Trotz einiger Probleme: Christoph Horzella ist optimistisch. Foto: Archiv Günter Bergmann

Die Männer des tus Stuttgart sind in der Regionalliga zum Neuaufbau gezwungen. Hinzu kommt erneuter Corona-Ärger. Dennoch macht der Trainer eine mutige Ankündigung.

Degerloch - Eine Redensart besagt: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Wer könnte diese besser bestätigen als Christoph Horzella. Eigentlich wollte der Trainer mit seinen Regionalliga-Basketballern des tus Stuttgart am Sonntag endlich wieder um Punkte spielen – nach der Rekordpause von knapp zwölf Monaten die so lange herbeigesehnte Rückkehr in den Wettbewerb. Groß war die Vorfreude bei den Degerlochern. Bis vergangene Woche. Seither grüßt Horzella aus der Corona-Quarantäne. Er selbst hat sich trotz Impfung bei einem seiner Spieler angesteckt. Der erste Auftritt in Crailsheim fällt also gleich einmal aus. Und zugleich ist das leidige Viruskrisenthema bereits abermals präsent, noch ehe nach zuletzt zwei Saisonabbrüchen überhaupt wieder ein Ball geworfen ist.

 

Freilich, das mit dem Starttermin sollte nicht der einzige Irrtum sein. Eigentlich auch war Horzella bei seinem Amtsantritt auf der Waldau einmal davon ausgegangen, dass ihm ein mit Hochkarätern gespicktes Aufgebot zur Verfügung steht. Ein Kader, der allein schon kraft der Namen tauglich schien, der Konkurrenz wacklige Knie zu bescheren. „Wir waren bereit für eine tolle Runde“, sagt Horzella. Das war vor einem Jahr. Dann kam der Lockdown. Und heute nun stellt sich die Ausgangslage etwas anders dar, um es vorsichtig zu formulieren. Geprägt ist jene erneut von großen Namen – diesmal allerdings unter der Rubrik „Abgänge“. Nicht weniger als fünf Leistungsträger sind weg. Zuletzt war es eine ganze Reihe von personellen Hiobsbotschaften, die es zu verdauen gilt.

Ursprünglicher Plan über den Haufen geworfen

Das Karriereende der Routiniers Nils Menck und Jose Angel Tejada Munoz tut ebenso weh wie der Beschluss der höherklassig erprobten Youngsters Nico Reiling und Denni Cukovic, aus zeitlichen Gründen kürzer zu treten. Nicht zu vergessen der Ausstieg des erst im vergangenen Jahr verpflichteten Zwei-Meter-Manns Akant Sengül, der inzwischen in Cottbus seinen Doktortitel macht. Vor allem aber mit dem Verlust von Menck und Tejada Munoz ist der ursprüngliche Plan über den Haufen geworfen: jener, dass auf dem Parkett erst einmal weiter die alte Garde vorangehen soll, während in deren Fahrwasser die Jugend reift. Nun ist die letztgenannte schneller in verantwortungsvollen Rollen gefordert als gedacht.

„Es ist ein bisschen ein Führungsvakuum entstanden“, konstatiert Horzella und erkennt darin „eine gewisse Problematik“. Einerseits. Andererseits ergebe sich dadurch aber eben auch eine Chance für andere. Optimistisch ist er, dass in dieser Saison manch einer „auf dem Feld explodiert“, den momentan noch keiner auf der Rechnung hat. Für die demgegenüber drei externen Zugänge stellt die Regionalliga zwar Neuland dar. Sie alle kommen aus tieferen Klassen. Doch ebenso alle bringen laut Horzella ein wichtiges Kriterium mit: talentiert, hungrig, leistungsbereit. Darüber hinaus ist in dem Spielmacher Herdie Lawrence immerhin eine Frontfigur geblieben.

„Vollgas-Basketball spielen“

Die spannende Frage ist, zu was es damit in der Tabelle reichen kann – auch für die tus-Verantwortlichen selbst. Ein konkretes Saisonziel benennt Horzella wohlweislich nicht. Nur so viel: „Wir wollen Vollgas-Basketball spielen und als Team zusammenfinden“, flankiert von immerhin einer mutigen Ankündigung. Der Coach geht davon aus, dass es „schwer sein wird, uns zu schlagen“. Ob das eher Zweckoptimismus ist oder auf einer realistischen Einschätzung fußt, müssen die nächsten Monate zeigen.

Los geht es für die PKF Titans, unter welchem Namen die tus-Basketballer weiter firmieren, nun erst verspätet am 16. Oktober – dann mit der Ligapremiere in der neuen Heimspielstätte, der jüngst fertig gestellten Sporthalle Waldau. Der bisherige Wirkungsort, die Ruth-Endress-Halle, ist schon allein deshalb raus, weil dort nach einem Wasserschaden gerade Großbaustelle ist.

Auch in diesem Fall gilt: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

Zugänge: Mert Yildirim (TV Obertürkheim), Jannic Holzwarth (BG Tamm/Bietigheim), Christopher Weidemann (TG Nürtingen), Paul Zeuch (eigene Jugend).

Abgänge: Nils Menck (Karriereende), Aleksandar Pantic (TS Göppingen), Akant Sengül (White Devils Cottbus), Jose Angel Tejada Munoz (Trainer eigene zweite Mannschaft), Nico Reiling, Dimitrios Minoudis (beide SV Fellbach II).