Nachtaktivität
Batmans Geschichte beginnt mit einer Rehabilitierung. In Europa fürchtete man Fledermäuse lange als Ausgeburten der Hölle. Auf historischen Gemälden trägt der Teufel Fledermausflügel, Graf Dracula geht in Fledermausgestalt auf Blutjagd. Bei Batman ist davon nur eines geblieben: die Nachtaktivität.
Der Zeichner Bob Kane und der Autor Bill Finger erschufen ihn 1939 für den New Yorker Verlag DC Comics, der 1938 mit „Superman“ einen Hit gelandet hatte. Dieser, unbesiegbar und makellos, gilt heute als Langweiler. Batman ist viel näher am Publikum: Er hat keine Superkräfte, nur Kung-Fu und ein Tüftler-Hirn, das Flughilfen ausbrütet, Superfahrzeuge wie das Batmobil und Wunderwaffen wie die Batarangs, fledermausförmige Wurfklingen. Im Kampf für eine bessere Welt rührt Batman an die Fledermaus in uns allen: Er zeigt maximale Zivilcourage. Die führt oft zu Selbstjustiz – er jagt die Richtigen, aber ohne Mandat. Batman und sein Sidekick Robin traten deshalb anfangs als Gehilfen der Polizei auf.
Batman ist ein Selbstjustizler
Eher schrill ging es in der ersten TV-Serie (1966–1968) mit Adam West zu: Batman gibt schräge Tanzeinlagen und misst sich im Brandungssurfen mit dem Joker, einem 1940 erschaffenen Gegenspieler. Die Serie beeinflusste spätere Adaptionen und wurde zum Zitatenschatz für die Popkultur, bei den „Simpsons“ ging Bart in einer Folge sogar als „Bartman“ auf Schurkenjagd.
Tim Burton entfachte ein Fledermausfieber
Der Autor und Zeichner Frank Miller erfand den Helden dann völlig neu in der spektakulären Graphic-Novel-Miniserie „The Dark Knight Returns“ (1986). Er erzählte von einem reifen Bruce Wayne, der nach einer Auszeit zurückkehrt in Gothams Unterwelt und sich und seine Rolle ständig reflektiert. Ein globales Fledermaus-Fieber entfachte 1989 der Regisseur Tim Burton mit dem Film „Batman“. Michael Keaton gab eine smarte Fledermaus, Jack Nicholson einen irren Joker.
Einen sehr ernsten „dunklen Ritter“ erschuf Christopher Nolan in seiner Film-Trilogie mit Christian Bale: Die Gefahr war nun real, das Dunkel mächtig, das Augenzwinkern verschwunden. Der 2009 verstorbene Heath Ledger trieb die Figur des Jokers in „The Dark Knight“ (2008) in einen bösen Exzess und bekam dafür posthum einen Oscar. Den verdiente sich später auch Joaquin Phoenix: Atemberaubend spielt er in „Joker“ (2019), wie ein Gedemütigter sich zum Psychopathen wandelt.
Es gibt eine Frau in Batmans Männerwelt
Das Batman-Universum befindet sich in einem steten Wandel, in seinen schillernden Figuren spiegeln sich der jeweilige Zeitgeist und künstlerische Ansätze. Der Riddler wurde 1948 eingeführt als grün gewandeter Unruhestifter mit Maske, der seinen kriminellen Weg mit Rätsel-Hinweisen pflastert. In „Batman Forever“ (1995) machte Jim Carrey aus ihm eine komödiantische Karikatur; Paul Dano dürfte in „The Batman“ ernster zur Sache gehen: Der Riddler ist darin Batmans Hauptgegenspieler und nun ein Serienkiller.
1940 setzten Kane und Finger eine Frau in Batmans Männerwelt: Catwoman, Trickdiebin mit Sex-Appeal. Julie Newmar gab sie in zwei Staffeln der Serie emanzipiert-verführerisch. Für die dritte hatten die Produzenten genug Mut, die grandiose Sanges-Provokateurin Eartha Kitt („Let’s Do It“) zu engagieren, aber zu wenig, um eine Afroamerikanerin mit einem Weißen flirten zu lassen. Kitts fauchende Catwoman kippte ins Kriminelle.
Michelle Pfeiffers Katzenfrau gilt heute als feministische Ikone
In „Batman Returns“ (1992) spielte Michelle Pfeiffer eine peitschenschwingende Femme fatale, die den Kerlen selbstbewusst die Stirn bietet. Diese Katzenfrau gilt vielen heute als feministische Ikone. Näher zurück zum Robin-Hood-Gedanken ging Anne Hathaway in „The Dark Knight Rises“ (2012). Nun folgt Zoë Kravitz, und sie hat in der Serie „Big Little Lies“ neben Reese Witherspoon und Nicole Kidman gezeigt, dass sie bei den Großen mitspielen kann.
Michael Keaton ereilte nach Batman ein Karriereknick. In Alejandro Gonzalez Innaritus „Birdman“ (2014) spielt er selbstironisch einen Ex-Superhelden-Darsteller, der in der Not versucht, am Broadway Theater zu inszenieren. Joel Schumacher steckte George Clooney in das figurbetonteste Kostüm aller Zeiten, „Batman und Robin“ (1997) geriet zur sinnfreien Farce und fiel bei den Fans durch. Clooney entschuldigt sich bis heute dafür, „Batman zerstört zu haben“; seiner Karriere hat es nicht geschadet.
Pattinson bringt eine Fledermaus-Erfahrung mit
Auf einem ganz anderen Feld spielt nun Robert Pattinson, der mit 35 immer noch darauf wartet, schauspielerisch aus dem Schatten seines hübschen Gesichts zu treten. „The Batman“ sei eine Art Film noir, sagt der Regisseur Matt Reeves, der Held leiste erstmals echte Detektivarbeit. Action-geladene Trailer-Bilder zeugen von maximaler Düsternis, Pattinsons Bruce Wayne wirkt bleicher als einst sein sanfter Blutsauger in der Vampir-Romanze „Twilight“ (2005). Diese Fledermaus-Erfahrung bringt er immerhin mit, wenn er zwischen Wolkenkratzern steht und auf Gotham City blickt.